Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
909-910
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909 spellen

Spenzer 91⁰

sinnen(mhd. speculãcie f., daher Speculatsz f. 1535 bei Micyllus Tacitus 370 b); beschauliches Denken(1541 b. Franck Sprichw. 2, 152 b Specu- lacion); berechnendes kaufmännisches Gewinn- suchen(1770 beim j. Goethe 1, 246, Möser Phant. 2, 47). Aus lat. Speculãtio f.«Ausspähung, Be- trachtung». spekulativ, adj.: mit Forschen nachsinnend; beschaulich denkend; übersinn- lich. 1728 bei Sperander, speculativisch 1664 bei Duez. Aus mlat.(um 500 n. Chr.) Speculati- vas«in forschendes Denken sich versenkend. spekulieren, v.: forschend nachsinnen(1571 bei Rot); beschaulichem Denken nachhangen (schon mhd.; md. auch speculéren); berechnend auf Handelsvorteile sinnen(1515 im Eulen- spiegel Hist. 35). Aus lat. Speculãri(S. Spekalant).

spellen, v.: spalten(Lessing 11, 163, Uhland Roland u. Alda). 1563 bei Mathesius Hochzeit- pred. 137, 12 Ndr. gespält(Part.), aus nd. u. thür.- hess.-obsächs. spellen, angeglichen aus spelden, wie glbd. nd. Spellern von mnd. spelder«Spalt- stück», mhd. Spelter f.

Spelt, Spelz, m.(-es, Pl.-e): die Getreide- art triticum spelta. Mhd. spelte, Spelze f., ahd. spelta, spelza f., einmal Spelzo m., zu Anfang des 15. Jh. Spelt, nhd. 1541 bei Frisius u. 1588 bei Tabernämontanus Speltz f. u. noch b. Steinbach 1734 Spelt f., als M.(wahrscheinlich durch Ein- fluß des Geschlechts von Weizen) erst b. Come- nius 1640 Spelt u. bei Frisch 1741 Spelt, Spelz; dazu mnd.-mndl. spelte, nndl. Spelt f., ags.(nur in Glossen) Speltm.? Aus glbd. spätlat. spalta f., das sicher nicht echt lat., viell. aus dem Germ., nach Hieronymus aus dem Pannonischen entl. ist, woherital. spelta, Speldaf., span. port. espelta f., frz. épeautre(älter espeautre) m.«Spelty. Herkunft dunkel. Vermutungen bei Hoops Waldbäume 418f.(zu d. spalten). Vgl. Spelze.

Spelúnke, f.(Pl.-/): Höhle, schlechtes Zimmer. 1488 in Städtechron. 3, 141, 2 f.; dazu clev. 1477 speluncke f. LZimmer unter der Erdey. Von Goethe Venet. Epigr. 69 noch erklärt. Aus lat. Spélunca f.«Höhlen, von glbd. gr. cnfurẽ f.

Spelze, f.(Pl.-n): Getreidehülse, die beim Dreschen abfällt. 1664 bei Rachel 1,406 Speltz, 1691 bei Stieler Spälzef. u. bei Hagedorn moral. Ged. 35 Spalze f.(an spalten angelehnt). Eins mit Spelz m.(s. d., mhd. spelzef.), der Name der Frucht wurde auf die Hülse übertragen, weil der Spelt reichlich Spreu gibt; ähnlich ahd. spelta f. auch«Ahre». 4 BL. spelzig, adj., 1716 bei Ludwig.

Spenadel, Spendel f.(Pl.-n): die Steck- nadel. Ost.-bayr.-frk.-wetterau. Spenadel, bayr.-

kärnt.-nordthür.'nd. u. danach bei Hölty der Kenner S. 66 Spendel, 1482 im Voc. theut. ee spendel, 1618 bei Weckherlin 1, 181 F. Spinadel, 1540 b. Alberus dict. y 1 b u. ꝗd Spenadel, md. schon um 1300 Spendlde f. Mit Bez. auf Nadel, md. nãldef., volkstümlich umgebildet aus glbd. ahd. Spenala, spinula, mhd. spinele, spenel f.; dazu and. spenula, Spinela f.«Schnalle, Haar- nadeb, mnd. Spen(n)ele, spendel f., nndl. Speld f., ags. Spennels m., anord. eir-Spennil,«Erz-, Kupfer- schnalley. Entw. entl. aus lat. Spinala f.«kleiner Dorn⸗, im Mlat.«Stecknadeb, Dim. von lat. Spina f. Dorm, od. besser zu mnd. span n., mhd. vür- spann.«Spange»(s. d.). Ausmhd. Spenelhat sich pfälz.-westerwäld.-henneb. Spengel f.«Steck- nadel»(schon 1663 bei Schottel Spengel f.) u. pfälz. Spelle f., aus md. spenãlde 1678 b. Krämer u. 1711 bei Rädlein Spelte f. entwickelt. spendäbel, adj.: freigebig, gern Geschenke gebend. 1750 bei Lessing 1, 490. Mit rom. En- dung von spenden(s. d.) Spende, f.(Pl.-/): unentgeltliche Austeilung od. Darreichung; unentgeltlich Dargereichtes od. Ausgeteiltes. Mhd. Spende, ahd. Spenta, Spenda f.; dazu mnd. syende, spenne f., mndl. Spinde f. Aus glbd. mlat. Spenda, auch spinda f. spenden, v.: als Gabe darreichen od. aufwenden, mhd. spenden, Spenten, ahd. spentön, spendön; dazu mnd.- mndl. Spenden, Spinden, ags. Spendan, ãspendan. Aus ital.-mlat. Spendére«ausgeben, Aufwand machenꝰ, von lat. eæpendére(s. Speise), od. von Spende(s. d.) gebildet. Spender, m.: Geber eines Geschenkes, frühmhd. spendäre, Sspentere, ahd. spentäri, spenteri m., mhd. auch spendiere m.; dazu mndl. spinder m.«Speisemeister». Von ahd. Spentõn«spenden»(s. d.). spendieren, v.: freigebigsein, zum besten geben, schenken, 1616 bei Albertinus Luc. 324 u. 1630 bei Lehmann Florileg. 138, mit rom. Endung unter Einfluß des ital. spéndere; dazu Spendſerhosen, Pl., 1702 b. Kramer u. 1716 b. Ludwig. Spendung, f., ahd. spentunga, nd.-and. Spendanga, ags. Sen- dung f.; dafür 1691 bei Stieler Spendasche, 1716 bei Ludwig Spendage f., mit frz. Endung. spendeln, v.: mit Stecknadeln befestigen. Noch mundartl. Von Spendel, s. Spenadel.

Spengler, m.(-S, Pl. wie Sg.): Klempner, Blechschmied. Mhd. speng(e)ler m., von mhd. spengel n.«kleinre Spange⸗, von Spange(s. d.). Obd. u. westmd.

Spenzer, m.(-, Pl. wie Sg.): Jacke, kurzer Rock ohne Schöße, 1813 bei Campe Spencer, benannt nach dem Erfinder Lord Spencer (1758 1834).