Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
705-706
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76* 05 schiel

schießen 706

schiel, adj.: scheel. Bei Lessing 1, 30, E. v. Kleist 1,100(Hemp.). Md. im 13. Jh. schiel neben schel, wie mhd. im 14. u. 15. Jh. schilch«schel, schielend, triefůugigy neben mhd. schelch, ahd. scelah(s. scheel). Davon schielen, v.: schief sehen, 1430 bei Diefenb. gl. 332 Schielen, neben schelen 1420 bei Schröer Voc. 36 2, md. im 13. Jh. schiln, schilocen, mhd. schilhen, spätahd. sci- lihen, schilehen, älternhd. im 16. Jh. u. noch hess.-frk.-bayr. schilchen. In der Bed.«aus einer Farbe in die andre übergehn, in ver- schiednen Farben spielen, schillern⸗ 1664 bei Duez Schielen, 1563 in Forers Fischbuch 33³ schilen. Dazu Schieler, m.: Schiefsehender, (mhd. schilher, 1472 schieler bei Diefenb. gl. 554 b); Wein, dessen Farbe zwischen weiß u. rot schwankt(1556 bei Frisius 6262 u. noch schweiz. Schiler, 1664 bei Duez Schieler, 1575 im Garg. 84 u. 153 Schiller, steirisch Schilcher m.). S. Schiller.

Schiene, f.(Pl.-/): Schienbein(noch in md. u. nd. Ma.); langer schmaler Metall- oder Holzstreifen; Schindel der Wundärzte(1664 bei Duez). Mhd. schin(e), schiene f.«schmaler Metall- od. Holzstreifen», im 15. Jh.«Schien- bein», md. im 15. Jh. schene f.«Beinschiene als Teil der Rüstung», ahd. scina f.«Metall od. Holzstreifen, auch«Nadel), im 8. Jh. scena f. «Schienbein?, im 11. Jh. sciena f.«Schienbein» (gl. jun. 264), mnd. u. nnd. schene f.«Schien- bein u. Schiene», 1477 clev. schene, ndl. scheen, ags. scinu f. u. scha m.«Schienbein», engl. shin «Schienbein», schwed. skena f., dän. skinne Schiene». Noch bayr. Schin f. eschmaler abge- spaltner Holzstreifen zum Flechten von Körben u. Sieben), schweiz. Schine f.«Schindel, Holz- splitter». Viell. zu ir. sklan«Messer, aus *skeino-, Aus dem Deutschen entl. ital. schi- niera f., span. esquinela f. Beinrüstung»(woher wiederum mhd. schinier, schinnelier n.«Arm- u. Beinschiene der Rüstung»), ferner ital. schiena(dial. schina), prov.-span. esquena, frz. échine f. Rückgrats. 4L. schienen, v.: mit Schienen versehen(ein Rad, 1642 bei Duez); einen Knochenbruch durch angelegte Schienen verbinden(1663 b. Schottel, schennen 1691 b. Stieler). ZUS. Schienbein, n.: Knochen vom Knie bis zum Fuße, Vorderfläche des Beins, ebd. Mhd. im 12. Jh. schin(e)bein, 2gs. mit Bein in der ältern Bed.«Knochenꝰ; dazu ndl. scheen- been, ags. scinbãn n., engl. shinbone.

Schier, m.: Klare durchsichtige feine Lein- wand, auch Schleier. Ndsüchs. Mnd. 1565 schir m. Das subst. M. des nd. Adj. schir(s. ¹schier);

Weigand, Deutsehes Wörterbuch. 5. Aufl.

II. Bd.

gew. nd. schierdök, mnd. schir(en) dök, hess. schirrdöch, hochd. Schiertuch, d. i. schier Tuch (1648 bei Comenius Sprachentür 500). 4L. schieren, adj.: aus Schier bestehend od. ge- macht(Voß Luise 3, 1, 518).

1Schier, adj.: klar, hell, lauter, unvermischt, glatt, eben. Bei Boie in Voß' Musenalmanach 1796 S. 159. Ndrhein. im 12. Jh. schér«lauter, glänzend, rein»(Rother 224), mnd. u. und. sch7r, asächs. skr i); dazu afrs. skire, ags. scir, engl. shire, sheer(hell), anord. skirr u. skνrr, schwed. skãär, dän. skjär, got. skeirs(klar, deutlich), ins Hochd. aufgenommen vereinzelt mhd.(md.) schr clauter, glünzendy. Gleichen Stammes wie scheinen(s. d.). Urverw. mit ir. cyr«rein. Wie es scheint aus dem Germ. entl. ist russ. scirxi«lauter, aufrichtigy.

2Schier, adv.: bald, beinahe(1540 b. Alberus dict. Vu 4b). Mhd. schier(e), spätmd. schir, ahd. sciaro, scioro, sciero u. scéro«schnell, in kurzer Zeit, baldy; dazu ndl. schier«beinahe?. Adv. zum ahd. Adj. scéri«scharf(hitzig) zum Aufspüren, scharfsichtig zum Erforschen; dazu anord. skirr«verständig, deutlich, klary. Wohl mit Ablaut zu 1sehier.

Schierling, m.(-s, Pl.-e): die Giftpflanze conium maculatum. Mhd. scherlinc, im 15. Jh. schirling, ahd. sceriling m.; dazu mndl. scher- linck, nndl. scheerling m. durch Anlehnung an das Suffix ding aus mhd. scherning, ahd. scer- ning m.«Schierling».(Vgl. Zfd W. 3, 276). Von glbd. ahd. scarno m. Wohl zu anord.-dän. skarn, ags. scearn n., afrs. scern«Misty, verw. mit gr. cxiνp n., aind. gärt n.«Mist?.

schießen, v.(Prät. schoß, Pl. schossen, Konj. schösse, Part. geschossen): wohin fort- schnellen; fortschnellend treffen; rasch stoßend wohin schieben; sich mit größter Raschheit fortbewegen; geschwind treibend hervor- u. emporwachsen(im 16. Jh. bei Aventin. 4, 213, 6, von Kristallen bei Paracelsus tartar. Krank- heiten Cap. 9). Mhd. schiezen in allen Bedd. außer der letzten, ahd. sciozan in der I., 2., 4. Bed.; dazu asächs. sceotan«Geschoß zielend schnelleny, mnd. schéten, ndl. schieten, afrs. skiata(auch«stoßen»), ags. scéotan, engl. shoot, anord. Sskoôta, schwed. skjuta, dän. skiı-de. Wohl urverw. mit lit. Säuju«ich schieße?, abg. sud, Saund«ich stoße, schiebey, lit. Säuditi«mehrfach schießen», alb. hep«werfe, worfley, wobei der Dental wurzelerweiternd wäre; kaum zu aind. skündaté eilty. S. auch Schoß, schossen, Schufß, Schusser, Schutz, Schütze. Das Präs. lautet mhd. schiauze, schiuzest, schiuzet, ahd. sciuzist,

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