Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
1177-1178
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1177 Vision

Vogel 1178

sicht(vis, s. o.) gegen Gesicht». Vis-a-vis, n.: das Gegenüber. Erst im 19. Jh. Visfer(spr. 20-), n.(Tels, Pl.-e): Helmgitter; Sehspalte, Ziel- vorrichtung. Im 15. Jh. visier(e) n. f. in 1. Bed. Aus glbd. frz. visiere f. von vis(s. o.). visie- ren, v.: aufs Korn nehmen, zielen; aufs Korn nehmend spähen(Goethe Faust 2991); eichen; nach Durchsicht durch Unterschrift beglau- bigen. Aus glbd. frz. viser von volkslat.* isdrτe von visum(s. o.). Schon spätmhd. visieren ceichen, auch«modellieren, darstellen, schil- dern, in kunstgerechter Weise beschreiben.

Visiön(spr.-) f.(Pl.-en): Erscheinung, Gesicht, Fantasiegebilde. Schon im 14. Jh. mhd. vision, n(e) f.«Traumgesicht». Aus lat. visio f. Erscheinung»(zu widére«sehen).

Visitatiön(spr. 20-), f.(Pl.-en): Unter-, Durchsuchung, Besichtigung. 1521 in Ordnun- gen 94 b. Aus lat. vsitdtio f. das Sehen»(zu vidêre csehen).

Visite(spr. w-), f.(Pl.-n): Besuch, bes. auch des Arztes, 1663 b. Schupp. Aus glbd. frz. visite f. von visiter besuchenꝰ von lat. visitãre (8. u.). ZUS. Visitenkarte, f.: Besuchskarte (Goethe, Campe Besuchkarte). 1813 b. Campe.

visitieren(spr. w-): durchsuchen, besich- tigen. Mhd. visitieren nach frz. visiter, lat. visi- tãre coft sehen, besuchen»(zu vidére«sehen).

Vista(Spr. 2-), f.: Sicht, Vorzeigung eines Wechsels. Seit dem 17. Jh. belegt. Aus ital. vista f.«Ansichtꝰ(zu lat. vidére«sehen).

Vitrine(spr. w-), f.(Pl.-n): Glasschrank zum Ausstellen von Gegenständen. Aus glbd. frz. vitrine f. von vitre f., lat. vitrum n.«Glasꝰ.

Vitriõl(spr. w-), m.,(öst. nur) n.(els, Pl. -e): glasähnliche Verbindung der Schwefelsäure mit dem Oxyd von Eisen, Kupfer usw. 1537 bei Dasypodius V., im 15. Jh. bei Diefenb. gl. 6242 voytrile, u. noch 1768 b. Moerbeck Victril neben vitriol. Aus mlat. vitriolum n. von lat. vitr eus cgläsern»(zu lat. vitrum n.«Glas»). Benannt nach dem glasähnlichen Aussehen.

Vivat!: er lebe! Das lat. vivat, 3. Pers. Konj. Präs. von vivere«lebens». 1703 bei Wächtler. 1663 b. Schupp 662, b. Homburg K 5 viva nach dem Italienischen. Vivat, n.(-s, Pl.-s): das Lebehoch(Rüdiger). 1703 bei Wächtler.

Vivisektiön(spr. wioi-), f.(Pl.-en): Zer- gliederung lebender Tiere. Im 19. Jh. Gebildet aus lat. vivas«lebendy und sectio f., s. Sektion.

Vize-, öst.-bayr. auch noch Vice- in Zss. bed. sstellvertretend». Es ist das lat. vice, Ablativ von vicis«an Stelle von. Die älteste Bildung ist Viztum(s. d.), dann Vizekõnig(1575 bei Fi-

schart Garg. 224. 227), Vizegraf(1594), Vize- kanzler(im 17. Jh.).

vizinãâl, adj.: die Nachbarschaft betreffend. Aus lat. vrœεέε nachbarlich⸗ von vicinus m. cNachbarz. ZUS. Vizinälbahn, f.: Lokal- bahn. Vizinälweg, m.: Feldweg.

Viztum, m.(-els, Pl.-e): Stellvertreter eines Fürsten; Stiftshauptmann. Früher auch Vic(e)dom. Mhd. viztuom, zuerst im 12. Jh., im 15. Jh. vitztamb, viczdöm, mittelst Anlehnung an ahd. mhd. fuom m. n.(s.-tum⁷) aus mlat. vice- dominus(zgs. aus lat. vice-, 8. viæe u. lat. dominus m.«Herrꝰ).

Vlies(-es, Pl.-e), öst.-bayr. daneben auch VIieß, n.: Schaffell, zottiges Fell. Nach Ade- lung nur in Orden vom goldenen Fließe bekannt. 1582 im Garg. 443 v0 6, 1650 bei Philander Ges. 2,7, Lohenstein Soph. 2, 516 usw. Flüſß, 1532 bei Liliencron 4, 49 pließ, 1595 bei Rollenhagen Froschm. 1, 2, 16, 161 pleus, spätmhd. vlius, vlies, md. vläs n.; dazu mnd. ul⁵s n., nd. flils, mndl.- ndl. vlies n., ags. flẽos, My*s n., engl. leece. Dazu Flaus. Dazu viell. ir. 10«Wollflocke, Wollhaar, Härchen der Augenbrauen, Schneeflocke», lat. plãma f.(aus*plusma)«Feder, lit. Plaskos Haarzotten, Haares. Vgl. Walde.

Vogel, m.(1s, Pl. Vögel): geftügeltes Tier; be- fiedertes Tier; lustiger, leichtsinniger Mensch (Lessing 1, 233); Schrulle(einen Vogel im Kopf haben). Mhd. vogel m.(Pl. vogelle] und daher noch Vogel b. Luther, Opitz, Logau, Hoffmanns- waldau Schäf. 68, Günther 352), ahd. fogal, fugal m.; dazu asächs. fugal, ndl. vogel, afrs. fagel, ags. fugol, fugel, engl. foꝛol, anord.-dän. fugl, schwed. fogel, got. fugls m. Entweder aus* Vlogel zu flie- gen, vgl. Geflügel, oder zu lit. paãkstas m., aind. phuxa-«Vogel». Vgl. Btr. 26, 310, Idg. Forsch. 9,361. 4BL. vögeln, v.: begatten. Bei Goethe 38, 50. Mhd. vogel(e)n vom Begatten der Vögel u. übertr.(Zfd W. 5, 12). Vogler, m.(-s): Vogel- steller, mhd. vogelcœære, vogeler, ahd. fogalari, ags. fagel(e)re m., engl. fowler. Nur noch in Hein- rich der Vogler. Eig. abgel. vom ahd. fogalõn cVögel fangen». ZUS. Vogelbeere, f.: der Baum sorbus aucuparia. 1664 b. Duez. Vogel- dunst, m.: feinstes Schrot, s. Dunst. vogel- frei, adj.: geächtet, eig.«frei für die Vögel. Mhd.(1400) vogelvri. Vogelherd, m.: Ort zum Vogelfang. Spätmhd. vogelhert m. Vogel- miere, s. 2Miere. Vogelperspektive, f.: der Anblick von oben, wie ihn die Vögel haben. 1807 b. J. Paul Levana 1, 302. Vgl. Zfd W. 2, 313. Ubertragung des fra. à vue d'oiseau. Vogel- scheuche, f.: Gerüst, um die Vögel zu ver-