Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
969-970
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969 Stichel

stief- 970

Umschlagen in der Farbe(Stich ins Graue), im Geschmack(die Milch hat einen Stich cist etwas sauer»). Mhd. stich m., auch stic, auch Punkt»(woher nicht einen St. sehen cnicht das geringste sehen», schon mhd.), ahd. sti(c)h m.; dazu and. stili m. Stichs, afrs. stelc(e), ags. stice Stich», got. nur in stika mélis cim Augenblick». Zustechen. RA. im St. lassen bei einer Gefahr) verlassen, 1618 bei Schönsleder«sub cultro linquorꝰ, 1521 b. Luther 7,277, 5 wie eine. bien das Leben im slich lassen, d. h.-beim Stecheny, vgl. Zfd W. 1, 29 f. 4BL. stichig, adj.: etwas verdorben, säuerlich. Nordd. im 19. Jh. Z0S. Stichblatt, n.: am Degengefäß befindliches Blatt zum Handschutz. 1642 bei Duez u. schon 1621(Gombert 5, 21), älter«Kartenblatt, das den Hauptstich macht», vgl. Germ. 28, 403. stich- dunkel, adj.: dunkel, daß man keinen Stich sehen kann(s. o.), bei Goethe 16, 19; dafür früher stickfinster, 1538 b. Frank Chron. 140 b. Stich- entscheid, m.: Entscheidung durch die Stim- me des Vorsitzenden bei Stimmengleichheit. stichfest, adj., 1678 b. Kramer fest u. stichfrey. Stichfleisch, n.: Fleisch, das zur Wurstberei- tung gekocht ist, benannt, weil es aus dem Kessel zum Verspeisen herausgestochen wird. Nordd. stichhalten, v., entweder vom Zeug, das den Stich aushält, od. vom Kartenspiele od. Kampf. Davonstichhaltig, adj., 1810 b. Campe alsneu. Stichprobe, f., urspr. bergmänn., 1778 im Bergm. Wtbch. ein weniges, so mit dem Prob- lõjfel.. genommen wird, um zu probieren, wie reich das Werk sei. Stichwahl, f.: entschei- dende Wahl zwischen nur zwei Kandidaten. Im 19. Jh. Stichwort, n.:(eig.) hervorstechendes Wort; daher letztes Wort eines andern, aufdas der zweite Schauspieler einzusetzen haty. Im 18. Jh. Früher verletzendes Worts, 1512 bei Murner Narr. 97, 24.

Stichel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Werkzeug zum Stechen. Mhd. stichel m., ahd. stichil m. «Stachel; dazu anord. stikcill m.«Hornspitzey. Von stechen. 4.L. sticheln, v.: fortgesetzt stechen. 1663 bei Schupp 655. Davon Stiche- léi, f., 1716 b. Ludwig. Stichling, m.: Name eines kleinen Fisches. 1678 bei Kramer.

stickel, adj.: steil, abschüssig. Noch bayr.- öst.-els.-thür. u. westfäl. Mhd. stickel, stichel, stechel, ahd. ste(c)chal«steils; dazu ags. stical «spitz vorstehend, stechend». Zu mhd. stich m., bayr. Stick m.«steile Anhöhe», das wohl zu stechen gehört.

Sticken, m.(-e, Pl. wie Sg.): Stricknadel; Schwefelholz. Bei Voß Id. 14, 112 ⸗Strickstock'.

Aus dem Ndd. sticken, mnd. stiche vel natale (Diefenb. gl. 547 b). Eins mit Stecken.

1sticken, v.: in neurer Zeit für ersticken (s. d.), allgemein im Part. stickend. ZUS. Stick- fluß, m.: erstickender Fluß(s. d.) im Körper. 1691 b. Stieler, 1711 b. Rädlein auch Steclefluß. Stickhusten, m.: Keuchhusten. 1780 bei Ade- lung unter Steckhusten. Stickluft, f., 1810 bei Campe. Stickstoff, m.: das gasförmige Element Nitrogenium. 1772 von Rutherford erkannt. 1822 bei Heinsius.

2stieken, v.: mit feinen Stichen erhabne Fi- guren nähen. Mhd.-md. sticken, auch s. v. a. gestalten, stecken, durch Ein- od. Beistecken mit Pfählen versehen'», ahd. sticchen, von Stich. 4B2. Sticker, m., 1561 bei Maaler. Davon Stickeréi, f., 1780 bei Adelung.

stieben, v.(Präs. stiebe, Prät. stob, Konj. stõbe, Part. gestoben, Imp. Stieble]): als od. wie Staub in der Luft fliegen. Mhd. stieben, stiuben, auch«stäuben» und«wie fliegend laufenꝰ, ahd. stioban(Präs. Stiuba, Prät. stoub, stubum, gi- stoban). Zfd W. 2, 286 nicht wahrscheinlich zu gr. rõꝓocm.«Rauch, Qualmy gestellt. Nhd. auch schwach stiebte(Goethe 19, 177). S. Staub, stäu- ben, Stõbern. stief-: nicht leiblich. Gemeingerm. fast nur

in Zss., nur anord. sfjãpr m.«Stiefschn». Mhd. stiefe, stiuf-, ahd. stiuf-, ndl. stief-, afrs. stiap-, stiep-, ags. stéop-, engl. step-, anord. stjuãp-, schwed. styf-, dän. stif. ZUS. Stiefbruder, m.:: nichtleiblicher Bruder,(landsch. auch) Halb- bruder. Mhd. stief bruoder, im 12. Jh. stiefbrä- der. Stiefeltern, f., erst nhd. Stiefkind, n., mhd. stief kint n.(auch s. v. a. cein in der Ehe ge- bornes Kind, dessen Vater nicht der Ehemann ist»), ahd. stiuf-, stiefkint. Dazu ags. stéopcildn. Stiefmutter, f., mhd.-md. stzf-, stiefmater, ahd. stiefmuoter, afrs. stiepmöder, ags. stéop- mõder f., anord. stjũpmõdir. Davon Stiefmüt- terchen, n., die Pflanze viola tricolor. 1741 bei Frisch Stiefmütterlein. stiefmütterlich, adj., mhd. Stiefmäeterlich. Stiefschwester, f., im 12. Jh. stiefseester. Stiefsohn, m., mhd. stiefsun, ahd. stiupf-, stiof, stiefsun, and. stief- san, ags. stéopsunz, anord. stjüpsonr. Stief- tochter, f., im 12. Jh. stieftohfer, ags. stéop- dohtor, anord. stjnpdottir f. Stiefvater, m., mhd. stiefvater, ahd. stiuffater, and. stiffader, afrs. stiap-, stiepfader, ags. stõopfœder, anord. stjüpfadir. Urspr. bed. stief viell.«verwaist, vgl. ags. stéopcild«verwaiste und die Abl. ahd. arstiufan«verwaist machen, der Eltern od. der Kinder berauben», ags. ãstéopan cberauben),