Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
1129-1130
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1129 Ur

Ursache 1130

f., mhd. ippecheit, uppe-, üppikeit f.«Leben im Uberfluß, Eitelkeit, Nichtigkeit, Vergänglich- keit, Leichtfertigkeit, Ibermuts, ahd.(bei Not- ker) uppicheit f. Leere, Eitelkeit, Gebalt- losigkeity.

Ur, m.(els, Pl.-e): Auerochs. Aus dem mhd. r(s. Auerochs) im Nhd. wieder aufge- nommen.

ur-, Präfix, eins mit er-(s. d.) mit Bewahrung der urspr. Form unter dem Ton. In neuern Zss. mit Substantiven bezeichnet ur-«das an- fänglich, urspr. vorhandene», bei Verwandt- schaftsbezeichnungen eine frühere Stufe, bei Adjektiven dient es zur Verstärkung, es ist bei diesen bes. stud. üblich.

Urahn, m.(Jels u.-en, Pl.-en): der erste Vorfahre. Mhd. urane,-ene m. Uralt, adj.: sehr alt. Mhd.-ahd. uralt. Uraufführung, f.: erste Aufführung. Seit Anfang d. 20. Jhs. durchgedrungene Verdeutschung von Premiere.

Urban, Mannesname, aus lat. Vrbãnus, dem subst. Adj. urbäãnus(s. u.).

urbän, adj.: höfisch, weltmännisch, fein gebildet. Aus lat. urbãnus von lat. urbs f. «Stadty, eig.«städtisch», dann cfein, im Be- nehmen gebildet, witzigy. 1801 bei Campe. Davon Urbanität, f., 1791 bei Roth.

Urbar, n.(-s, Pl.-e), auch Urbärium, n. (‧s, Pl.-rien): Grundbuch; eine Rente tragendes oder zinspflichtiges Grundstück; Rente oder Lehensabgabe von einem Grundstück. Nur noch landschaftlich. Mhd. urbor,-bar f. n. «zinstragendes Grundstück, auch latinisiert ur bora, urbura, urbarium. Zgs. mit ur u. einer Abl. von ahd. beran«tragen«(s. gebären). Da- von erst nhd. urbar, adj.: durch Anbau er- tragbringend. Eig. Zins gebend.

Urbild, n., von Adelung als neue Ver- deutschung für Original bezeichnet. 1716 bei Ludwig, 1737 bei Brockes 1, 29.

Urenkel, m.: Sohn des Enkels. Mhd. ur- eniklin n.

Urfehde, f.: eidliche Versicherung od. Ver- briefung, die Fehde aufzugeben. Bei Schiller Tell 5, 1 Urphede nach mlat. urpheda, durch Goethes Götz wieder bekannt geworden. Mhd. urvéhede, urvéhe f., md. orvéde f., eig.«Aussein der Fehdes.

Urgeschichte, f.: die Darstellung der Zei- ten vor der UÜberlieferung. Bei Herder. Ur- gicht, f.(Pl.-en): Geständnis eines Verbrechers vor Gericht. Fast veraltet. Mhd. urgiht f. Sün- denbekenntnis). Eig.«Aussage», zgs. mit ur- und ²2Gicht.

urgieren, v.: Nachdruck auf etw. legen, dringend betreiben; ersuchen. 1572 bei Rot. Von lat. urgére drängen».

Urgroßeltern, pl., Urgroßmutter, f., 1780 b. Adelung, Urgroßvater, 1741 b. Frisch.

Urheber, m.(-»s, Pl. wie Sg.): der, durch den etw. sein Entstehen hat. 1432 mhd. urheber. Von mhd. urhap m.«Anfang», dann«Anfänger, Urheber», auch Sauerteig», ahd. urhab Ur- sache, Sauerteig». Substantivbildung zu erheben.

Urian(els): Teufel; unwillkommner Gast. 1780 bei Adelung gebucht. 1672 bei Grimmels- hausen Vogelnest 1, 17, vgl. Gombert 3, 19. Her- kunft dunkel. Vgl. Zfd W. 3, 139.

Uriasbrief, m.: ein für den Uberbringer verderblicher Brief. Nach 2. Sam. 11, 14 f.

Urin, m.(-Lels): Harn. Im 17. Jh. aus glbd. lat. rna f., eig.«Wasser». Dazu urinieren, v.: harnen, aus mlat. urinare.

Urkunde, f.(Pl.-n): Bekundung, Bezeu- gung(æu Urkand); rechtliches schriftliches Denkmal zu Zeugnis u. Beweis; beweiskräftiges Zeichen, Lebenszeichen(Schiller Räub. 5, 1). Mhd. urkunde, urkünde n. f.«Zeichen, An-, Kenn- zeichen, Merkmal, Zeugnis, Beweis», ahd. ur- kundi f.«Zzeugniss. Eig. Abstraktbildung zu er- kennen, also«Erkenntnis». 4BL. urkunden, v., noch b. Adelung verzeichnet, jetzt durch be- urkunden ersetzt, mhd. urkunden,-Künden&be-) zeugen». urkundlich, adj., 1691 bei Stieler.

Urlaub, m.([els): erteilte amtliche Erlaub- nis, sich für eine Zeit vom Amte, aus dem Dienst zu entfernen. Mhd. urloup n. m., ahd. urloub; dazu asächs. orlof m., anord. orlof n.«Erlaubnis. Eig. Abstraktbildung zu erlauben mit verenger- ter Bed. Die ältre Bed. noch in sich beurlauben «Abschied nehmen», mhd. urlouhen(noch bei Luther 1. Makk. 11,55). 4 L. Urlauber, m.: der Beurlaubte. Neure Bildung.

Urne, f.(Pl.-n): Aschenkrug;(dem ähn- liches) Ziergefäß. 1727 bei Sperander Urna aus lat. urna f.«Schöpfgeschirr zu Wasser, Aschen- krug». Aber schon früher einmal entl., spät- mhd. ürn und noch bayr. V'rn.

Urning, m.(-Lels, Pl.-e): Anhänger der Knabenliebe. Herkunft dunkel. In neurer Zeit bekannt geworden.

Urochs, m., b. Luther 5. Mos. 14,5 ist mhd. ſrochse, s. Auerochse.[plötzlich.

urplötzlich, adj., im 15. Jh. urblitzlich, s.

Urquell, m.: erster Ursprung. 1716 b. Lud- wig Urquelle f. Nach Adelung kirchl. Ausdruck.

Ursache, f.: Grund, bewirkender Grund. In ältrer Sprache«Grund zu einem Streithandel,