Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
1137-1138
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1137 Veit

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der aufgenommen wurde. Spätmhd. veiel, feihel m., mhd. el, vio* m., violef., aus glbd. lat. viola f. Mit obd. Diminutivsuffix-lin schon mhd. violon n., woraus obd. Veigelein. Daneben bayr. öst. Veigerl. Vgl. violett.

Veit, Mannesname. Aus lat. Vitus, woraus auch rom. Guido. St. Veit«Name eines Heiligen (nach der Legende am 15. 6. 350 geboren) wird auch für«-Teufeb gebraucht(Goethe 8, 51, Klau- dius im Rheinweinlied). ZUS. Veitsbohne, f.: die Säbelbohne phaseolus vulgaris, beginnt um den 15. 6., den Tag des St. Veit, in Süddeutsch- landzu blühen. 1780 b. Adelung. Veitstanz, m.: Nervenkrankheit, bes. in Zuckungen der Glieder bestehend. Im 16. Jh. Vgl. Germ. 28, 407. Nach mlat. chorea sancli Viti. Der Name, weil bei der Krankheit der heilige Veit als Helfer angerufen wurde. Anders Zfd W. 3, 238, wonach der Veits- tag eig. der Tag der Sommersonnenwende war u. der Veitstanz der an diesem Tag geübte wilde Tanz. S. auch Schwäb. Wb.

Velin(spr. 20-), n.(els): pergamentähn- liches Papier. Aus glbd. frz. velin m., einer Abl. von veau m. Kalby, also«Kalbshauty. ZUS. Velinpapier, n., 1813 bei Campe.

Velleität(Spr. w-), f.(Pl.-en): kraftloses Wollen, schwächlicher Entschluß ohne Wir- kung. Aus glbd. frz. velléité f. aus kirchlat. vel- leitas f. von lat. velle«wollen?. 1834 bei Petri.

Velõurs(spr. welur), m.(Gen., Pl. wie Sg.): Samt. Aus glbd. frz. velours m. von lat. villõsus czottig, haarig, rauh.

Velozipéd(spr.-), n.(-lels, Pl.-e): Fahr- rad, Rad. In den 70 er Jahren d. 19. Jhs. aus frz. vélocipède m., 2gs. aus lat. veloæ«schnell» u. pes, Gen. pedis m. Fuß.

Velten, Mannesname, gekürzt aus Palentin, von mlat. Valentinus. Der Heilige dieses Na- mens( 286) wird als Schutzheiliger gegen fal- lende Sucht angerufen, die daher St. Veltens Plage heißt. In dem Fluch potz Velten steht der Name für den des Teufels.

Velvet(spr. wehoet), m. n.(‧I6, Pl.-s): Samt, Halbsamt. Aus glbd. engl. velvet von altital. veluto m. von lat.* villutus statt villõsus«zottig, rauhy.

Vene(spr. w-), f.(Pl.-n): das Blut zum Her- zen zurückführende Ader, Blutader. Aus lat. vona Ader». 1801 b. Campe, wührend im 18. Jh. noch die lat. Form gebraucht wird.

Veneräbile(spr. w-), n.(*s): die geweihte Hostie in der römischen Kirche. Bei Goethe Faust 1021. Das Ntr. des lat. Adj. venerãbilis cverehrungswürdigy von venerãri«verehreny.

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. II. Bd.

venérisch(spr. un.), adj.: von der Lust- seuche angesteckt; von ihr herrührend. Im 18. Jh. 1694 bei Nehring, 1703 bei Wächtler u. auch noch 1727 bei Sperander nur in der Bed. «verliebt». Durch die Endung-isch von ital. ve- néreo«wollüstig, geil, geschlechtskrank u. dies aus lat. venereus«zur Venus gehörige, von Venus (Gen. Veneris), dem Namen der Göttin der Liebe bei den alten Römern.

Ventil(spr. a0-), n.(-Lels, Pl.-e): Schließ- klappe eines Zuglochs. 1568 bei Mathesius Sar. 157 b. Aus mlat. ventile n.«Schleuse eines Was- serkanals» von lat. ventus m. Winds. Venti- latiön(spr. ²0-), f.: Vorkehrung zur Erneue- rung der Luft; Lüftung. Im 19. Jh. aus glbd. frz. ventilation f. von lat. ventildtio f. Lüftung von ventilãre clüfteny zu ventus m.«Windy. ventilieren, v.: lüften; sorgfältig erwägen. In beiden Bedd. 1727 bei Sperander; in 1. Bed. 1572 bei Rot. Aus glbd. frz. venfiler von lat. ventiläãre(s. o.).

ver-, unbetonte untrennbare Partikel in Zss. mit Verben, von denen dann Substantive abge- leitet werden können. Die Aufstellung einer Grdbed. u. die Abl. der jetzigen Bedd. daraus, ist unmöxglich, da ver-(mhd. ver-, ahd. far-, fir-, fer-) drei verschiedune Formen im Got. entspre- chen, nämlich 1. alνπ αvor, voraus, vorbei, längs», entsprechend gr. rapd«bei entlang», aber auch lat. prae«vor» u. por chin?; 2. got. falr-, eig. «ringsumhers, entsprechend gr. nepi, lat. per, aind. pãrt, aw. pairi«ingsy usw., 3. fra«forto, entsprechend gr. vor», lat. pro, air. ro-, aind. prä-, aw.-apers. fra-«vory. Schon die got. Partikeln, namentlich faur, hatten keine ein- fache Bed. mehr, sondern eine gemischte ent- sprechend idg. Zuständen, u. so ist es bis jetzt unmöglich, die Entwicklung der verschiednen Bedd. klar zu ziehen. Vgl. Wilmanns Deutsche Gr. 1, 157 ff., M. Leopold Die Vorsilbe ver- und ihre Geschichte Breslau 1907. Aus dieser Her- kunft u. der daraus folgenden Entwicklung er- klärt es sich, daß Zss. mit ver- nhd. oft die ver- schiedensten, teilweise ganz entgegengesetzten Bedd. haben, vgl. die unten folgenden mit ver- zgs. Verben. An got. Beispielen, die mit nhd. verglichen werden können, haben wir folgende. 1. faur- liegt vor in got. faurbiudan verbieten, faurdammjan verdäãmmen, faurlagjan«vorle- geny verlegen, faurrinnan«vorhergehen» ver- rinnen; 2. fair- in faĩrhaitan verheißen; 3. fra- in fradailjan verteilen, fragiban vergeben(hin- geben), fragildan vergelten, fraitan fressen, fra- létan«freilassen, entlassenꝰ, fraliusan verlieren,

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