Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
1173-1174
Einzelbild herunterladen

1173 Vetturin

vier 1174

Vetturin(spr.*o), m.(els, Pl.-e): Lohn- kutscher. Bei Goethe 1, 308. Aus glbd. ital. vet- kurino m. von ital. vettara f. Wagen» zu lat. vehere cfahren?.

vexieren(spr.-): plagen, necken, zum besten haben. Im 16. Jh.(1572 bei Rot, 1578 bei Clajus Gram. 109) aus lat. vegãre«schütteln, hudeln, plagen, quälen.

Vezier, s. Wesir.

via(spr.-), Präp.:(auf dem Wege) über. Der lat. Abl. viã von via f.«Weg». Im 17. Jh. Viadükt, m.(Jels, Pl.-e): Uberbrückung, Uberführung. Neue Bildung auslat. viaf.«Weg' u. einer Abl. von dãcere cführen». Wohl erstmit dem Eisenbahnwesen aufgekommen. Viäti- kum(spr. 2-), n.(*s): Zehrgeld, Wegzehrung; letztes Abendmahl für Sterbende. Im 17. Jh. Das glbd. lat. viãticum n. von via f.«Wegy.

vibrieren(spr. ao-): zittern, schwingen. Im 18. Jh. aus glbd. lat. vibrãre, das viell. schon früher in fippern(s. d.) entl. wurde.

Vice-, s. Vize-. Vicedom, s. Viztum.

vidimieren, v.: beglaubigen, daß eine Ab- schrift mit der Urschrift gleichlautend sei; für druckreif erklären. 1572 b. Rot. Aus glbd. frz. viclimer von lat. vidimus«wir haben gesehen?* zu vidére«sehen.

Vieh, n.(Je]s): Gesamtheit der Haustiere; Haustier; Mensch, der sich wie ein Vieh be- nimmt(in der Umgangssprache in dieser Bed. auch in der mundartl. Form Viech, mit dem Pl. Viecher). Mhd. vi(h)e n., ahd. fihu, feho n. Tier, Gesamtheit der Haus- und Weidetieres; dazu asächs. fehu, ndl. vee, afrs. fia, ags. feö), fioh (engl. fee«Lohn, Bezahlung, Honorar), anord. r6 n., schwed.-dän., got. faihu n.«Vieh, dann auch fast überall«Vermögen, Habe, Gut, Geldy, da das Vermögen in«Vieh» bestand. Verw. mit lat. pecu n., pecus n. f.(lat. pecunia f.«Vermögen, Gelds), lit. pékus, apreuß. peclcu(mitabweichen- dem Guttural, wohl aus dem Germ. entl.), aind. pãcçu n., aw. pasu-«Vieh. Vgl. Walde, Osthoff Parerga 1, 215 ff. 4L. viehisch, adj., mhd. vihisch. ZUS. Viehhirt, m., mhd. vihehirte m. Viehmagd, f., mhd. vihemaget f. Viehstall, m., mhd. vichstal n. Viehweide, f., mhd. vihe- weide f. n. Viehzucht, f., mhd. vihezuht f.

viel, adv. u. adj.: größre Anzahl od. Menge. Mhd. vil(e), ahd. fila, filo; dazu asächs. filu, ndl. veel, afrs. fel, ags. feolu, anord.-, got. filu Viel. Verw. mit gr. noX«uc, air. il, aind. purug, apers. paru-. Das Wort ist urspr. subst. Ntr. des Adj. u. erfordert daher den Gen.(vgl. nicht viel Auf hebens bei Lessing Em. Gal. 1, 6). Erst

spätmhd. wird v. auch als Adj. verwandt, was sich im Nhd. weiter ausdehnt. Verdrängt wurde das alte idg. Adjektiv durch manch(s. d.). Der Komp. von v. ist mehr, s. d., der Sup. meist, 8. d. 4B. vielerlei, adv., 1556 b. Frisius maltifer vilerleg. Gebildet nach mancherlei. Vielheit, f., b. Diefenbach gl. 371². ZUS. Vielfraß, m.: einer, der viel frißt(ahd. filifi ãg m.); das wiesel- artige Raubtier gulo, das in den Bergen des nördlichsten Europas lebt. Zuerst 1498 im Rei- neke de Vos 2331 veelvratz. Angeblich umge- deutet aus norw. eldſꝓπ%ss, d. i.«Bergkatery. 8o noch Falk-Torp. Anders Zfd W. 2, 340. Der lat. Name gulo ist erst nach dem Deutschen ge- schaffen. vielléicht, adv.: möglicherweise. Mhd. vil lihte«sehr leichtz(mhd. vil als Adv. sehra). Vielliebchen, n.(-*s, Pl. wie Sg.): eine Art Wette zwischen zwei Personen, die eine Zwillingsfrucht(T.) verzehren; das von dem Verlierenden gegebne Geschenk. Erstim 19. Jh. vielmal(s), adv.: oft. 1561 bei Maaler vilmal. vielméhr, adv., die alleinige Geltung einer Aussage im Vergleich zu einer andern bezeich- nend. Mhd. vil mér, nhd. filo mér«quin potius. Vielweiberéi, f., 1691 b. Stieler als Verdeut- schung von gr. nokuToula f.(s. Polygamie). vier, Zahlwort. Mhd. vier, ahd. fior; dazu asächs. fi(u)war, fior, ndl. vier, afrs. ftuaber, ags. féõower, engl. four, anord. Jörir, Ntr. Pjogur, schwed. fyra, dän. fire, got. aber fidawor(Dat. fichwòrim), entsprechend gr. reccapec, rérrapec, hom. wicupec, dor. réropec, lat. quattuor, umbr. petur-, gall. petor-, ir. cethir, kymr. petguar, pedawar, lit. keturl, abg. detyre, arm. Corlch, aind. datudãras m., Catvãri n., aw. Capväãrò. Die idg. Grundform ist* oetwores, der die got. Form entspricht. Für das übrige Germ. muß man eine Umwandlung zu*ewör- annehmen, woraus mit Schwund des Gutturals die angeführten Formen. Erhalten hat sich der Dental noch in Zss., got. fidur-, ags. f̃er-, aschwed. Räper-, anord. fer-. Alleinstehend auch nochviere, Dat. vieren(zu vieren, mit vieren), der Gen. vierer in viererlei. Die RA. alle viere«Hände und Füße», schon frühmhd. alliu vieria, alle viere. Als Subst. Vier, f. 4L. vieren, s. geviert. Vierer, m.: die Zahl 4. Spätmhd. vierer m. ceine Münze». Vierling, m:: vierter Teil einer Einheit(als Maß, Gewicht, Münze). Noch südd. Mhd. vierlinc m. vierte, Ordinalzahl. Früher auch vierdte. Mhd. vierde, ahd. fiordo; dazu asächs. fiordo, ndl. ierde, afrs. fiarda, ags. féorda, engl. fourth, anord. jördi, aber schwed. järde, dän. ſjerde zu anord. fer-(s. o.). Dazu gr. érpa- 74*