Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
885-886
Einzelbild herunterladen

885 solenn

Sommer 886

solénn, adj.: feierlich, festlich. 1648 b. Kem- nitz schwed. Krieg 1, 305 aus glbd. lat. solennis, solemnis; aber schon 1327 mhd. sollempniteten Pl., 1509 solennitet f.«Festlichkeity(Germ. 28, 402), aus lat. solennitas, sollemnitas f.

Solid, auch solzde, adj.: dicht, fest, stark, ge- diegen, dauerhaft, gründlich, zuverlässig, ge- setzt. Bei Elisab. Charlotte v. Orl. 1, 22, aus glbd. frz. solide, von lat. solidas«dicht, festy. Solidi- tät, f., 1716 b. Ludwig, aus lat. soliditas f.(Gen. -tatis)«Dichtheit, Festigkeit, Dauerhaftigkeit), frz. solidité f. solidarisch, adj.: gesamt- haftend. 1813 bei Campe als Rechtsausdruck. Von lat. solidas festy.

Solist, m.(en, Pl.-en): Solosänger, spieler. Aus glbd. frz. soliste m.(von ital. Solo, s. So²ο) in neurer Zeit.

Soll, n.([S, Pl.-[s]): Gebot, Pflicht, Zwang (bei Logau 1, 98, 3);(kaufm.) Schuld(1794 bei Jacobsson). Vgl. Haben. Die subst. 3 Sg. er soll. RA. S. u. Haben, Bezeichnung des Handels, vgl. G. Freytags gleichnamigen Roman.

sollen, v.: verpflichtet sein, durch feste Be- stimmung wozu gehalten sein(dann auch als Ausdruck der Ungewißheit, aber Möglichkeit, u. elliptisch gesetzt, der Bestimmung). Mhd. sad(le)n, süln, md. sol(le)n, ahd. scolan, später suln; dazu asächs.-ags. scalan, ndl. zullen, afrs. skela, skila, sela, engl. shal, anord. skulu, Skolo, schwed. skola, dän. skulle, got. skulan(Inf. un- belegt)«schuldig sein, zu bezahlen haben, sollen, müsseny. Urverw. mit lit. skeléti(Präs. skel ν³) «schuldig seino, skilti(Präs. skili) in Schulden geraten», sköld f.«Geldschuld», apreuß. skal- lisnan Akk.«Pflicht», skellänts«schuldigꝰ, po- skulit cermahnen». Nach J. Grimm(Gesch. d. deutsch Spr. ³626), dem sich Weigand anschloß, eig.«ich habe getötet, bin daher zur Wergeld- leistung verpflichtet», weiter cich bin verpflich- tet, habe die Obliegenheit»(zu afrs. skalen Part. «getötet, erschlagens, lit. skilti intr.«spalten?, got. skilja m.«Fleischer?, ahd. scalmo, scelmo m.«Viehseuche», s. Schelm). Vgl. noch Idg. Forsch. 18, 229. Andre Auffassungen b. Walde unter scelus. Die Flexion von sollen lautet im Mhd.: Präs. Sal, sol, dus sult, solt(daher noch bei Luther u. später du solt, solta), er sol, sul, wir sal(Te)n, süln, ir sulde)t, sült, si sul(de)n, süln, sulnt, Konj. ich sul(), Prät. solte, solde, sulte, salde, Konj. solte, solde, selten sölte, sulte, sülde, alle diese Formen mit dem bes. alem. und in Mitteldtschld. sich geltend machenden Ausfall des ch oder urspr. c nach s, jedoch in ältern u. später in bayr. Quellen Präs. ich se(h)ol, wir

sc(h)ulen usw., noch heute in der Oberpfalz Inf. schollen, Präs. scholl, Prät. schollt, Konj. schöllt, Part. geschollt u. schollen, auch in Niederdtschld. hat sich anlautendes sch aus mnd. Zeit bis ins 18. Jh. u. noch im Bremischen(scholl) erhalten. Im Ahd. Präs. scal, später scol, sal(schon b. Ta- tian), sol, da s(c)alt, S(c)olt, auch b. Notker zwei- mal solst, er s(c)al, s(c)ol usw., Pl.(c)rslun, Konj. S(c)ali, Prät. s(c)olta, solda, Part. giskolet. Im Got. Präs. skal, skalt, Pl. slculum, Konj. skculjau, Prät. skulda, Part. skculands, skulds. Vgl. Schuld.

Söller, m.(, Pl. wie Sg.): Boden zum Auf- enthalt über einem Gemach; offner Saal, Vor- platz im obern Stockwerk; offner Gang um das obre Stockwerk eines Hauses; flaches Dach eines Gebäudes. In diesen Bedd. mhd. sölre, solre, sulre, suller, soller, frühmhd. solar, md. soler m., ahd. solari, soleri m. nur«erhöhter offner Saal, Speisesaal»; dazu asächs. soleri m. Saal über d. Erdgeschoßo, mnd. solder m., nndl. zolder m.«Fußboden, Zimmerdecke, Speicher», ags. Solor, soler m., engl. sollar«Söllery. Entl. aus lat. Soldrium n.(der Sonne ausgesetztes) flaches Dach, Erker, Terrasses, dem subst. Ntr. des Adj. sôldrius«zur Sonne gehörig, von lat. 801 m. Sonnen.

Solo, m., öst.-bayr. nur n.(-S, Pl.- u. Soli): allein singende Stimme; Alleinspiel eines Ton- werkzeuges beim Schweigen der andern; Allein- spiel ohne Partner beim Kartenspiel. In den bei- den ersten Bedd. 1712 b. Hübner, in der dritten 1715 b. Amaranthes. Aus dem ital. Adj. u. Adv. solo callein?, solo m.«Solotanz, Solostimme in Gesang od. Spiel», vom lat. Adj. sölus«allein.

Solper, m.(-8, Pl. wieSg.): Salzbrühe, Salz- wasser für einzupökelndes Fleisch. Westmd. (mrhein. und kurhess. auch Salper). 1477 clev. solper Salz-, Pökelbrühey, 1538 b. Herr Acker- werk Columelle 1202 Honigsolper n.«einge- kochte Bienenwabe zum Einmachen von Oli- veny. Dunklen Ursprungs, aber wohl verw. mit Salz, Sole, Suülze(s. d.); man hat an Verkürzung entweder aus Salpeter(s. d.), der häufig zum Pökeln gebraucht wird, od. aus ndl. soltbrijn Salzbrühen gedacht.

solvént, adj.: zahlungsfähig. 1801 b. Campe. Entstanden aus solvendo(1703 b. Wächtler), dem Dat. des Gerundiums von lat. solvere«löseny.

somit, konj.: damit, demzufolge, 1780 bei Adelung als obd.

Sommer, m.(s, Pl. wie Sg.): die Jahreszeit von dem längsten Tag bis zur späten Tag- und Nachtgleiche. Mhd. sum(m)er, ahd.-asächs. su- mar, sumer m., häufig die warme Jahreszeit im

56*