1085 Tugend
Tumult 1086
Tugend,˖f.(Pl.-en): innewohnender Gehalt; sittliche Tüchtigkeit. Mhd. tugende, tuge n): f., ahd. fugundi, tugend, tugathi f.«-Eigenschaft des Tauglichseins, Tüchtigkeit, Vortrefflichkeit jeder Art, innere auszeichnende Kraft», im Mhd. auch gern cedler, freier Sinn u. diesem ent- sprechende Sitten, bei Frauen auszeichnende Sittsamkeit und feiner Anstand»; dazu ndl. deugd, ags. duguß f.«Mannesalter, Mannschaft, Volk, Herrlichkeit» u. a., afrs. duged f.«Machty, anord. dνρ⁴ f.«Treue, Rechtschaffenheit, Krafty, schwed. dygd, dän. dyd«Kraft, Fähigkeit, Tu- gend, Ehren. Zu kaugen. Die Bedeutungsent- wicklung vollzieht sich z. T. unter Einfluß von lat. virtus f. 4BL. tugendhaft, adj., mhd. kugenthaft«tüchtig», ahd.(bei Notker) tuged- haft. tugendlich, adj., mhd. fagentlich stüch- tigs. tugendsam, mhd. fugentsam von edler, feiner Sitte.
Tulifant, m.(-Lels, Pl.-e, bayr.-en, Pl.-en), gew. Tulifäntchen, n.: weiches Kleid für Neugeborne. Bei Sanders Beleg von 1856.
Tüll, m.(els, Pl.[kaufm. für Tüllarten]-e): leichtes netzartiges Zwirnzeug. 1834 bei Petri. 1833 bei Nestroy Lump. 56 ftull anglals. Aus
glbd. frz. talle m., benannt nach der Stadt Tllle
(Corrèze), wo es zuerst hergestellt wurde.
Tülle, f.(Pl.-n): Röhre an Leuchtern, La- ternen, Töpfen, auch Schloßbeschlag um das Schlüsselloch. 1691 bei Stieler u. 1664 bei Duez Dille. Mhd. fülle n. Röhre, wodurch die Pfeil-, Speerspitze auf dem Schaft befestigt ist, um- schließender Kragen-, urspr.«einschließender Bretter-, Palissadenzaun(noch b. Bürster 164). Herkunft unsicher. Viell. zu mnd. dolle, dulle f., ags. 507(!) m.«Ruderpflock». Dazu lit. tulis f. «ein Stecksel in der Achse des Wagens, damit das Rad nicht abfällt», gr. riʒoc m.«hölzerner Pflock, Nagel, Wulsty.
Tulpe, f.(Pl.-n): die Pflanze tulipa und deren Blume. 1678 bei Kramer Tülpe, 1691 bei Stieler Tulp(e), Tulipen, bei Homburg Clio A 2 Tulipe(aus fræ. tulipe f.), 1663 bei Schottel 1436 Tulipan, ebenso bei Lonicerus(1586) 304 b. Entl. aus glbd. ital. falipan m. u. dies aus türk. tülbent (= pers. dulbänd)«Turbano, wegen der Ahnlich- keit der Tulpenblüte mit einem Turban über- tragen. Unsere Form stammt zunächst aus ndl. tulp, 1598 b. Kilian tulpe. ZUS. Tulpenbaum, m.: der tulpenartige Blüten tragende Baum liriodendron tulipifera L., der aus Amerika stammt. Bei Wieland Idris 3, 38.
stum, Ableitungssilbe, urspr. ein Subst., bed. Stand, Würde, Wesen⸗, tritt 1. an Subst.
(Bis-, Herzog-, Christen-, Magâ-, Witwen-, Altertum), dann mit neut. Geschlecht, 2. an Adj., s. B. Heilig-, Irrtum, teils Ntr., teils M., vgl. Wilmanns deutsche Gram. 2, 390. Mhd.-tuom, ahd.-taom,-duom, asächs.-ags.-dôm, anord. dömr. Zu got. döms m. Urteilꝰ, ahd. tuom m. n. Urteil, Gericht, Machty, mhd. selten tuom m. n., anord. dömr m. Urteilung, Entscheidung, Gericht», asächs.-ags. döm m., auch Ehre, Würde». Zu tun, verw. mit aind. Ihãma n. Sitz, Heimat, Macht, Würde».
Tummel, m.(-A): Taumel, Betäubung, Rausch. Nach Adelung landschaftlich sehr üb- lich. Jetzt noch schwäb.-els. 1711 bei Rädlein. tummel«Schwindel, Räuschchen», im Simpl. 3, 50, 19 Kz. Taumel», 3, 355, 9 Rauschy. Mhd. kumel m.«betäubender Schall, Lärm». Dazu Getümmel. Einer Wz. mit Taumel. 43L. tummeln,, v.: in drehende, eilige heftige Be- wegung setzen(das Roß tummeln); sich lürmend durcheinander bewegen, lärmend bewegt sein (1. Kön. 1, 45, Mark. 5, 39);(refl.) in eilige Be- wegung setzen. 1664 bei Duez demmeln. Mhd. kimeln, s. taumeln. ZUS. Tummelplatz, m., 1650 bei Moscherosch 1, 437.
Tummler, m.: halbkugelförmiger Becher ohne Fuß, der sich auf die Seite gelegt wieder aufrichtet. Nach der Mitte des 18. Jhs.(1781 b. Kindleben) aus nd. fümeler, eig.«Taumelery, von nd. tümeln«taumeln.
Tümmler, bayr. Tummler, m.(18, Pl. wie Sg.): Delphin, 1780 b. Adelung. Aus dem Ndd., ndl. tuiımelaar, eig.«Taumler». Auch eine Tau- benart.
Tümpel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Wasserloch, Pfütze. In md. nd. Lautform für obd. Tiümpfel, wie im 17. Jh., 1663 bei Schottel Tumpfel, 1678 b. Kramer Dümpffel, Tümpffel, 1683 b. Wieder- hold Tümpffel. Aber schon 1562 bei Mathesius Sar. 40² tumpel, 1540 bei Alberus dict. Aa 3 Dümpel. Mhd. fümpfel, tumpfel m., ahd. tum- Pfilo m.«Strudeb. Von einem einfachen Dumpf, schweiz. dumpf Einbiegung», schwäb. dumpf m., dumpfe f.«flache muldenartige Vertiefung, Grübchen in Kinn und Wangen?; dazu engl. dimple«Grübehem, ndl. dompen, dompelen«ein-, untertauchen». Wohl verw. mit lit. dumba, Inf. dupti«durch Einsinken tief oder hohl werden?, dumburis m.«gegrabner Teich, ausgehöhlte Tiefey, dumblas m.«Schlammim Wasser, Morasty.
Tumült, m.(-Tels, Pl.-e): Getümmel, Auf- ruhr. 1572 bei Rot. Aus glbd. lat. tumultas. Dazu tumultuäârisch, adj., im 18. Jh., 1727 b. Sperander tzumultuarie von lat. tumultuãrius


