Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
1051-1052
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1051 Tölpel

Tonsur 1052

schickter Mensch(1791 bei Roth). Urspr.«un- garischer Fußsoldaty wie 1698 bei Schmeller Tolbatz, bei Gleim Kriegsl. 12(Ndr.) Talpatsch. Aus ungar. falpas adj.«breitfüßigy(zu ungar. talp«Fußsohle»). Diese Erklärung schon 1791 bei Roth u. bei Weigand. Vgl. Btr. 30, 211. 1Tölpel, m.(-s, Pl. wie Sg.): unbeholfner, ungeschickter Mensch. Bei Luther, 1540 bei Alberus dict. E 1 ², i 22 1, bei H. Sachs, Alberus dict. Aa 3⁰° dölpel, 1517 bei Diefenbach gl. 70 b kulpel aus mhd. dörpel, tõrpel, türpel(1605 bei Hulsius Tülpel) neben u. aus mhd. dörpere «roher, unhöflicher Mensch, Bauernflegelb, eig. «der Dorfbewohner» von nd. dorp, ein in den Niederlanden mit der höfischen Bildung aufge- kommner Ausdruck, der mit andern Worten wie Ritter, Wappen ins Mhd. aufgenommen wurde. Ebenso im Frz. vilain m.«Bauer von lat. villa f.«Landgut», mlat.«Dorfy. Die Form mit y noch im 16./17. Jh., 1541 bei Frisius 1172 körpel, 1556 S. 152 ²2 dörpel, 1663 bei Schottel törpel, selbst noch 1691 bei Stieler förpel. Die Umbil- dung in Tölpel wurde viell. mitbewirkt durch den Einfluß eines ältern dolb«Keule, Knütte⸗ (s. bertölpeln und vgl. ZfdW. 2, 294; 3, 198). 4B L. Tölpeléi, f., mhd. dörperie f. tölpeln, v.: ungeschickt verfahren, einen als T. behan- deln, bei H. Sachs 21,53. tölpisch, adj., ohne Bildung, unbeholfen, ungeschickt; bei Luther 6, 581 W.; 1561 bei Maaler dölpisch, tölpisch, 1537 bei Schaidenreißer Od. 21, 362, zu einem bei H. Sachs u. schon Ende des 15. Jhs.(fd W. 2, 297) vorkommenden tõlp, dälp«Tölpely, das wohl als Grundwort zu Tölpel gebildet wurde. 2Tölpel, s. äbertölpeln.

Tomaha(w)k, m.(-s, Pl.-e): Streitaxt der nordamerikanischen Indianer u. aus ihrer Sprache entl. Bei Chamisso 4, 91(Hitzig).

Tomäte, f.(Pl.-/): die Pflanze solanum lycopersicum L., auch Liebes-, Paradies-, Gold- apfel genannt. Über frz.-span. fomate f. von glbd. mexik. tomatl. Im 19. Jh. entl.

Tombak, m.(-Lels): Mischung aus Kupfer u. Zink. 1776 b. Hübner. Aus glbd. frz. fomhac m., von malaiisch tambaga«Kupfer). 4B. tombaken, adj.

Tombola, f.(Pl. len): Art Lotterie. In neurer Zeit. Aus glbd. ital. fombola f.

1 Ton, m.(-Lels, Pl.-e): zähe feste Erdart. Im 16. Jh. thon m., auch bei Luther 2. Mos. 2, 3, 1562 b. Mathesius Sar. 94 b than, im 15. Jh. fahen, 1482 im voc. theut. e 62 dah, mhd. dãhe, tãhe f. ahd. dãäha«Ton, Lehm, Scherbe, irdnes Gefäß; dazu and. fhäãhin«irdenꝰ, ags. 55(he) f.«Lehmꝰ,

anord. d f.«Lehmbodenꝰ, got. ãhõ f.«Ton. Aus*anhö, wohl verw. mit dicht u. lit. fänkus cdicht», arm. thanjr«dicht, dick». 4BL.- nern, adj., bei Mathesius Syr. 88². tonicht, tonig, adj., 1664 bei Duez. ZUS. Tonpfeife, f.: tönerne Pfeife, bei Voß Ged. 2, 278. Ton- schiefer, m.: tonhaltiger Schiefer. 1786 bei Goethe Tageb. 1, 148.

2 Ton, m.(-els, Pl. Töne): Klang, Laut, Hall, Melodie, Akzent; Benehmen in der Ge- sellschaft; Farbenton(1780 bei Adelung«von einigen Neuern nach frz. ton eingeführts). Bei Luther dohn, 1482 im voc. theut. f 1 2 don«Ge- sangweise, Laut, Hall, mhd. dôn, tön m.«Ge- sangsweise, Melodie, Lied, gespielte Melodie, Art und Weise», ahd. bei Notker noch in lat. Form tonus, aus gr. Jat. tonus m.«Ton eines Instruments, einer Silben, im Mlat. auch«Sanges- weisey, gr. rövoc m.«Spannung, Gespanntes, Akzent» von gr. reiveiv spanneny. RA. den T. angeben, eig. wohl«die Melodie angebemw. 4L. tönen, v., mhd. dœnen«singen, spielemy. tonig, adj., nur in Zss. wie hoch-, ieftonig. ZUS. Ton- art, f.: Art der Tonfolge in einem Musikstück, Wieland Aur. u. Cefalus 685. Tondichter, m., 1795 von Campe als Verdeutschung von Kom- ponist vorgeschlagen. Vgl. Zfd W. 2,276. Ton- kunst, f., 1691 bei Stieler donkunst, Verdeut- schung des 17. Jhs. für Musik; davon Ton- künstler, a. a. O. Tonleiter, f., bei Lessing 8, 208. tonlos, adj.: ohne Akzent. 1810 bei Campe als neu. Tonsetzer, m.: Komponist. Im 18. Jh.

Toni, Koseform für Anton u. Antonie.

Tonnäge, f.(spr.-aæe): der Tonnengehalt eines Schiffes. 1727 bei Sperander. Aus glbd. frz. tonnage m., abg. von fonne, s. Tonne. Tonne, f.(Pl.-/): großes Faß; Hohlmaß; Ge- wicht von 1000 kg od. 20 Zentnern. Mhd. tunne, konne, ahd. tunna; dazu mnd. tunne, tonnef., ndl. ton, afrs.-ags. tunne, engl. tun, anord.-schwed. kunna f., dän. tönde. Ebenso frz. fonne, prov. kona, rum. foanã(vgl. auch Tunmel) u. ir.-gäl. kunna. Viell. kelt. Urspr.(aus ir.- kymr. tonn Haut, Oberfläche⸗?). ZUS. Tonnengeld, n.: Abgabe der Seeschiffe, eig. für Unterhaltung der Seezeichen(Tonnen). 1741 b. Frisch. Ton- nengehalt, n.: Tragfähigkeit eines Schiffes. Tonnengewölbe, n.: Gewölbe in Form einer Tonne. 1741 bei Frisch.

Tonsür, f.(Pl.-en): geschorne Platte auf dem Scheitel des kathol. Geistlichen. Früh im 17. Jh. aus lat. fonsãra f. das(Be)scheren», von lat. tondére«scheren.