Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
1309-1310
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1309 zehren

Zeile 1310

als Abgabe, urspr. an die Kirche. Von Luther bis ins 18. Jh.(bei Adelung getadelt) zehend, mhd. ze(he)nde, zehent(e) m., ahd. zehento m., zu ergänzen Teil. Davon zehnten, v., mhd. zehen- den. Zehntel, n.(-s, Pl. wie Sg.): der zehnte Teil. Zs. mit tel= Teil. zehntens, adv., ge- bildet wie drittens(s. d.).

zehren, v.: auflösend mindern; durch Essen mindern; wovon leben. Mhd. zern«für Essen u. Trinken Aufwand machen, sich nähren von, vernichten, töten, ahd. firzeran«vernichten⸗; dazu asächs. farterian«vernichten», ndl. feren cverzehren, ags. feran, engl. fear«zerreißen?, got. gataãran czerreißen, zerstören. Verw. mit gr. dépeiv«schindeny, abg. dirati«zerreißen, lit. darti«schinden», aind. dynäãti«zersprengt, berstet». Dazu noch zerren u. auch wohlzergen. 4B L. Zehrung, f., mhd. zerunge f. Nahrung, Ausgaben dafür, Zehrgeld, Aufwand, Kostens. 2Z0S. Zehrfieber, n. zehrendes Fieber. Zehr- pfennig, m.: kleine Gabe zur Zehrung. Spät- mhd. zerpfenninc m.

Zeichen, n.(s, Pl. wie Sg.): das in die Augen Fallende, zum Erkennen u. zum Unter- schiede Dienende; vorbedeutende Erscheinung. Mhd. zeichen, ahd. zeichan n., auch Bild, Fahne (Feldzeichen)»; dazu asächs. técan, ndl. teeken, afrs. téxen, ags. fãcen, engl. tokcen, anord. tãcn, teilen n., schwed. fecken, dän. tegn, got. tailens f., tailen n.«zeichen». Zu einer idg. Wz. deig, die neben*deik, s. zeigen, zeihen steht. Mit dem- selben Konsonanten lat. digitus m.«Finger. Es könnte aber auch zu der unter zecken, Zecke er- wähnten Wa. dig stechen⸗ gehören. Z08S. Zeichendeuter, m., bei Luther 3. Mos. 20, 6; Jes. 8,19 usw. Zeichensprache, f.: Sprache durch Zeichen. Bei Herder 1, 386 S. Zeichen- buch usw., s. zeichnen.

zeichnen, v.: mit einem Zeichen versehen; verwunden, so daß ein Malhinterbleibt; Figuren, Umrisse usw. entwerfen; subskribreren. Mhd.

zeichen(en)«mit einem Zeichen versehen, auf. schreiben, verzeichnen, anzeigen, Wunder tuny,

ahd. zeihnan, zeichenen, zeihhonn anzeigen, bezeichnen»; dazu afrs. texna, ags. fäcnian, anord. teina, got. faienjan«zeigen». Von Zei- chen. 4BL. Zeichnung, f., mhd. zeichenunge f. Bezeichnungs, ahd. zeichenunga f.«Bezeich- nung, Anzeichen». ZVS. Zeichenbrett, n., noch nicht b. Campe. Zeichenbuch, n., 1716 bei Ludwig. Beide zgs. mit dem mhd. üblichen zeichen zeichnen).

Zeidelbär, m.: kleine dem Honig nach- gehende Bärenart. Bei H. Sachs. Fab. 35, 84.

Nd. Tielbãr, mnd. fil(e)bere. Zgs. mit dem nur in Zss. vorkommenden ahd. 2idal-«Honig», das sonst nicht belegt u. dunkler Herkunft ist. Sehr unsicher ob zu Zeile«Reihes. Vgl. noch Btr. 26, 311. Zu diesem: zeideln, v.: Honigscheiben aus dem Bienenstock schneiden. 1664 bei Duez; Zeidler, m.: Bienenzüchter. Mhd. zidelcre, zdler m., ahd. zãdalari m. Zeidelweide, f.: Waldbezirk, in dem Bienenwirtschaft getrieben wird. Mhd. 2udelaweide f.«Waldbezirk mit und zu Bienenzucht im Walde⸗, ahd. 2ãdalzweida f. Zeidelwirtschaft, f.: Bienenzucht.

zeigen, v.: die körperliche, dann auch die geistige Sehkraft bestimmen auf-hin; vor die Augen bringen. Mhd. zeigen, ahd. zeigön. Zu der Waz., die in zeihen vorliegt. Gleiche Bildung in lat. indlicdre canzeigew. 4L. Zeiger, m.: ein Stab an der Uhr, der die Stunden anzeigt. Bei Diefenb. gl. 280 b, nov. gl. 205 b. Mhd. zeiger m. An-, Vorzeiger», ahd. zeigari« Zeigefinger, Hinweiser». ZUS. Zeigefinger, m., 1469 im mrhein. voc. ex quo zeychefinger.

zeihen, v.(Präs. zeihe, Prät. zieh, Konj. ziehe, Part. geziehen, zeihſe]): in ausgesproch- nem Verdacht haben, mit Bestimmtheit an- schuldigen. Mhd. zJhen(Präs. 25he, Prät. 26ch, Pl. zigen, Part. gezigen), ahd. 2ꝰhan(Präs. 2lhu, Prät. 26 ½h, Pl. zigum, Part. gizigen)«anschuldi- gen»; dazu asächs. aftihan«versagen», mnd. tien«xanklagenꝰ, afrs. fia, ags. téon anklagen», anord. jd«zeigen, mitteilen, schwed.-dn. fe czeigeny, got. gateihan«anzeigen, verkündigenn. Dazu noch zeigen, bezichtigen. Verw. mit gr. deucvévch«zeigen», lat. döcere csageny, air. do- decha« er sagey, aind. dicãti«zeigt, weisty. Ur- spr.«zeigen», aber die Entwicklung zu anzei- gen» auch in gr. diun f.«Rechtꝰ, lat. Jüdeæ m. cRichtery, indicdre«anzeigen?. Bei Schiller Karlos 4, 19 zeihte.

Zeiland, m.(-Lels, Pl.-e): Seidelbast, daphne mezereum. 1533 bei Diefenb. gl. 129 b Zeilant, im 12. Jh., mit Anlehnung an 2nt«Zeito, citlant(Mone Anz. 8, 95, 41), mhd. 2Mlant, ahd. cilant u. außerdem noch mannigfache Neben- formen, s. Zfd W. 3,280. Viell. zu Zeidlel, s. Zei- delbꝝr u. vgl. Idg. Forsch. 4, 340

Zeile, f.(Pl.-n): Reihe(noch bei Schiller «Häuserreihey Glocke 185, Goethe Faust 5998 der Völker lange Zeilen, die Zeil«Straße in Frank- furta. M.*); durch Schrift gebildete Linie. Mhd. zil(e) f.«Reihe, Linie, Armbrustrinne»,(spät- mhd.)«Gassey, ahd. zila f., auch«Ordnungy. Viell. aus*2ia, obgleich auf oberlaus. Zeidel wohl nichts zu geben ist, u. zu gr. durrpév' n.