Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
917-918
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917 Spierling

Spießrute 918

Spierling, m.(-s, Pl.-e): der kleine Fisch eyprinus aphya, Stint. Md. 1517 bei Trochus J 1 b spirling m.; dazu clev. 1477 spyerlyncl, mnd. spir(l)ink, ndl. 1598 Spierinck, undl. Spie- ring m. Nach Weigand viell. aus glbd. mlat. gępirẽna, sptrula f., von lat. Spira f.«Schlangen- windung», wegen der Biegsamkeit des Körpers, zumal da 1425 bei Diefenb. gl. 547° Spirlingus, eyn cleyne al.[(s. d. u. Speierling).

Spierlingsbaum, m.: der Sperberbaum

Spierschwalbe, f. Turm-, Mauerschwalbe, hirundo apus. Spätmhd. im 15. Jh. Spire f., spirer m. u. spierswalbe f., 1557 in Heußlins Vogelbuch 218* Spyr m. u. im Register Speyr,

noch in Steiermark Speir f., auch mnd. spir- swwale, dagegen 1537 b. Dasypodius Spire f. u. b. Georg Agricola( 1555) Spirschowalbe f. über- tragen auf die Uferschwalbe, hirundo riparia. Wahrscheinlich benannt nach den hervorstehen- den Schwanzspitzen u. demnach zusammenge- nörig mit Spier(s. d.). Vgl. Suolahti 21.

1Spieß, m.(Jels, Pl.-e): aus einem Schaft mit einem Stachel bestehende Stechwaffe zu Kampf u. Jagd; Sechspfennigstück(wohl nach dem urspr. Gepräge), daher stud. im Pl. Geld (1795). In den beiden ersten Bedd. mhd. Spiez m.(auch«mit einem Spieß bewaffneter Krieger, Spießträgers»), md. spiz m., ahd. spioz m. nur von der Waffe; dazu and. evur-Spiot n.«Eberspießꝰ, mnd. spét, Speit, spotn., nnd. spétm., anord. Seot n., schwed. Spjatt n., dän. Se*, dafür ags. spréot m.(s. Spriet), das viell. die Grundlage ist. Idg. r kann nach Konsonant schwinden, vgl. sprechen. Aus dem Germ. entl. prov. espeutz, afrz. espieu(t), espiet«Speer, Spießy. Völlig verschieden von dem folg. Worte(noch Duez 1664 unterscheidet in d. Schreibung Spieß und Bratspiß).

2Spieß, m.(es, Pl.-e): spitz auslaufendes Gerät zum Anstecken des Fleisches beim Bra- ten; das Gehörn des Rot-, Damwildes, des Reh- bocks, so lange nur zwei einfache Spitzen da sind(nur im Pl., 1719 bei Fleming teutscher Jüger 91 ²); zum Stechen spitz auslaufendes od. geschnittnes ganz schmales Holz(1780 b. Ade- lung, in der Bed.«Splitter» 1741 b. Frisch); vier Ganzvögel(größre Drosselarten) od. acht Halb- vögel(Lerchen), weil sie früher an ein solches Holz gesteckt wurden(1780 bei Adelung). In 1. Bed. mhd.-ahd. spiz m.(Gen.-3zes), dochschon 1537 b. Dasypodius Bratspieß neben Bratspiß, vermischt mit 1Spie(s. d.); dazu mnd. Spit m. Stange», ndl. spit n.«Bratspießꝰ, ags. Spila f., engl. spit«Bratspießy. Verw. mit Spitz(s. d.). Aus dem Germ. entl. neapolit. spito m., span.-

port. espeto m.«Bratspießy, frz. 6pois Pl.«die obersten Enden am Hirchgeweih».

Spießbock, m.: Rehbock mit einfachen Spießien(s. d. ²). 1746 bei Döbel Jäger-Pract. 1, 28 Spißbock. Vgl. Spießer.

Spießbürger, m.: kleinstädtischer Mensch mit beschränkten Ansichten, geringer Bürger, 1780 b. Adelung, eig. Bürger, der mit Spieß be- waffnet zu Fuß dient(bei Frisch 1741 Gleven- Bürger, von ahd. glevin, gleve f.«Lanzey, im Gegensatz des reichern zu Pferd. Schon im 17. Jh. als Schelte der Studenten, Zfd W. 1, 51.

spießen, v.: mit einem Spieße stechen, daß dieser durchgeht. 1678 bei Krämer bereits ver- mengt Spiessen, spissen. Aber beide sind völlig verschiedne Verba: 1. md. im 14. Jh. Gizen cauf- spießeno, zu mhd. spiez m. iSpießo(s.d.); 2. mhd. Spizzen«an den Bratspieß steckens, 1540 b. Al- berus dict. ii 3a ich spiß chefte stechend an», von mhd.-ahd. m. 2Spieß,(s. d.).

Spießer, m.(-s, Pl. wie Sg.), und Spieß- hirsch, m.: junger Hirsch, dem nur erst die zwei Spitzen an Stelle des spätern Geweihs her- vorgewachsen sind. 1719 b. Fleming teutscher Jäger 91 Spiesser, dafür ahd. spi3zo m., 1556 b. Frisius 1260 b Spisphirtz. Anders mhd. Spiezer m.«mit Spieß bewaffneter Kriegery.

Spießgesell(e), m.: Waffengenosse(alter- tümlich); Genosse oder Teilhaber schlechter Handlung. 1556 bei Frisius 7542 Spießgsell m. «Soldat der als Waffe einen Spieß führt» u. 258 b. 256 b Spießgesel m. Kriegskamerads, dafür mhd. spiezgenõz m., bei Luther J. 8, 82 ² Spiesbabe m. Zu 1 Spioß.

Spießglanz, m., früher Spießglas, n.: das Metall Antimon. Zu Anfang des 18. Jh. Spieß- glana, aber sehon im 14. Jh. md. Se-las n., 1562 b. Mathesius Sar. 142 2 Spießglaß u. 143 2 Glantz. Die Benennung wegen der spießigen Bildung des Spießglaserzes(antimonium crudum) und weil das Metall beim Zerspringen glänzende Strahlen zeigt. Zu 2Spieß.

spießig, adj.: dünn, dürr, mager, hager(im 17. Jh. Spissig bei Schmeller); von Erzen, lange Spitzen in der Bildung habend, gebrechlich(1562 bei Mathesius Sar. 140 ². 111 b usw. spilelssig); von nicht recht gegerbtem Leder, zu hart oder glasicht(1741 bei Frisch). Zu ²2Spieß.

Spießrute, f.: spitz auslaufende Rute zur Bestrafung von Soldaten im Dienste. 1618 bei Schönsleder Spisgerten, ruten f., 1590 b. Fouil- loux Jagdb. 46 Spißruten f., dafür auch Spitz- rute f.(1678 bei Krämer, noch bayr.). Zgs. mit 2Spieß(s. d.), das im Ahd. spiz selbst schon

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