Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
1179-1180
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1179 Vogesen

voll 1180

scheuchen. 1482 im voc. theut.(unter zerp). 1716 bei Ludwig Vogelscheuch, bei Goethe(Eg- mont) 8, 251, 8 Vogelscheu m. Vogelschießen, n., zgs. aus der RA. nach dem Vogel schießen. Vogelsteller, m.: Vogelfänger. 1691 b. Stieler. Von spätmhd. vogel( ge)stelle f.«Vogelfang.

Vogésen, s. Wasgau.

Vogt(mit ö), m.(Jels, Pl. Vögte): Sehirm- herr; beaufsichtigender Beamter; Vormund (mundartl.). Bis ins 18. Jh. auch Voigt, mhd. vog(e)t m., auch mit Ausstoßung des g voit, da- neben vout, ahd. fogat, foget aus mlat. vocãtus statt lat. adoocätus m.«Anwalt»(s. A vokat). 4BL. Vogtéi, f.: Amtsbezirk eines Vogtes. Mnd. vogetie f.«Vogtei, Vormundschaft. ZUS. Vogtland, n.: Teil des Königreichs Sachsen. Lat. terra advocãtõôrum, seit dem 11. Jh. Name für die Reichsdomänen an der obern Elster u. Saale, die die deutschen Könige durch Vögte verwalten ließen.

Vokabel(spr.-),f. Pl.-n): einzelnes Wort, bes. zum Auswendiglernen. 1540 bei Alberus dict. 54 b.

Vokäl(spr. 16-), m.(-Lels, Pl.-e): Selbst- lauter. 1572 bei Rot Vocal u. bei Keisersberg Emeis 742, aus glbd. lat. võcãlis f.(ergänze litera f.«Buchstabe»), eig.«stimmreich), abgel. von võöæ f.«Stimme». Verdeutscht um 1530 b. Iekel- samer durch Lautbachstab, 1572 bei Rot, 1691 b. Stieler durch Stimmer, 1593 b. Helber, 1641 bei Schottel, 1722 b. Freyer durch selbstlauten- der Buchstab, endlich 1748 b. Gottsched durch Selbstlauter, später auch Selbstlaut. Vokäl- musik, f.: Gesang. Zgs. mit lat. võcãlis adj. 1727 bei Sperander.

Vokativ(spr. 2-), m.(-Tels, Pl.-e), auch (nicht preuß.-bayr.) Vokativus, m.(Pl.-ve): Rufkasus; Anredefall. Aus lat. vöcätivus m. zum Rufen dienender»(nämlich casus m.«Fall) von võcãre crufen». Vokativus«durchtriebner Mensch, Schalk», 1703 bei Wächtler«ein loser Hudler», 1694 b. Nehring«Schalck, schlimmer Gesell». Nach Gombert3, 23 b. Grimmelshausen.

Voland: Teufel, s. Valand.

Volänt(spr. ⁰ʃ⁴), m.(I4, Pl.-s): unten loser Besatz, Falbel an Frauenkleidern. Aus glbd. frz. volant m.(zu voler«fliegen», lat. vo- läre) in neurer Zeit. Voliére, öst. Volière (spr. 2-), f.(Pl.-n): Vogelhaus. Das frz. voliere von voler«fliegen»(s. o.). 1834 bei Petri.

Volapük(spr. 20-), n.(*S), vom Pfarrer J. M. Schleyer geprägter Name für die von ihm er- fundene Weltsprache. Seit etwa 1881 eine Art Schlagwort, vgl. Ladendorf.

Volk, n.(Tels, Pl. Völker): Gesamtheit der Regierten; Gesamtheit eines Haufens Menschen; die Gesamtheit dersogenannten geringen Leute; Gesamtheit der Menschen einer Sprache. Mhd. volc n., auch«Kriegshaufen», ahd. folc n., selt. m.; dazu asächs.-afrs.-engl.-anord.-schwed.-dän. follc n., ndl. volte, ags. fole n. Entl. sind lit. put. kas m.«Haufe, Schary, abg. Pläükä m.«Krieger- schar, Truppy. Die frühere Vergleichung mit glbd. lat. volgus n. ist nicht möglich wegen air. folc«Menge». Am ehesten zur gleichen Wz. wie voll u. wurzelverw. mit gr. nA⁴sο n.«Mengev. 4BL. Völkerschaft, f. Gesamtheit einzelner Stämme; einzelner Stamm. 1645 bei Zesen Ibr. 1, 131. völkisch, adj., Verdeutschung von na- tional. ZUS. Völkerfrühling, m., von Börne 1818 geprägtes Wort, das seit 1830 Schlagwort wurde. Vgl. Ladend. u. Zfd W. 8, 138. Völker- recht, n., 1645 bei Zesen Ibr. 1, 120. Völker- schlacht, f., Bezeichnung der Schlacht bei Leipzig, Oktober 1813. Von Müffling geschaffen. Vgl. Ladendorf. Volkslied, n., von Herder August 1771 geprägt. Volksseele, f.: die ge- heime Schaffenskraft des Volkes u. die Empfin- dung der Gesamtheit. Von Herder 1769 geprägt. Vgl. Ladendorf. Volkstum, n., 1810 von Jahn geschaffen, ebenso wie volkstümlich, adj. Volkswirtschaft, f., Übersetzung des engl. national economy. 1834 bei Petri.

voll, adj.(Komp. voller, Sup. vollst): aus- gefüllt; reichlich ausgebildet(volle Wangen), vollständig; betrunken. Mhd. vol, ahd. fol; dazu asächs.-ags.-engl.-schwed. fall, ndl. vol, afrs. fial, anord. fullr, dän. fuld, got. falls. Aus* falna-, gleich ir. Iän, kymr. laun, lit. pilnas, abg. plüns, serb. p'un, aind. pürnäs, aw. parana-, mit Ab- laut dazu lat. plénus, aind. prãnas«voll», Ver- baladj. von einer Basis*elé«füllen». voller, adv., ist der flektierte Nom. M., mhd. voller, wo es noch flekt. vorkommt. RA. voll und ganz Modeausdruck seit etwa 1842. Vgl. Zfd W. 2, 313; 5,124. 4B L. Völle, f.: Vollsein. 1537 bei Dasypodius. Mhd. volle f., ahd. folla f.«Fülle. Die regelrechte Bildung ist Fülle. vollends, adv., 1678 bei Kramer, im 16. Jh. vollend, bei H. Sachs Fastn. 36, 146, aus mhd. vollen, ahd. (nur bei Otfried) follon«völlig, gänzlicho, viell. Akk. Sg. des Adj. Völleréi, f.(Pl.-en), 1662 b. Stoer 576 2 Völlerey*, das Vollsauffen, mit An- lehnung an voll für Füllerei(bei Luther), spät- mhd. vüller? f. Vollheit, f., mhd. volheit f. Völlerei, Gesamtheit». völlig, adj., b. Luther võllig, vollig, mhd. vollec«voll, vollständig, reich- lich», ahd. nur folligläh. ZUS. volläuf, adv.: