1245 Werde
Werg 1246
Werde, n., die als Subst. gesetzte 3. Pers. Sg. Präs. Konj. von werden. Nach 1. Mos. 1, 3. 6 in der 2. H. des 18. Jh. b. Goethe u. Schiller, 1811 b. Campe aus J. A. Cramer. ZUS. W9erdegang, m.: Entwicklung. Erst um die Mitte des 19. Jhs.
werden(Präs. werde, wirst, wird, Prät. ward, seltner als wurde, Pl. wurden, Konj. würde, Part. gewworden, auch u. zwar als Hilfs- verb immer worden, Imp. wWerde): anfangen zu sein; in der Zukunft sein; durch Ubergang sich entwickeln od. verwandeln; geschehen. Dann Hilfsverb zur Bildung des aktiven Futurs u. der Zeitformen d. Pass. Mhd. werden(Präs. Wirde, wirde]st, wirlde]lt, Pl. werden, Prät. wart, wur- den, Part. worden, Imp. wirt), ahd. werdan(wir- du, zwirdit, b. Notker awirt, werdamés, Prät. ward, wartum, Konj. warti, Part.[gilwortan, Imp. zird); dazu asächs. werdan, ndl. worden, afrs. wertha, ags. weordan, anord. verda, schwed. varda, dun. vorde, got. wairpan«werderm. Verw. mit lat. vertere«kehren, wenden, drehenꝰ, gr. bordvn f.«Rührlöffel, Rührkelle», ir. frith«ge- gen»(aus*vrto-), aind. värtaté, vartati dreht sich, verläuft, weilts, aw. varot- æsich wendenꝰ, abg. vrütéti, lit. vefsti«wenden, kehren. Dazu noch-aέαrts u. wohl auch zwert u. Wirtel, diez. T. die alte Bed.«wenden, kehren, drehenꝰ festhal- ten. Das Verb ist das einzige, das den alten Ab- laut ganz festhält, wenngleich ard statt urde heute zurücktritt und als gewählt empfunden wird. wurd findet sich schon im 12. Jh. u. hält sich im Nhd., es steht bei H. Sachs, Harsdörffer Gespr. 3, 367, Gryphius Tr. 67, Günther 270, 757, Simplex 86, Haller 74. wurde ist erst nach dem Konj. gebildet(schon spät-mhd.). Nach ward wurde auch ein Pl. warden gebildet(statt wurden), den noch Adelung als selten anführt. Daneben auch worden, b. Luther Ps. 90, 2 che denn die Berge.. worden, auch schon Myst.!, 190, 14. Das Part. Präs. lautet eig. worden, aber schon um 1451 auch gewworden, bei Luther selt. (Richt. 11,39). Später scheiden sich worden und geuorden, daß erstres als Hilfsverb steht, doch findet sich bei Dichtern worden noch lange statt gewworden, z. B. Gellert Lustsp. 324, Schiller 11, 282; Wallenst. T. 4, 6, Goethe 6, 44 usw. Vgl. Zfd W. 1, 297.
Werder, m.(, Pl. wie Sg.), auch Wert, m., bayr. auch n.(els, Pl.-e): Flaßinsel; Uferland. 1716 bei Ludwig«Insel», 1664 b. Duez wehrder, thamm, 1540 bei Alberus dict. R 42 erd. Md. werder m., unhd. wert(Gen.-des) m.«Insel, Halbinsel, erhöhtes wasserfreies Land zwischen Sümpfens, ahd. warid, werid m.«Insel; dazu
ags.(eſarod m.«Küste, Strande. Wohl zu weh- ren u. in der Bildung aind. vãrũtham n.«Schutz, Schirm, Schutzwehr» entsprechend, falls die urspr. Bed.«Damm» ist.
werfen, v.(Präs. werfe, wirft, Prät. warf, Konj. würfe, Part. geworfen, Imp. wirf): durch die Luft schnell von sich fortbewegen;(weidm. vom Tier) gebüren;(refl.) krumm werden. Mhd. werfen, ahd. werfan(wirfu, Pl. werfamés, Prät. warf, wurfam, Konj. wurfi, Part.[gi lworfan, Imp. wWirf); dazu asächs. werpan, ndl. werpen, afrs. erpa, ags. weorpan, schwed. värpa, dän. verpe(Eier legen), got. waırpan«werfem. Verw. mit abg. vrügnqti, vrügati«werfeny. Anders Bezz. Btr. 28, 54 und Falk-Torp, die kaum mit Recht an eine Grdbed.«drehen» denken. S. i werft. Dazu noch Wurf, Wuͤr fel.
i Werft, m.(Jels, Pl.-e): Aufzug od. Kette eines Gewebes. Bei Schiller 6, 414 u. Adelung Ntr., 1716 b. Ludwig werff(t) F., 1691 b. Stieler Werft od. Warf m., b. Luther 3. Mos. 13, 48 u. 52 Werfft m. Mhd. warfn., ahd. war(a)f, warphn.; dazu and. warp, mnd. warp(auch noch«Wurfs), 1477 elev. warp, 1598 bei Kilian warpte, ags. wearp n., engl. warp, anord.-schwed. varp. Von werfen, das im anord. verpa auch bed.«den Ein- schlag in den Aufzug einschießen», was durch das Herüber- und Hinüberwerfen des Weber- schiffchens geschieht. Khnlich ahd. erfét weppi (daßihr) werfet das Gewebes, gleichsam cdurch- werfet den Aufzug», lat. ordirémini téla(Jes. 30, 1). Der Aufzug aber sind die aufgezognen Fäden, durch die beim Weben das Schiffchen hin- und hergeworfen wird.
²Werft, n.(-els, Pl.-e), preuß. nur Werf- t(e), f.(Pl.-eln): Schiffsbauplatz. 1691 b. Stieler warfm. Aus dem Ndl., 1598 b. Kilianverff., mndl. werpte f.; dazu nd. warf f., engl. wharf, zuerst «Kai, gemauerter Uferdammꝰ. Dasselbe Wort, ist asächs. Hoarf m., ags. hopear m. Versamm- lung, Haufey, dann auch«Erhöhung:, in ags. merehwearf m.«Gestade, Ufer». Schwed. var, dän. verftsind entlehnt. Zu werben«sich drehen.
sWerft, f.(Pl.-en): Ansiedlung von Einge- bornen in Südwestafrika. Aus dem ndl. werf (s. 2 Werft), das auch«Hofstelley bedeutet.
Werg, n.(-Lels): die groben wirren beim Schwingen u. Hecheln des Flachses u. Hanfes abgefallnen Fäden. 1716 bei Ludwig werrig, Werck, werg, 1664 bei Duez, Kramer, Hulsius Werck, b. Luther Jes. 1, 31, Sir. 21, 10 werg mit md. Schreibung, mhd. wero, ahd. werih, werc(h). Eins mit Werk, eig. sdas durch die Tätigkeit er- zeugte». Dazu ahd. äwurihhi n.«Wergo.


