Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
703-704
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Sehicksel

bei Stieler(hochd. Sprachkunst 105) u. 1672 in Simpl. 2, 491, 23 Kllr. Schicksel n., 1644 bei Zeiller Episteln 260 als nd. Wort, mndl. 1598 schicksel. Schickung, f., md. im 14. Jh. schickunge f.«Gestaltung, Anordnung, Ein- richtung, göttliche Fügung», im 16. Jh.«Sen- dung»(Luther 5, 32*).

Schicksel, n.(-, Pl. wie Sg.): Mädchen (Gotter Schauspiele 261), bei Christen nur Judenmädchen(Kindleben 1781). 1724 gau- nerisch(Kluge 184). Aus der Judensprache, jüd. schizah Christenmädchen», von hebr. schelcez m. Abscheu, Greuelꝰ.

schieben, v.(Prät. schob, Konj. schöbe, Part. geschoben): durch Drücken auf einer Fläche hin fortbewegen. Mhd. schieben, ahd. scioban, auch stoßen⸗, im Mbd. c«heimlich begünstigen, Vorschub leisteny; dazu mnd. schüven, mndl. schugven, nndl. schaiven, afrs. skuva, ags. schfan, engl. shove, anord.(schwach- flekt.) skuüfa, skyfa, schwed. sk)uva, got. afskiuban(wegschieben). Urverw. mit abg. skubati«reißen, zupfen?, lit. skubνs, skuhras aschnell, eiligs, skiübti«sich beeilen, aind. Ksubh- «Ruck, Stoß?, Küubhjati«er schwankt». Das Präs. lautet mhd. schiube, schiubest, schiubet (md. schäbit), im 14. Jh. scheubt, daher älter- nhd. u. noch bei Schottel 1663 u. Steinbach 1734 scheubst, scheubt neben schiebst, schiebl, der Imp. älternhd. im 15. bis 17. Jh. scheub neben schieb. Das Prät. mhd. schoup, Pl. schaben (Konj. schübe), älternhd. u. noch b. Stieler 1691 schub, Pl. schuben. Vgl. Schaub, Schub, Schippe, Schaufel. 4BL. Schieber, m.: Werkzeug, mit dem od. auf dem man etw. schiebt(Stein- bach 1734); verschiebbarer Verschluß(Frisch 1741). ZUS. Schiebbock, m. u. Schieb- karren, m., 1691 bei Stieler, s. Schubkarren.

schiedlich, adj., nur in der RA. friedlich u. sch.«friedfertigy. Mhd. 1340 schid(e)lich zu mhd. schit, s. u. Schiedsmann, m.: den Streit auf gütlichem Wege Schlichtender. 1664 bei Duez Schiedsmann neben Scheids- mann, bei P. Fleming[1651] 207 Schiedemann, älternhd. im 16. u. 17. Jh. Schidmann, mhd. schideyman m., Pl. schidliate, dafür bei Luther Scheide(s)man. Zgs. mit mhd. schit m.(Gen. des), auch schiet«Scheidung, richterliche Ent- scheidung», zu ahd. scidön u. scödan(s. schei- den). Schiedsrichter, m.(*s, Pl. wie Sg.): den Streit entscheidender Richter, 1768 bei Moerbeek, Schiederichter 1734 bei Steinbach, Schiedlrichter 1644 bei Harsdörffer Gespr. 1, 3, dafür Scheydsrichter 1664 b. Duez, 1478 schei-

Schiefer 704 desrichter(Cod. dipl. Sax. reg. II, 3. Nr. 1215). Schiedsspruch, m. bei Rädlein 1711 u. Lud- wig 1716 Scheidspruch, in d. Tirol. Weist. 4, 94, 20 Schidspruch. schief, adj.: seitwärts geneigt. Md. im 13. Jh. schief«schief, ungerade, verkehrt, falschy, im 14. Jh. schof(Pl. schäue)«schief, falsch, in den Fastnachtsp. des 15. Jh. 974, 2 scheff, 1663 bei Schottel scheif, 1734 bei Stein- bach(schles.) sche(e), 1741 bei Frisch schäf neben schief; dazu mnd.-nnd. schéf, ndl. scheef, ags. scãf, engl. skerw, anord. skeifr, schwed. skef, dän. slcjev. Nebenformensindndhess.-thür. scheib, 1557 bei Waldis Es. 2, 31, 164 schib, 1584 bei Bünting Braunschw. Chron. 1, 117² schieb, obhess. frk. schepp(schon 1540 b. Alberus dict.), schwäb. schäps; ferner mit Guttural mhd. schiec, noch bayr. schieghen, schweiz. schieggen, kschieggen«mit schiefen Füßen gehen», 1618 bei Schönsleder Schiegfuſß. Viell. Wurzelverw. mit lat. scaevas«link», vgl. Walde. 4 L. Schiefe, f., 1716 bei Wolff mathem. Lex. 968. Schiefer, m.(-S, Pl. wie Sg.): Blattstein; Splitter;(im 17. Jh.) innrer heftiger Zorn;(im 16. u. 17. Jh.) kleine Narrheit im Kopf, Wunder- lichkeit. Mhd.(stark) schiver, schever und (schwach) schivere, schevere m.«Splitter von Stein», bes. aber«von Holz», ahd. scivero m. «Steinsplittery, später auch Holesplitter», woraus dann die Bezeichnung der abblättern- den Steinart hervorging, spätmhd. im 14. 15. Jh. schiferstein, md. schiverstein m., 1562 bei Mathesius Sar. 1012 Schieffer, 145 b Schiffer n.; in der Bed.«Haut-, Kopfschuppeny 1664 bei Duez Schieffer Pl.; dazu mnd. schever, schiver m.«Splitter od. Blatt von Stein», bes. aber«Holzschindel», schever- u. schevelstän m. «Schiefergesteins, mengl. schivere, engl. shiver Splittery,(entl.) schwed.-dän. skifer«Schiefer- steim. Verw. mit Schäbe(s. d.), schieffef.«Haut- schuppe? 1519 bei Murner(Böcking Hutten 5, 403) u. mnd. schiften«teilen»(das Erbe), ndl. schiften«scheiden, trennen», ags sciftan, engl. shift, anord. skipla«teilen. 4 B1. schiefern, v., mhd. schiveren«splittern, zer- splittern». schieferig, adj.: splitterig(1562 bei Mathesius Sar. 111 b schieferich); schiefer- haltig, schieferähnlich(1780 bei Adelung schie- ferig, schiefericht). ZUS. Schieferbruch, m., 1730 b. Minerophilus Bergwerkslex. Schiefer- dach, n., 1664 b. Duez Schieffertach. Schiefer- decker, m., 1663 b. Schottel. Schiefertafel, f., 1691 bei Stieler Schiefertäflein, 1562 bei

Mathesius Sar. 1462 schifferne Taffel.