1163 Versehen
Verstand 1164
(refl.) sich heimlich eidlich verbinden(im 17. Jh., zunächst mit dem Zusatz zusammen). Mhd. verswern in 1. Bed., auch zeidlich geloben, falsch schwörens, ahd. farszwerjan.— Verséhen, n. (*s, Pl. wie Sg.): Fehler. 1691 bei Stieler. Der subst. Inf. versehen in 6. Bed. verséhen, v.: vorhersehend für etw. sorgen, bestimmen(Hes. 20, 6, noch im 18. Jh.); verwalten; stellvertre- tend verwalten(1561 bei Maaler); durch Dazu- tun vollkommner machen; unachtsam über- séhen; zur Straflosigkeit übersehen(Weish. 11, 24); unrecht statt recht sehen; durch un- achtsames Sehen unrecht machen;(refl.) durch Sehen EindruckaufdieLeibesfruchtempfangen. Mhd. verschen«vorhersehen, voraus ersehen, fürchtend od. hoffend worauf denken od. als voraussichtlich gewiß denken, fürsorgend sehen auf—, versorgen, übersehen, verschmähen, ver- zeihen, ahd. farsehan«verachten, verschmühen, (bei Notker auch) fernhin sehen, fürsorgend sehen»; dazu asächs. forsehan chinsehen, for- schend sehen, erblickeny, ags. forséon ver- achten, vernachlässigen», mhd. sich versehen cfürchtend od. hoffend erwarten, ahd. sich fir- sehan«vertrauen, hoffen. Vgl. Leopold 58.— verséhren, v.: verletzen. Mhd. verséren cver- wunden, beschädigen». Zgs. mit mhd. séren, ahd. séran, eig. Schmerz machen», von ahd. sôr n. m. Schmeræz, s. sehr.— verséssen, adj.: (mit auf) eifrig. Bei Goethe Br. 4, 308. Viell. von den Hühnern. Eig. Part. zu sich versitzen. — versétzen, v.: als Pfand setzen(mhd. für- saæ⁊ m. Pfand»); versperren, zu-, vorsetzen; pa- rieren, auswischen(einem eto. v.); entgegnen, erwiedern(im 17. Jh.). Mhd. versetzen chin- setzen, legen, verpfänden, beiseite setzen, er- setzen, verwehren, abwehren, parieren, fest- setzen, überlegen, bedrängen, aufstauem, ahd. firsezzan. Vgl. Leopold 76.— versichern, v.: sicher machen; in Beziehung auf Gefahr sicher machen(Schiller M. St. 2, 3. 8);(mit Dat. od. mit Akk. d. Pers.) durch bestimmten, festen Ausdruck sicher od. unbesorgt machen;(refl. mit Gen.) sich gewiß machen. Mhd. versichern ssicher machen, versuchen, erproben, angeloben. versprechen». In dieser letzten Bed. mit Dat. d. Person, wie auch nhd. oft(Goethe 19, 31; 27, 249, Schiller M. St. 2, 8). Steht aber die Per- son im Akk., dann steht die Sache im Gen. oder wird durch d. Präp. von verbunden(Goethe 20, 26, Lessing 5, 358). Steht die Person im Dativ, so kann die Sache auch im Akk. stehen (Schiller Karlos 4, 4, Maria St. 2, 8, V. 1845).— versiechen, v.: in Krankheit sich verzehren
(Goethe 1, 225). Mhd. versiechen durch Siechen aufzehren».— versfegen, v.: vertrocknen. Bei Luther neben verseigen, ebenso noch 1691 bei Stieler u. 1716 bei Ludwig. Kramer u. Räd- lein haben nur verseigen. Die Biegung ist bei Stieler stark u. schwach, während Schottel 601 nur das starke Partizip versigen hat(noch 1769 b. Herder krit. Wälder 1, 46). Im 18. Jh. dringt sonst die schwache Flexion durch. Mhd. ver- sihen(Part. versigen)«versiegen, zgs. mit Sihen ctröpfelnd durch etw. fließen»(s. seihen). Da- neben versigen«versinken». Das nhd. Verb ist wohl vom Partizip ausgebildet.— versilbern, v.: zu Geld machen. Schon im 15. Jh. den Wein versilbern u. verkaufen, 1678 bei Kramer.— versimpeln, v.: anspruchslos, beschränkt werden. Schon im 17. Jh. trs. ddumm machenm. S. Simpeln.
Versiön(spr. ²-), f.(Pl.-en): Fassung, Form eines Berichts. Früher«Ubersetzung» (b. Fischart 1, 13, 379 Kz.) aus glbd. frz. versionf., lat. versio f. eig.«Wendungy.
versöhlen, v.: durchhauen, eig. schlagen wie der Schuster auf die Sohlen. Bei J. G. Mül- ler Siegfr. v. Lind. 3, 133.— versöhnen, v.: Frieden stiften, aussöhnen. Bei Luther(1. Mos. 32, 20), 1537 b. Dasypodius 40², 1541 b. Frisius 189 ²2, Maaler versünen, aber 1605 bei Hulsius, 1618 bei Schönsleder, 1642 bei Duez, 1663 bei Schottel versönen, eine urspr. obd. Form. Mhd. verslienen. Zu sühnen. 4BL. Versöhnung, f., mhd. versuenunge.— verspréchen, v.: mit Worten zusagen; Hoffnung geben;(refl.) anders sprechen, als man wollte; sich verloben. Mhd. versprechen«für einen bürgen, verteidigen, verloben, in Anspruch nehmen, durch Rede bestimmen(promittere), wogegen sprechen (noch Mark. 7, 2), übel sprechen von jemand., verschmähen(noch bei Luther Richt. 9, 22), (refl.) geloben, unrichtig sprechen», ahd. fir- sprechen. Vgl. Leopold 65. 4 BL. Verspré- chen, n.(-s, Pl. wie Sg., meist Verspréchun- gen). Der subst. Inf. 1678 bei Kramer, Ver- sprechung aber 1561 bei Maaler. Versprüch, m.(-Lels): Verlobung;(früher) Versprechen. 1780 bei Adelung«in einigen Gegendenv.
Verständ, m.(-els), Abstraktbildung zu verstehen: das Vermögen, die Fähigkeit, einen andern zu verstehen; das Vermögen zu erken- nen; das Vermögen, deutliche Begriffe zu haben; Sinn, Bedeutung. 1561 bei Maaler und 1537 bei Dasypodius im heutigen Sinn. Spätmhd. selten verstant m. Verständnis, Verständi- gungy. Für unser«Verstand sagte man mhd.


