1199 Wahl
wahr 1200
bahnwesen aus engl. waggon, das zu Wagen ge- hört, aber mit frz. Aussprache.
Wahl, f.(Pl.-en): Kundgebung des Willens für und gegen, freie Selbstbestimmung. Mhd. wal() f., ahd. wala f. Nur hochd. u. daher viell. erst von zwhlen gebildet. Aber anord.-schwed. val n.(dun. valg), dem aind. väras, vãram m. n. Wunsch, Begehr» genau entspricht, weisen auf höheres Alter. Vgl. wühlen. ZUS. wahlfähig, adj.: erwählbar(1716 b. Ludwig); fähig zu wäh- len(1780 bei Adelung); zur 1. Bed. stellt sich Wahlfähigkeitsexamen, n.: Prüfung für Volksschullehrer u. Theologen, die das Recht gibt, für ein Amt gewählt zu werden. wahl- frei, adj., Verdeutschung von falcultativ. Ende des 19. Jhs. Wahlgang, m.: die einzelne Ab- stimmung für eine Wahl. Im 19. Jh. wahllos, adj.: ohne Auswahl. Noch nicht bei Campe u. Heinsius. Wahlmann, m., 1728 belegt. Wahl- spruch, m.: Sinnspruch, Devise, Lebensregel. 1648 von Zesen gebraucht u. wahrscheinlich von ihm gebildet. Wahlverwandtschaft, f., ein Ausdruck der Chemie, der die Eigenschaft von Körpern bezeichnet, sich, obwohl sie schon mit andern verbunden sind, miteinander zu vereini- gen. 1779 aus lat. attractio electiva des Schwe- den Bergmann(1775) von Weigel übersetzt. Früher b. Albertus Magnus affinitas. Der Aus- druck wurde von Goethe aufgenommen u. auf menschliche Verhältnisse übertr. im Sinne einer auf Wesensgleichheit beruhenden Annäherung. Vgl. Zfd W. 9, 294.
Wahle, s. welsch.
Wählen, v.: durch freien Willensentschluß bestimmen, aussuchen. Mhd. wel(le)n, ahd. zwellen; dazu andfrk. prät. welida, anord. velja, schwed. välja, dän. välge, got. waljan. Verw. mit abg. voliti, aind. varãjati, dem Kausativum zu der Wz. in wollen(s. d.) u. Wille, also nicht von Wahl abgeleitet. 43 L. wählbar, adj., 1719 bei Kramer u. dann erst wieder bei Campe. Wähler, m.(-s, Pl. wie Sg.), mhd. welcœre, aber nicht b. Adelung; davon wählerisch, adj.: wer vielauswählt. 1691 b. Stieler, aber noch von Ade- lung u. Campe als niedrig u. unedel bezeichnet.
lwählig, adj.: wählerisch; verzärtelt, pim- pelich, empfindlich(G. Keller 7, 145). Bei Les- sing 7,81, Herder 3,292 8S. Zu Wahl.
²wählig, adj.: wohl von Kräften; lustig, munter, mutwillig, ausgelassen. Aus dem Ndd., schon and. welag æ«reich»; dazumndl. welech, ndl. welig«ũüppigy, ags. welig«xreich». Von asächs. welo m.«Reichtumy zu z0hl(s. d.). Tritt im letzten Viertel des 18. Jhs. in der Schriftsprache,
bes. bei nordd. Schriftstellern, auf, dringt dann aber weiter vor, so zu Mörike, G. Keller 4, 224.
Wählmut, m.: Übermut aus Wohlbefinden. Zgs. mit dem aählig zugrunde liegenden nd. αilI, 1755 bei Richey Wehl.
Wahn, m.(els): Urteil nach Schein, unbe- gründete Meinung. Mhd.-ahd. wän m.«Hoff- nung, ungewisse Meinung, Vermutungy; dazu asãchs.-mnd. αeν m., ndl. aan, afrs.-ags. en f., ags. éna m., anord. vãn f., schwed. vän, got. vons f.«Erwartung, Hoffnungs. Die urspr. Bed. war«Erwartung», vgl. noch anord. viõnn choff- nungsvoll, vielversprechend, tüchtig, schön?, got. uswεna, ahd. urzwãni«hoffnungslos»; dazu nach Weigand asächs. α, qQ᷑ḡa,m wanum cheiter, glänzend», eig. wohl«erwünscht», wozu aind. vãmds lieb, lieblich, lüstern». Zugrunde liegt eine Wz. wen- erstreben», die wir in gewwinnen haben. Vgl. noch Walde u. vénãri«jagen». In der Zss. Argabohn hat sich zu 205 entwickelt, einfaches awn findet sich im 16. Jh. überwiegend obd. 4B EL. wähnen, v.: unsicher, falsch meinen. Mhd. wœnen, ahd. ꝛw(n)en; dazu asächs. wãnian«erwarteny, afrs. weéna«meinen», ags. εᷣnan erwarten, vermuten, beargwöhnen'y, engl. ween, anord. veνnd, got. wéenjan hoffen, erwarten». ZUS. Wahnbild, n.: Blendwerk, leere Einbildung. Zuerst 1755 bei Herder.
wahn, adj.: leer, unverständig. Nur noch mundartl. u. in Zss. Mhd.-ahd. wan«mangelnd, mangelhaft, leery; dazu asächs.-mnd.-ndl. wan, frs.ags. won, anord. vanr, got. wans«mangelnd, fehlend». Verw. mit lat. vãnus«leer», gr. edvic ermangelnd», aind. andäs«unzureichend, er- mangelnd, aw. Ina- cungenügends, arm. unain cleer». ZUS. Wahnkante, f.: mangelhafte Kante eines Balkens. Aus dem Ndd. 1786 bei Adelung. wahnschaffen, adj.: unschön, al- bern, eig.«mangelhaft geschaffen». Aus dem Ndd. 1786 b. Adelung. 1482 im voc. theut. mm 8 b œ᷑nschaffen, mnd. wanschapen, ndl. wan- schapen. Wahnsinn, m.: geistige Gestörtheit, Unsinn. Schon bei Luther 5. Mos. 28, 28, aber erst im 18. Jh. recht üblich geworden. wahn- sinnig, adj., im 15. Jh.(Germ. 28, 408) nach zwwahnwitzig gebildet u. an Wahn angeschlossen. Wahnwitz, m.: Wahnsinn. Erst im 16. Jh. als F. Zum Adj. wahnwitz(mhd. warnwitze, ahd. vanaaezi, eig. cmangelnden Witz[Verstand] habend»; dazu anord. vanvita unverständlichy), neben das im 15. Jh. wahnwitzig trat. Auch mnd. wanzoittich, 1598 b. Kilian wanweligh u. wanwitigh, dän. vanvittig, schwed. vanvettig.
wahr, adj.: mit dem Wirklichen oder Sein-


