Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
971-972
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971 Stiefel

still 972

anord. styfa«abstumpfen, abhauen». Vgl. Btr. 18, 218. 1Stiefel, m.(-s, Pl. wie Sg., volkstümlich sehr häufig-n, schon 1595 bei Rollenh. Froschm. 2, 5, 5, 30): Fußbekleidung mit Schaft. Noch im 17. Jh. Stifrel. Mhd. stiväl, stevel, ahd. stiful, entl. aus glbd. ital. stiväle(mlat. aestivale n. Som- merschuh aus leichtem Ledery», zu lat. aestas f. «Sommer»). RA. einen St. vertragen, nach dem Trinkgefäß in Form eines Stiefels, vgl. Garg. 19. 123. Stiefelette, f.(Pl.-n): Halbstiefel. 1678 b. Kramer. Aus ital. stivaletto m.«Stiefelchen. 4BL. stiefeln, v., im 15. Jh. stiflen, mnd. stee- len«mit Stiefeln bekleidens», meisrim Part. gestie- felt. ZUS. Stiefelknecht, m., 1691 b. Stieler. 2Stiefel, m.(*s, Pl. wie Sg.): Stange für ein Rankengewächs. Mhd.-md. Stifel, stivel, stibel m. Wohl zu steif. Stiefmütterchen, s. stief.[6. 11.79. Stieg, m., eins mit Steig, bei Goethe Br. 1Stiege, f.(Pl.-n): schmale Treppe, Leiter. Mhd. stieg(e) f., ahd. sfiega f.«Stufe, Treppe,

ZfdA. 40, 58) zu steigen.

2Stiege(nd.), Steige, f.: zwanzig Stück. 1780 b. Adelung. Aber im 16. Jh. krimgot. stega. Unerklärt.

Stieglitz, m.(-es, Pl.-e): Distelfink. Im 15. Jh. stiglita, mhd.(14. Jh.) stigeliz, 1417 nd. steghelitze(Diefenbach nov. gl. 75 b). Aus glbd. tschech. stehlec m.

Stiel, m.(Lels, Pl.-e): Handhabe eines Werkzeugs; Verbindung zwischen Blatt, Blüte, Frucht u. Pflanze. Mhd.-ahd.-and. stil m, wohl entl. aus lat. stilus m.«pfahl mit Haken, Stengel, Stamm, Rede-, Ausdrucksweise»(s. Stil). Da- neben ein echt germ. Wort in ags. stela, steola, stœla m.«Stengeb). 4 B L. stielen, v.: mit Stiel versehen. Bei Opitz 1, 156, 161. stielig, inlang-,

Stiepel, Stieper, s. Steiper.[kurzstielig.

Stier, m.(els, Pl.-e): das unverschnittne männliche Rind. Mhd. stier, ahd. stior m., ags. stéor m., got. stiur m.«junger Stier». Anord. ohne s Forr. Urverw. mit aind. sthäãviras-dick, derby, aw. staora-«Großvieh», zigeun. Sturno «Stier». Lat. faurus, gr. raοpoc Stiers, apreuß. tauris«Wisent», abg. turũ m.«Auerochs» sind viell. davon zu trennen. ZUS. Stiergefecht, n., 1716 bei Ludwig.

stier, adj.: starr, vom Blick, 1645 bei Zesen

Ibrah. 1, 523; steht für sterr, mhd. sterre, stärre zu starr, noch bayr. stärr«starr, steif». Erst in der 2. H. des 18. Jhs. üblich geworden. 4 BL. stieren, v., bei Schiller Räub. 5, 1 nachstieren.

1Stift, m.(-els, Pl.-e): dünner, zugespitzter Gegenstand; halbwüchsiger Junge(1687 gaune- risch Stiyftgen). Mhd.-md. stift, auch steft(noch b. Duez u. Kramer) m.«Stachel, Dorn, Spitzes, ahd. steft«Nabe, um die das Rad sich dreht». Zu steppen(s. d.).

2Stift, n.(-Lels,-elr]): zu kirchlichen oder

wohltätigen Zwecken begründeter Bau nebst

Zubehör. Mhd. stift m. n. f., md. auch stifte f.

«Stiftung, Gründung, Bau, Stadt, Gotteshaus, mit Ertrag Gegründetes, Anordnung, nach einer Regel gemachte Einrichtung», 1477 clev stichte «Bistumy. Zuerst im Annolied 163 stipht vom babylonischen Turm. Wohl erst von stiften ge- bildet. ZUS. Stiftsfräulein, n., 1678 b. Kra- mer Stiftfrau. Stiftskirche, f., ebd. stiften, v.: an- u. einrichten; fest u. dauernd mit Einrichtung gründen;(student.) schenken. Mhd. stiften, ahd. stiftan«gründen, bauen, an-, einrichten, inOrdnung bringen, bewerkstelligen, ins Werksetzens»; dazu andfrk. stifton, afrs. stifta.

Wohl 2u derselben Wz. wie steif. Daneben mndl. Geländer». Mit auffallendem Vokalismus(vgl.

stichten«bauen, etwas anrichten», ags. stihtan «ordnen, einrichten», anord. stétta(aus*stehtan) chelfen, unterstützen, fördern?, zu anord. stéttr m.«Fußgestell», das von einem andern Stamm gebildet ist. 4BL. Stifter, m., mhd. stifkœre, stiſter m.«Stifter, Gründer, Urheber». Stif- tung, f., mhd. stiſtunge f., auch«Belohnung», ahd. stiftunga f.

Stigma, n.(*J, Pl.-fau.[bayr.]-men): Stich, Wund-, Brandmal. 1694 b. Nehring. Das glbd. gr. criruan. Dazu stigmatisieren, v.: brand- marken. 1834 bei Petri.

Stil, m.(-Lels, Pl.-e): Schreibart; Baustil; Kalender(alter u. neuer St.), 1716 bei Ludwig. Unter Anlehnung an gr. crökoc m. Griffel» aus lat. stilus(s. Stiel). Daher 1678 b. Kramer Stilus, 1694 b. Nehring Stylus. Dazu stilisieren, v., 1678 bei Kramer, aus ital. stilizzdre«in Schrift fassen»; jetzt auch stilgemäß formens. Stilist, m.(-en, Pl.-en): gewandter Schriftsteller. Erst nach der Mitte des 18. Jhs. Stilistik, f.: die Lehre vom Schreibstil. ZUS. stilgerecht, adj. stilvoll, adj., erst im 19. Jh., vgl. Zfd W. 3, 333.

Stilétt, n.(-Lels, Pl.-e): kleiner Dolch. 1618 b. Schönsleder stilet. Aus fra. stilet m., ital. sti- letto m. zu ital. stilo m.«Schreibgriffel, Dolch» (lat. stilus, s. Stiel).

still, adj.: bewegungs-, regungs-, lautlos; heimlich. Alternhd. noch stille, mhd. stille, ahd.- asachs. Sfilli, ndl. stil, afrs.-ags. stille,(entl.) dän. stille, schwed. stilla. Urspr.«xuhigy. Zu der Wz., die in stellen vorliegt. Verw. mit aind. sthänus