Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
1087-1088
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1087 tun

turbieren 1088

adj.«in größter Eile zusammengerafft, eilig, un- geordnet»; tumultuieren, v., 1621 bei Lon- dorp 2, 947 b.

tun, v.(Präs. tue, wir tun, Prät. tat, Konj. käte, Part. getan, Imp. tuſe]):(urspr.) stellen, setzen, legen(noch allgemein etzo. in etab. fan, sich etwwas umtun); Kraft äußern, handeln, aus- führen, beschäftigt sein; Böses antun(einem etwas tun); seine Empfindungen äußerlich an den Tag legen(groß tun). Die Schreibung thun (b. Luther u. schon 1469 im voc. ex quo) ist erst neuerdings beseitigt. Mhd. fuon(Präs. fuoln], Prät. tete], 2. Pers. iœte, 3. Pers. fetſe] u. tãt, Pl. käten, Konj. fœνte, tetle], Part. getän, Imp. tuo), ahd. fuon(Präs. Iuοn, taom, Prät. teta, täti, Pl. kätum, Konj. täti, Part. gitän, Imp. fuο); dazu asächs.-nd. dôn, mndl.-ndl. doen, afrs. dãa, ags. dõn, engl. do, got.-anord. fehlend. Verw. mit gr. rigévor«setzeny, lat. facere«tuny, gall. dede csetztes, lit. déti, abg. déti«legen, stellen», arm. edi«ich setzte», aind. däãdhäti, aw. dadãiti«er setzt». Dazu noch Tat,-tum(s. d.). Dienoch dich- terisch hänfige Porm Prät. tät ist mhd. tet e). 4BL. tu(n)lich, adj.: zutuend, zum Tun ge- eignet. 1607 bei Sattler Orth. 313 thaunlich, in der Zimm. Cbron. ² 1, 568, 31 fhonlich; dazu nd. doonlig«mõöglich», viell. eig. thuendlich, worauf nd. aundöndlilc«untunlich zu weisen scheint». kalich ist später, 1662 bei Stoer, 1711 bei Rädlein, im j. Goethe 2, 304 u. ö. ZUS. Tunichtgut, m. (Gen. u. Pl. wie Nom., öst. nur-ſe]ls, Pl.-e): Tauge- nichts. Imperativische Verbindung. Im 19. Jh.

Tünche, f.(Pl.-n): Kalkanstrich einer Wand. 1642 bei Duez. Alter dafür Tunch m., bei Luther Sir. 22, 20, augsburg. 1448 tünich m., noch bei Goethe 31, 162 Tunchm. Von tün- chen, v., mhd. tün(i)chen, tunchen, ahd. tunichön (meist mit dem Zusatz mit Kallce«mit Kalko»), aus lat. lunicdre«mit der tunica(Gewand) be- kleiden», schon ahd. auch tunicha«Tünche». Vgl. ital. intonicare«tünchen, schminken» u. engl. coat«anstreichen» u. coat«kleiden». Da- von Tüncher, m., bei Luther Hes. 13, 11. 15, md. im 15. Jh. toncher.

Tundra, f.(Pl.-dren): sumpfige Steppe, Moossteppe. Aus glbd. russ. fündra f., u. dies aus finn. funturi«hoher Berg. Im 19. Jh. entl.

Tunke, f.(Pl.-/): Flüssigkeit zum Tunken. 1663 bei Schottel. 1537 bei Dasypodius u. 1539 bei Serranus dict. g 32 ein eintuncke. Von tun- ken, v.: eintauchen. Mhd. funken, dunken, ahd. kanc(h)ön, danc(h)ön. Wohl verw. mit lat. fin- gere«benetzen, eintauchen», gr. réſreiv«be- netzen?, ir. tummaim ich tauche ein?.

Tunnel, m.(-s, Pl. wie Sg.): unterirdischer Weg;(auch) Kellerlokal, vgl. Fontane Von Zwaneig bis Dreißig 257 fl. Mit dem Eisenbahn- bau(1839 wurde in Sachsen der erste T' gebaut) entl. aus engl. kunnel, eig.«Trichter, Schorn- steinröhrey, einer Abl. von mlat. fanna«Tonnes, aufgekommen 1825 als Name für den T. unter der Themse(1836 b. Grillparzer Sämtl. W. 520, 111).

Tunte, f.(Pl.-n): affektierte zimperliche Person. Mundartl. z. B. preuß. neben Tuntel, Duntel altes, plapperhaftes Frauenzimmer. Herkunft dunkel.

Tupf, m.(Jels, Pl.-): gelinde spitz an- stoßende Bewegung u. Spur davon. Bes. obd. Auch Tupfen, noch Faust 6328, das auf kapfe m. weist. Durch Anlehnung an kupfen aus frühmhd. kopfe m., ahd. fopꝑfo, dopfo m.«Punkty zu tupfen. 4BL. Tüpfel, m., öst. n.(*J, Pl. wie Sg.), auch Tüpfelchen, n., namentlich das auf dem 7. 1678 b. Kramer Tupffelein, bei Ickelsamer tipf- lein, bei Diefenb. gl. 473 b luflin, auch dupplin (Diefenb.-Wülcker); davon tüpfeln, v., bei Goethe 17, 6; 1678 bei Kramer tiffelen.

tupfen, v.: gelinde spitz anstoßen. Eig. md. bei Adelung auch tůpfen u. dupfen, nd. tippen, wetterau. dappe, ahd. kupfan«berührend net- zeny, wohl zu faufen«eintauchen».

Tür, f.(Pl.-en), auch noch Türe(nicht- preuß.): Offnung für den Eintritt in einen Raum u. deren Verschluß. Bei Luther Thür u. so bis in die neuste Zeit. Mhd. tür(e), md. tare, dare, ahd. fauri, dari, tura, dura; dazu asächs.-ags. dura, afrs. dure f., anord. dyr n., dyrr f. pl., der Form nach teils alter Pl., teils Dual wegen der uralten Art der zweiflügligen obern u. untern Tür. Dazu Tor n., s. d. Verw. mit gr. Gpa f., lat. forés pl., kymr. drios, aind. dur f., abg. dviri, lit. däris pl., lett. duris, apreuß. dauris, arm. darn, alb. dera«Türs. ZUS. Türangel, f., 1432 kürangel«Türpfosten», 1482 im voc. theut. hh 3 ² kurangel; davon türängeln, v.: in die Enge treiben, plagen. Bei H. Sachs 4, 383, 28; 17, 239, kürengeln, eig.«zwischen Tür u. Angel klem- meny. Noch leipz.-thür. dürängeln. Türsturz, m.: Oberschwelle der Tür, s. Sturz.

Turbän, m.(-els, Pl.-e): Kopfbedeckung, Türkenbund. 1618 bei Schönsleder Turbant persischer od. türkischer Hut» aus ital. far- hante m. von türk. tülbent, s. Tufpe. Bei Lessing Nath. 4, 4 Tulban, bei Goethe 6, 155 Tulbencdl.

turbieren, v.: stören, quälen, drängen. 1703 bei Wächtler«verstören, beunruhigeny. Aus lat. furhäre«verwirren». Turbine, f. (Pl.-n): Wasser-, Kreiselrad. Erst im 19. Jh.