1115 ungeachtet.
Ungestüm 1116
gewordne Dat. Pl. des Volksnamens, eig. 2u den Ungarn; mhd. dafür Ungerlant.
ungeachtet, adj.: nicht geachtet. Mhd. un- g(e)ahtet, ungaht«verachtet(Myst.), unerfaß- lich». Als Adv. 1618 bei Schönsleder ungeacht, dann als Präp. mit Gen.(dessenungeachtet), aber auch mit Dat.(öfter bei Goethe demungeachtet [s. d. usw.) u. als Konjunktion(Goethe 28, 163) cohne die ins Gewicht fallende Berücksichti- gung, daß.— ungebärdig, adj.: aufgebracht, widerspenstig; zornig(öfter bei Luther, z. B. 1. Kor. 13, 5). In der Zimm. Chron. ² 2, 446, 13. Von mhd%. ungebcerde f. cübles(unfreundliches, unziemliches, freudeloses, zuchtloses) Beneh-
men u. Befinden', vgl. Gebärde.— Ungebühr, (1540 bei Alberus dict. t2 ² inepta, absurda, un-
f.: unziemliches Betragen, namentl. vor Gericht. 1664 bei Duez. Bei Adelung Beleg aus Opitz. Rückbildung von ungebührlich, adj.: un- ziemlich. Mhd. ungebürlich(Nürnberger Poli- zeiord. 316). ungebunden, adj., in übertrag. frei u. ungebunden, ungebundene Manier. 1678 bei Kramer.— ungefähr, s. ohngefähr.— ungefrühstückt, adj.: ohne gefrühstückt zu haben. Bei Bismarck Briefe an seine Frau 3. 9. 1870. Gebildet wie ungegessen bei Adelung. ungehalten, adj.: zornig. 1650 bei Mosche- rosch 1, 135. Mhd. ungehalten«nicht gehalten, ungezäumt, schlechtgehaltew-.—ungehéuer, adj.: Entsetzen u. Abscheu erregend, widerwär- tig(Apostg. 28, 6); ungewöhnlich groß. Mhd. ungehiure, ahd. ungahiuri unheimlich, schreck- lich», zgs. mit geheuer. Davon ungehéuer- lich, adj.: übertrieben groß, seltsam, mhd. un- gehiurläche. Ungeheuer, n.(*s, Pl. wie Sg.): überaus schreckliches, böses Wesen. Mhd. an- gehiure n. m. f.«Ungeheuer, Heide, Waldmann, gespenstiges Wesen. Subst. des Adj.— un- gehobelt, adj.: unfein, roh. Aus dem stud. Brauche der Deposition entwickelt, bei der der Neueintretende symbolisch gehobelt wurde. 1577 b. Fischart Glückh. Schiff S. 38 ungehgbelt. — ungehörig, adj.: unpassend, unerlaubt. Nach Adelung selt., aber bei Opitz. Mhd. unge- hœreccungehorsam, abtrünnig».— Ungeld, n.: (lästige) Abgabe von Einfuhr u. Verkauf von Lebensmitteln, Vieh, Ware. Einst weit ver- breitet, jetzt aber wenig mehr üblich. Mhd. un- gelt m. n., wohl Übersetzung des lat. indebitum. Entstellt zu mhd. unzbgeld, u. zu Ohmgeld, weil namentl. die Weinsteuer ein Ungeld war.— Ungelegenheit, f. Mühe, Beschwerdein RA. wie Ungelegenheiten machen, wovon haben. 1605 bei Albertinus Lustg. 68, 1590 bei Ringwaldt Eckhart G1 a. Zu mhd. ungelegen unbequem.
— ungelenk, adj.: nicht gelenkig. Mhd. un- gelenlce«ungelenk, unbiegsamy. Zu mhd. ge- lenke(s. d.).— Ungemach, n.(-els, Pl.-e): Unbequemlichkeit; Leid Verursachendes. Mhd. ungemach n. m.«Unruhe, die Ruhe Störendes, Un- bequemlichkeit, Unbehaglichkeit, Last, Leidy; dazu mndl. onghemac n.«Unbehaglichkeity. Zu dem veralt. Adj. mhd. ungemah, ahd. ungemah, «unbequem, lüstigy. Zgs. mit gemach(s. d.).— ungemein, adj.: nicht gemein, nicht gewöhn- lich(veralt.); sehr groß. Meist als Adv.«sehry. Mhd. ungemeine«ungemeinsam, getrennt, nicht zusammenstimmend, uneins, allein, unbekannt, fremdy.— ungereimt, adj.: nicht gereimt; einer offenbaren Wahrheit widersprechend
gereumpt). Mhd. ungerimet«nicht gereimt». Davon Ungereimtheit, f., 1678 bei Kramer. — ungern, adv.: mit Unlust. Mhd. ungerne, ahd. ungerno.— ungerochen, adj., veraltend, meist dafür ungerächt. Mhd. ungerochen.— ungesäumt, adv.: ohne Verzug. Mhd. unge- sumet. Zu sich säumen.— ungescheut, adv.: ohne Scheu. 1678 b. Kramer.— ungeschlacht, adj.: roh u. widerwärtig. Mhd.-md. ungeslaht canderm Geschlecht angehörend»(Gen. 40, 32), dann«von niedrigem Geschlecht, schlecht gear- tet, bösartig, roh, schlimmy, ahd. ungislaht«aus- geartet, entartet». Zgs. mit geschlacht(s. d.).— ungeschliffen, adj.: nicht geschliffen; roh, schlecht erzogen(von Menschen). Mhd. unge- sliffen, schon übertr.— ungeschmack, adj.: unschmackhaft. Im 18. Jh. Jetzt veraltet. Mhd. ungesmacæstinkend, unschmackhaft, widerlichy, 2g8. mit geschmack(s. d.).— ungeschminkt, adj.:(übertr.) rein, unentstellt(von der Wahr- heit). Erst 1811 bei Campe, aber gewiß älter. — ungeschoren, in der RA. jem. ungeschoren lassen«unbelästigty. Schon mhd. ungeschorn län. Wohl von dem Abschneiden der Haare als Strafe hergenommen.— ungestalt, adj.: übel u. widrig(im Kußern) beschaffen. Mhd. unge- stalt«ungestalt, verunstaltet, häßlich, schmut- zigy, ahd. ungistalt chäßlich». Zu gestalt(s. d.). Auch ungestaltet bei Adelung u. ungestalten bei Lessing.— ungestüm, adj.: schnell u. heftig, anstürzend heftig. 1664 bei Duez ungestünm. Mhd. ungestüeme, ahd. ungistaomi, unstuom. Zgs. mit mhd. gestüeme«sanft, still, ruhigy, das aber sehr selt. und viell. erst nach ungestiüeme gebildet ist. Wohl zur Wz. idg. sthäã«stehen» (s. d.). Davon Ungestüm, m. n.(-els), bei Luther, aber nicht bei Duez, Kramer, Stieler, Rädlein. Das Ntr., jetzt wohl am üblichsten,


