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1Spint, m. n.(“els, Pl.-e): das Fett; Specki- ges im Backwerk. Noch bayr. Mhd.-ahd. Spintm. (Gen.-des), im Ahd. auch«Mehlstoff im Kornꝰ, dazu and. ags. Spind«Fett, Schmer-.
2Spint, m.(-es, Pl.-e): der junge, weiche, weiße Holzstoff eines Baumes zwischen Rinde und Kern. Noch bayr. Mhd. spint m., 1561 bei Maaler Spin m., 1664 b. Duez Spund od. Spintm., 1741 bei Frisch Spünd, mnd.-nndl. Spint n., eins mit 1 Spint, das hier auf den weichen, weißen Holzstoff angewandt ist, ähnlich wie lat. adeps « Fett» auf diesen Teil des Holzes übertr. wird. Vgl. Splint.
3Spint, n.(JLels, Pl.-e u. wie Sg.): bremisch 116 Scheffel= 6 bis 7 Pfund, lüneburgisch Scheffel. 1716 b. Ludwig. Mnd. Spint n. m., ndl. 1598 spinte. Eins mit Spind?
spintisieren, v.: nachgrübeln, mit Kopf- brechen grübeln. 1561 bei Maaler; 1551 bei Scheidt Grob. 4366 Späntesieren, 1530 b. Luther 2, 332 Eisl. Spintisierwerk. Viell. von Spinnen Gedanken spinnem weitergebildet, wie im 16. u. 17. Jh. grillisieren von Grille.
Spion, m.(-els, Pl.-e): heimlicher Kund- schafter. 1644 b. Duez 207; 1615 b. Albertinus Landstörzer 332 Speon. Aus frz.-span. espion, ital. Spione m.«Späher, Kundschafter, von ital. spia m.«Spionꝰ, afrz. espie f., span. espia f. m. «Sondieren(Spähen) der Meerestiefe durch das Senkblei, Schildwachstehender zum Beobach- ten, Auskundschafters, das aus mhd. spehe, ahd. Speha f.«Spähe» entl. ist. Der Pl. Spionen bei Schiller u. Goethe Egmont W. 8, 186, 23 Lesarten. 4,BL. Spiondge, f., erst spät im 19. Jh. spio- nieren, v., 1694 b. Nehring. ZUS. Spiönen- riecherei, f., in den 80 er Jahren des 19. Jhs.
Spiräle, f.(Pl.-n): Schneckenlinie. 1712 b. Hübner Spiralis f., das subst. nlat. Adj. Spiralis «schneckenförmig gewunden, von gr. lat. spira, gr. creipo f.«Schlangen-, Schneckenwindungy. ZS. Spirälfeder, f., im 18. Jh. Spiräl- linie, f., 1716 bei Ludwig.
Spirillen, Pl.: schraubenförmige Bakte- rien, Krankheitserreger. Nlat. Bildung von lat. spira, s. Spirale. In der neuern Medizin.
Spiritismus, m.(Gen. wie Nom.): Glaube an den Verkehr der Geister mit Menschen. Erst in neurer Zeit statt des ältern Spiritualis- mus(1822 b. Heinsius), von lat. Sprritudãlis adj. cgeistigy von lat. Spfritus s. u. Dazu Spiritist, m.(-en, Pl.-en).— Spirituösen, pl.: geistige Getränke. Sehr junge Bildung von spirituos (1801 b. Campe), spirituös, von frz. spiritaeua (zu lat. Spiritus, s. u.). Spiritus, m.(Gen. wie
Nom., ebenso Pl. od.-Mε⁵se): Geist, Lebensgeist (veraltet); Weingeist, Brennbranntwein. Das lat. sptritus m.«Hauch, Geist», im 16. Jh. bei den Alchemisten ceine durch Destillation ge- wonnene wesenhafte Flüssigkeit von Körperno, u. von da im 17. Jh. aufgenommen. 8. Sprit. Spitäl, n.([ls, Pl.-fäler): Pflege-, Kranken- haus. Mhd. Spitãl n. m., verkürzt Spi(t)tel, selten hospitãl(e) n., md. spittãl n., spetel m., älternhd. Spittal m., daher nhd. Spittel m. n.(Schiller 11, 103), aber ahd. hospitälhäs n.; dazu clev. 1477 hospitail, mnd. spetãl, spittãl, spettel, spittel m. n. Wie glbd. ital. spedale m. neben ospitale m., span. hospital m., frz. hõpital m., entl. aus mlat. hospitale n. in der Bed. von lat. domus hospitãlis f.«Gast-, Fremdenhauss, zu lat. hospes m.«Gastv. spitz, adj.: in einen stechenden Punkt oder wie in einen solchen auslaufend. Es tritt im ältern Nhd. bis Campe hinter spitzig zurück. Mhd. spiz, spitze, ahd. Seiε(z)i, daraus entl. nd.- ndl. Spits(dafür asächs. scarp, s. scharf). Verw. mit 2Spieß(s. d.). 4L. Spitz, m.(-es, Pl.-e): Hundeart mit bes. spitzer Schnauze u. aufrecht- stehenden spitzen Ohren(1780 b. Adelung, auch Pommer nach seiner Heimat); heimlicher Hor- cher(vgl. Spitzel); merklicher Anfang zum Rau- sche(1780 b. Adelung, schon im 16. Jh. das Dim. spitzle n.«Räuschcheny, Zimm. Chron. 22, 515, 2). Das Adj. als männliches Subst., mhd. Spia m. «Spitze, Pfahl, Zinne, keilförmige Schlachtord- nunga, noch bayr.«Spitze, Bratspießo. Spitze, f.(Pl.-n), mhd. spitze, ahd. Spiazi, spizza f.; in der Bed. Bortes 1664 b. Duez. Spitzel, m., zu- erst 1815 b. Höfer 3, 103 als wienerisch, ebenso 1822 b. Heinsius(s. auch Lockspitzel). spitzen, v.: spitz machen, mhd. spitzen, ahd. in gispizzan, zispizzan«zuspitzen, md. zu Ende des 13. Jh. auch von geistiger Tätigkeit J kumber gespitzet Kummer voraussehend»(Martina 111, 98), mhd. im 14. Jh. spitzen«mit Hoffnung u. Sehnsucht er- warten, worauf lauern», ebenso 1618 b. Schöns- leder sich auff was spitzen, ähnlich 1495 b. Reuch- lin Demosthenes 1. olynth. Rede 14 sich spitzen in etav.«“seine Aufmerksamkeit worauf richteny. spitzig, adj., noch im 18. Jh. üblicher als Spitz, mhd. spitzec, spitzic. ZUS. Spitzbube, m.: listiger Betrüger, schlauer Dieb, in der 1. Bed. schon 1545 bei Luther 8, 213 ², früher 1530 bei Luther 5, 224 b falscher Spieler im Würfel- u. Kartenspiels, 1540 b. Alberus dict. ii 45b Possen- reißer der viele narreteydig treibt, in urspr. Bed. bei Fronsperger Kriegsb.(1596) 1, 89* ff. Spitz- knecht u. Spitzbub m.«marodierender, stehlen- der, betrügender, falschspielender, großprahle-


