Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
871-872
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871 sinnen

Sippe 872

sinnen, v.(Prät. sann, Konj. sänne, Part. gesonnen): mitforschendem Geisteine Richtung nehmen u. über etwas weilen. Mhd. sinnen »gehen, reisen, seine Richtungauf etwas als Ziel nehmen, die Geistestätigkeit, die Gedanken, das Verlangen worauf richteny, ahd. sinnan«gehen, reisen», dann streben»; dazu mnd.-mndl. sin- nen, nndl. zinnen, afrs. sinna«sinnen, ags. Sin- nan cworauf Acht, wofür Sorge haben», dagegen schwachflekt. anord. sinna creisen»(entspre- chend dem glbd. ags. s?dian, ahd. sindön). Wohl zu ahd. sind, sinth m.«Wegs, s. Gesinde. Die Bedeutungsentwicklung geschah wohl auch unter Einwirkung von Sinn. Das Prät., mhd. san, Pl. sunnen, ahd. san, Pl. sunnun, zeigt ver- einzelt spätmhd. u. älternhd. die Sg.-Form sann, häufig aber im 17. u. 18. Jh. sonne(Olearius Reisebeschr. 149 b), b. Stieler 1691 auchschwach sinnte(noch bayr. öst. sinnet neben sunn); der Konj. lautet ahd. sunni, frühmhd. sunne, mhd. sünne, älternhd. sönne(Stieler 1691, noch bei Göckingk 3, 115), bei Adelung sänne; das Part. Pass. mhd. gesunnen, so noch bei Luther, sowie bayr.-õst. gesunnen neben gesinnt.

sinnieren, v.: stark nachdenken. Von sinnen. In den Ma.(bayr. öst., preuß., nd.) weit verbreitet. 4B L. Sinnierer, m.: Grübler. Bayr. öst. 1880 b. Anzengruber Ges. W. 24, 181.

Sinõpel, m.(s, Pl. wie Sg.): blutroter, eisenhaltiger Jaspis, ein Halbedelstein. 1780 bei Adelung. Mhd. sinopel m.«die rote Farbe im Wappen, gewürzter Rotweins; dazu mnädl. sinoper«ͤdie grüne Wappenfarben. Aus frz.-port. sinople«xgrüne Farbe in Wappeny, ital. senopia crote Farbey, mlat. Sinoplum n. crote, grüne Farbe», von gr. civuric f.«roter Eisenocker?, eine Erdfarbe, die in Kappadokien gefunden u. aus Sinope am Schwarzen Meer zu den Griechen gebracht wurde.

sintemal, konj.: weil. Nur noch altertüm- lich, den Kanzleistil nachahmend. Mhd. sinte- mül, urspr.«seit der Zeit⸗, aus sint dem müle (daz)«dieweil», woneben mhd. sintmãls«seit- demꝰ, sint des mũles«dieweily, 1607 bei Sattler Orthogr. 9 u. 24 sittemahlen, mnd. sentemmale dat(Stendaler Urt. 59). Mhd. sint seit 11. Jh. nachweisbar, zunächst Adv.«seitdem», dann Präp. mit Gen. u. Dat.«seity u. Konj.«seit, da, weil», nicht klare Nebenform von mhd. sit u. sider(S. seit), im 14. Jh. öst.-bayr. sint, seint, seind, älternhd. bis ins 18. Jh. sint, auch seint, noch in md. Ma. sint, mnd.-mndl. sint.

Sinter, m.(-8, ohne Pl.): Hammerschlag, Metallschlacke;(bergm.) festgewordne kalk-

artige Absätze einer Flüssigkeit, die aus den Güängen gedrungen ist u. sich ans Gestein ange- legt hat, zum Zeichen, daß erzführende Gänge dahinter verborgen sind, Tropfstein(1673 bei Berward Berg-Phrases 6). In der 1. Bed. mhd. sinder, sinter, sindel m. n., ahd. sintar, sindar m.; dazu and. sinder, mnd. sinder, sinter, sindel, sundel, ags. sinder, sindor n., sindra m., anord. sindr n., schwed.-dän. sinder(wozu anord. sindra Funken sprühen»). Bei Goethe 35, 177 Blitz- sinter m.«zusammengeschmolzne Sandkörner durch Blitzschlagin Sand». Zur bergmänn. Bed. stellt sich viell. abg. sedraf.«Tropfen», tschech. sãdra f. Gips». 4BL. sintern, v.: tropfen- weise aus dem Gestein dringen(1693 bei Schön- berg Berg-Inform. 2, 89); sich aus dem Wasser als feste Masse absetzen(1562 b. Mathesius Sar. 79 b gintern, 142 ² Süntern, 111° sindern). Sintflut, s. Sündflut. sinwell, adj.: walzenförmig rund, kugel- rund, vollständig rund. Noch schweiz.-bayr. Mhd. sin(e)awel, im 14. Jh. sinbel, ahd. sina-, sinu-, siniel; dazu and. Sinuvel, mnd. sennewolt, ags. seonu-, sinuwealt, anord. Ssualr. Zgs. aus sin- (s. Singrün) u. dem Stamme, der sich in ahd. wellan«sich wälzen, rollen»(s. Welle) zeigt. Siphon, m.(-s, Pl.-s): Saugröhre, Heber; Flasche mit moussierendem Wasser. Über frz. siphon m. aus lat.-gr. sipho m., gr. ciquv m. Röhre, Halm?. 1834 bei Petri Sipho in 1. Bed. sipp, adj. adv.: zimperlich, zurückhaltend (von Mädchen). Häufig bei Frenssen. Auch preuf., 1812 bei Campe zipp, 1755 bei Richey Jumffer Sipp als Spottwort. Herkunft dunkel. Sippe, m.(-n, Pl.-n): der durch Familien- band Verwandte, nur noch altertümlich, z. B. bei Grillparzer, mhd. sippe m., ahd. Sibho, siνo m., das subst. M. des Adj. ahd. sibbi, sippi«ver- wandt, blutsverwandt, befreundet», ags. Siε cverwandt», got. unsibjis ungesetzlich, friedlos, gottlos». Sippe, f.(Pl.-/): die durch Familien- band Verwandten. Mhd. sippe f., ahd. sibba, sipp(i)a f., asächs. Sibbia, afrs. Sihbe, ags. 51⁵ 5) f., got. sibja f. Verwandtschafto, urspr. wienoch im Ahd. u. Ags.«Friedensverhältnis, Schutz- bündnis», dann die durch ein Bündnis begrün- dete Verwandtschaft, im Ags. auch«Freund- lichkeit, Eintracht, Friedlichkeit»; dazu anord. sifjar Pl. die Verwandtschaft», sijkona f. «Schwägerins, Sif«die Gemahlin Thors, die Göttin der Familie u. Ehey, got. gasibjön Frie- den schliefen, sich versöhnen». Urverw. mit aind. sabhã f.«Versammlung der Dorfgemeinde, Gemeindehaus, Gerichtshof», säbhja- cin der