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Ort oder Punkt des Stehens; Art zu sein, Zu- stand; Stellung im bürgerlichen Leben(1541 b. Frisius 617 b, H. Sachs Fab. 147, 109); mit Vor- rechten ausgestattete Menschenklasse im Staate (1764 bei Gottsched Vorübungen d. Beredsam- ksit 15 Mann vom Stande als Nachbildung des frz. homme de condition, aber schon 1664 b. Duez einen St. führendocum habereinter primarioss); im Pl. die zum Anteil an der Regierung berech- tigten Glieder des Reichs in den Reichsversamm- lungen(Reichsordn. 23 b von 1495), gew. außer den Kurfürsten u. Fürsten(ebd. 25 b), dann die Vertreter des Volks im Landtag(1604 bei Mayr Epitome cronicorum 126 b zum J. 1566 die Landt- stände, 1463 zum J. 1578 die Stände);(weidm. im Pl.) die Füße des Auerhahns, Reihers, Kra- nichs, Storchs usw.(1763 b. Heppe, s. Ständer). In der 1. u. 2. Bed. mhd. stant m.(Gen.-des) das Stehen, der Steheorts, im 15. Jh. auch«Bestand, Zustand, Lebensweise, amtl. Stellung, Würde», im 15. u. 16. Jh. politisch für«Staat»(Brant Narr. 56,88), ahd. nur in urstand m.«Auferstehungy. Von ahd. stantan cstehens(s. d.). RA. imstande sein«vermögen, zustande bringen, 1734 b. Stein- bach. 4BL. Ständchen, n.(-s, Pl. wie Sg.): das Stehenbleiben zum Plaudern; mit Musik od. Gesang vor dem Fenster dargebrachte Huldi- gung(1645 b. Zesen Ibrahim 1, 224 Abend-Stän- dichen, nach Kluge schon 1619 als stud. b. Prä- torius Syntagma musicum 3, 18). In 1. Bed. 1691 b. Stieler Ständlein n., 1650 b. Moscherosch Phil. 1,147 Ständerlein n., b. Keisersberg Evang. 173 u. Luther Tischr. 277 b Stenderling m., im 15. Jh. standuer, stentner m. standhaft, adj.: dauer- haft; unbeugsam Widerstand leistend. In 1. Bed. bei Luther 12,22 W. standhafftig, in 2. Bed. um 1500 bei Diefenbach gl. 145 2 stanthafft, 1514 bei Keisersberg Trostspiegel 90 b stanthaftig, davon Standhaftigkeit, f., 1511 b. Keisersberg Has 192 standthafftiait. ständig, adj.: ununter- brochen dauernd. 1642 b. Duez, dagegen in Zss. schon mhd. abestendec u. ahd. Adv. instendigo. ständisch, adj.: den Land-, Reichsständen zu- kommend, 1780 bei Adelung. ZUS. 1. mit dem Gen. Standes: Standesamt, n. Behördezur Be- urkundung von Veränderungen des Personen- standes. Eingeführt durch Reichsgesetz vom 6.2. 1875. Standesehre, f., 1691 bei Stieler; Standesherr, m.: Herr, der zu den Ständen des Landes gehört;(vor 1806) gewisse Ange- hörige des hohen Adels;(seit 1806) die mediati- sierten Fürsten und Landesherren. Nach Ade- lung(1780) schles. u. lausitzisch, wo es seit dem 14. Jh. vorkommen soll(DW.); davon Stan-
desherrschaft, f.: Besitz eines Standesherrn. Standesperson, f., 1559 im Script. rer. Siles. 4,179. ZUS. 2. mit Stand: Standbild, n., 1801 bei Adelung. Standgeld, n.: Abgabe für den Verkaufsplatz, spätmhd. stanfgelt n. Stand- ort, m., im 17. Jh., jetzt Verdeutschung von Garnison. Bei Heilmann Thuk. 1012. Im 18. Jh. Standpunkt, m., 1780 b. Adelung. RA. über- wWundener Standpunkt, Schlagwort d. 40 er Jahre des 19. Jhs. Vgl. Ladendorf. Standrecht, n.: kurzes, gleichsam im Stehen ausgeübtes Ver- fahren des Kriegsgerichts, 1641 b. Schottel 391 Stantrecht halten, anders spätmhd. standrechtn. «Standgeld(östr. Weist. 1, 68, 36). Standrede, f.: Strafrede, b. Gellert. Eig.«Rede, die stehend gehört wirdy. Urspr.«Leichenrede» b. Lessing.
Standärte, f.(Pl.-n): Reiterfahne. Mhd. stanthart, standart m., noch älternhd. Standart m. b. Fronsperger Kriegsb. 1, 130 2 u. Standard m. b. Duez 1664, aber b. Stieler 1691 Standart f. u. b. Krämer 1678 Standarde f.(Pl. Standarden 1633 bei Bürster 37). Im 13. Jh. aus afrz. esten- dard m., ufrz. étendard«xReiterfahne, Feldzei- cheny, ital. stendardo m.(woher auch ndl. stan- daard, standerd m., engl. standard), von lat. eæ- tendere ausbreiten, entfalten⸗(woraus afrz. estendre, jetzt étendre, ital. stendere).
Stande, f.(Pl.-n): Stellgefäß aus Dauben, von denen drei als Füße verlängert sind. Mhd. stande, ahd. stanta, standa f., mnd. stande f., nd. staune. Wie Stand(s. d.)von ahd. stantan«stehen».
Ständer, m.(—s, Pl. wie Sg.): Stellfaß; auf- recht stehendes Stück Bauholz, Pfosten(im 15. Jh. stemder bei Diefenb. gl. 449°, 1477 clev. stander); Gestell, um etwas hineinzulegen(1780 bei Adelung), Betpult der Juden in der Syn- agoge;(thür.) auf einem Grundstück dauernd stehendes Kapital(1741 b. Frisch); kleiner Fisch- hälter(ebd.); aufrechtstehende Abflußrinne an einem Teich(1711 bei Rädlein);(in der Jäger- sprache) Fuß des Auerhahns, Reihers usw.(s. Stand). In 1. Bed. spätahd. 1175 stanter m., im 15. Jh. stander, stantner, stentner, stendel m. «Stellfaß»(Diefenb. gl. 74 u. 160 b), dazu ndl. stander m.«Mühlständer, pfeilery. Von ahd. stantan«stehen»(s. d.).
Stange, f.(Pl.-n): junger lang u. schwank aufgeschoßner von den Astchen gereinigter Baum zum Gebrauche, Schaft, sowie ein dem- selben ähnlicher Körper, z. B. Metallstange, Stamm des Hirschgeweihs(beides mhd.), hohes schmales Trinkglas(Tieck Novellenkr. 4, 142); (weidm.) Schwanz des Fuchses(1719 b. Fleming Jäger 1,110). In urspr. Bed. mhd. stange, ahd.-


