Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
1117-1118
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1 117 unheimlich

Universität 1118

bei Schiller 8, 202, 233. Mhd. ungestäeme f. n. «Ungestüm, Sturm». Ungetüm, n.(-ſels, Pl.-e): großes Wesen. Nach Adelung cnur im gemeinen Leben einzelner Provinzen für Ge- spensty. Nicht bei Rädlein, Stieler, Kramer. Zuerst 1540 bei Alberus dict. Dd 3 b Ungeddem, BB ungedim, ungedehm böser Geist, böses Gespenst, Gespenst». Das seltne Getüm istwohl erst aus diesem gebildet. Trotzderspäten Uber- lieferung sicher sehr alt. Bez. zu ahd. tuom(s. tum) wäre denkbar. Od. zu got. gadõfs«schick- lich, passend', ags. gedéfe«geziemend', ungedéfe cunangenehm). Ungewitter, n.(*I, Pl. wie Sg.): verderblich tobendes Wetter. Mhd. u. bes. md. ungezwitere n., ahd. ungiwitire n. Zgs. mit Gerwitter(s. d.), das urspr. nur«Wetterꝰ be- deutete. Ungeziefer, n.(-s): beschwer- liches kleines Getier. 1605 bei Hulsius Unge- zieffer, sonst im 17. Jh. Ungeziffer, 1618 bei Schönsleder unziver, bei Luther(2. Mos. 8, 21 ff.; 5. Mos. 28, 42; Ps. 105, 31) Unæifer. Mhd. dafür ungezihere,-eibele n.(auch bei Waldis Es. 3, 73, 29 ungeziber). Als Bed. erscheint bei Eyb 2, 139 Unkrauty, bei Waldis a. a. O.«Obsts, bei Luther Jen. 7, 158-Onpassendess. Urspr. wohl cGetier, das als unrein nicht Opfertier sein kann», denn zugrunde liegt ahd. zebar n. Opfertier, Opfery, ags. lifor n.«Opferꝰ, got.(durch Konjektur) libr n. Opfergabe». ungezogen, adj.: unartig. Eig. cunerzogem von ziehen cerzieheny. Mhd. ungezogen. ungezwungen, adj.: einfach, natürlich. Erst im 18. Jh. in übertrag. Bed. Unglimpf, m.: Mangelan Nachsicht od. Billig- keit, Härte, Strenge, Schimpf. Veraltet. Mhd. ungelimpf m.«unziemliches Betragen, Unange- messenheit, Unrecht, Schmacho. Zgs. mit Glimpf (§. d.). Unglück, n.: Gegensatz von Glück, Ungunst des Schicksals, empfindlich widrige Begebenheit, die sich ereignet. Früher auch

Unglüche u. UVngelüche. Mhd. ungeläche, früh-

md. ungeluckhe. Davon unglücksselig, adj.: im höchsten Grade unglücklich. Unglücks- vogel, m.: Unglück bedeutender Vogel(Rabe, Krähe); Mensch, der Unglück hat(bei Lohen- stein Soph. 27). Ungrund, m.: Unwahrheit, mangelnde Begründung. Im 18. Jh. häufig. Zu- erst b. J. Böhme.ungut, adj., bes. in der RA. nichts fur ungut«nimm nicht übelꝰ u. etzo. fir ungut nehmen, im 15. Jh. köln. vur ungait nemen (Chron. d. d. St. 12,386, 30). Mhd. unguot«nicht gut, d. h. nicht freundlich zugeneigt, böses, ahd. unguot.

unheimlich, adj.: nicht geheuer. Erst 1811 b. Campe gebucht, mit Beleg aus Wieland. Mhd.

unheimlich«nicht vertraut, fremch. Unhold, m.(-Le]s, Pl.-e): feindliches, böses Wesen. 1780 bei Adelung Unholde, m.(Pl.-/). Mhd. un- holdle m. der Böse, Feindselige, Unhold, Teufeb, ahd.-and. unholdo m., ags. unholda«böser Geisto, got. unhulpa m. Teufel. Eine viell. vom Got. ausgegangne Bezeichnung des Teufels, eines Dämonen. Dazu ein F. got. unhalpõô, ahd. un- holda, mhd. unholde f.(wofür im 17. Jh. Unhol- din f., aber noch 1605 b. Hulsius, 1662 b. Stoer Unhold f. zauberin, 1663 b. Schönsled.«Hexe») chöser Geist, Teufelin, Hexe», im Ahd. der böse Feind, der Teufel selbsty. Substantivierung des jetzt wenig gebräuchlichen Adj. unhold: un- freundlich abgeneigt; feindselig finster. Mhd. unholt«nicht gewogen, feindlich, ahd.(selten) unhold, asächs.-ags. unhold. Zgs. mit hold(s. d.).

unieren, v. vereinigen. Aus kirch. lat. unire von lat. inus«einsy. Bes. im Part. unert als Ausdruck für die Vereinigung der lutherischen und reformierten Kirche im 19. Jh. verbreitet. 1727 bei Sperander uniiren u. schon im 17. Jh. unirt.

Uniförm, f.(Pl.-en): Dienstkleidung, dienst- liche Standestracht. Im 18. Jh.(auch n.) aus glbd. frz. uniforme m. von lat. Aniformis cein- förmig, einfach»(zgs. aus Anus eins» u. einer Ableitung von forma f.«Gestalt). Ebendaher im 18. Jh. auch uniförm, adj.: gleichmäßig, einförmig. Uniformität, f.: Gleichmäßig- keit. 1703 im Zeit.-Lex. Aus glbd. frz. unifor- mité f. von lat. Iniformitas f.

Unikum, n.(-v, Pl.-S, öst.-bayr. nur-Ka): Einziges, Seltnes. Das lat. unicum, Ntr. von nnicus einzig, allein?.

Uniön, f.: Einheit, Vereinigung, Bund. 1601 b. Albertinus Kriegsl. Weckuhr 2, 92 b in 1. Bed. Aus lat. ũnio f.«Einheit, Vereinigungy von lat. Enas einer.

universdl, adj.: das Ganze betreffend, ge-

meinsam, allgemein, allumfassend. Im 17. Jh.

aus lat. ũnlversãlis«allgemein» von lat. ãniver- sus«ganz, sämtlich(z9s. aus nues eins» und versus«gerichtets). ZUS. Universälerbe, m., 1703 b. Wächtler. Universlgeschichte, f.: Weltgeschichte. Im 18. Jh. Universälmittel, n.: AlHheil-, Allerweltsmittel. Im 19. Jh. universéll, adj.: universal. Entl. aus frz. universel von lat. niversdlis(s. o.). Universitüt, f.(Pl.-en): Hochschule. 1514 b. Liliencron 3, 152 universitet. Aber schon um 1500 im voc. inc. teut. H 2 b verdeutscht hoche schul. Aus lat. ⁰niversitas f.(Gen.-tãtis)«Ge- samtheity, in der röm. Rechtssprache egesell-