Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
869-870
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869 Singular

Sin(n)au 870

(s. sinzwwell), sin(a) werpal«ganz rund, asächs. sinsconi cüberaus schön, unvergänglich schön), ags. sinbyrnende«ewig brennend», sinceald cüberaus kalto, singrim cüberaus grimmo, anord. s=mãlagr cüberaus geschwätzigy, streidr«mmer erzürnt», söwalr«wälzbar rundy. Vgl. noch Sändflut. Urverw. mit aind. sãänã«von jehers,

sanãtänas«ewigy, weitres s. unter Seneschall. Singular, m.(-s, Pl.-e): die Einzahl. Im

18. Jh. gekürzt auslat.(aumerus) singularis, eig. czum Einzelnen gehörige Zahl⸗, von lat. singulas ceinzeln, einer alleinn. Dafür b. Adelung Lehr- gebäude 1, 370 die Einheit, bei Gottsched die ein- zelne Zahl, auch einfache Zahl, 1641 b. Schottel in der Deklination eintzele Zahl, in der Konju- gation Eintzeltweis f.

sinken, v.(Prät. sankc, Konj. sänke, Part. gesunken): durch niederwärts gehende Bewe- gungniedriger od. weniger werden. Mhd. sinken, ahd. sinkan; dazu asächs. sinkan, mnd. sinken, ndl. zinſen, ags. Sincan, engl. sink, anord. sölkua, schwed. Sjunka, dän. synke, got. sigqan. Ent- wedernasalierte Form zu ahd. sigan(s. versiegen u. seihen); oder urverw. mit lit. senku, Sokti cfallen, sich senkenꝰ, seklas«seicht», abg. pre- sendti, pré-sgcati«versiegen», gr. äcweroc«un- versieglich»(?), aind. asagcänt-, äsakra- cnicht versiegendy. Das Prät., mhd. sanc, Pl. sunken (ahd. sunken), lautet auch älternhd. im Pl. Sun- cken(Lukas 5, 7) u. danach im Sg. sunck neben sanck, der Konj. süncke(Ps. 46, 3) wie mhd. sünke, aber 1691 b. Stieler sänkce.

Sinn, m.(-els, Pl.-e): strebende Tätigkeit des Geistes; bestimmte Richtung der Geistes- tätigkeit; Fähigkeit der Wahrnehmung, sowie Organ dieser Fähigkeit; Bewußtsein; geistiger Inhalt. In diesen Bedd. mhd. sin m.(Pl.-nne, daneben-nnen, noch b. Haller, Wieland, Goethe, Schiller usw. Sinnen) u. sinne f., im 15. Jh. sinne m., ahd. sin m.(Pl. sinna). Dazu mnd.-mndl. afrs. sin m., nndl. zin m.,(entl.) dän. sind n., schwed. sinne n. Gew. aus*sintno- erklärt, zu ahd. Sind, sinth n.«xGang, Reisen, s. Gesinde. Ebendahin lat. sentire«wahrnehmen, empfin- den, meinenꝰ, sententia f.«Meinung», sensus m. Sinm. Bedeutungsentwicklung wie bei spären. Doch zeigt Sinn niemals die konkrete Bed.; besser daher zu gr. võoc m.«Sinn(aus*sποονοσο⁸, während sinn aus*senwo-), sinnen wäre dann davon zu trennen. Aus dem Germ. entl. afrz.- aspan.-aport. Sen, katalon. seny, ital. senna m. eSinn, Verstand»; andrerseits aus lat. Sensus m. übernommen ahd. sens m.«Sinn, Verständnis». sinnig, adj., mhd. sinnec, sinnic cseines Ver-

standes mächtig, besonnen, verständig, klug, sinnreich», ahd. sinnig«mit Empfänglichkeit zur Wahrnehmung begabt, gedanken-, kunstreichs. sinnlich, adj., mhd. sinnelich durch die Sinne geschehend, im Gegensatz zu«geistigy, dann «verständig, klug»(wie mnd. sinlik), im Nhd. körperlicher Lustempfindung u. Begierde fol- gend»(Luther 3, 7 Jen.), fleischlich(1678 bei Krämer); dazu Sinnlichkeit, f. mhd. sin(ne)- lichkeit, vereinzelt im 15. Jh. sindlichait f., zu- erst in der Sprache der Mystiker, sowohl Nei- gung zu sinnlicher Lust u. Begierde, als«Ver- ständigkeit, Klugheit», im 15. Jh.«sinnliche Be- gierde», in sexueller Hinsicht 1678 bei Krämer. 2ZS. Sinnbild, n.: Bild zur Bezeichnung eines von demselben verschiednen sinnlichen oder geistigen Gegenstandes, Emblem, 1648 in Hars- dörffers poet. Trichter, dafür Sinnebild 1626 bei Zincgref Apophth. 1, 163, Sinnenbild 1648 bei Zesen Ibr. 170; sinnbildlich, adj., 1741 bei Frisch. Sinnesart, f., 1775 b. Wieland. sin- nenfällig, adj.: in die Sinne fallend. Erst in neurer Zeit. Sinngedicht, n.: kurzes Gedicht zur Darstellung eines poetischen Gedankens in treffender geistreicher Kürze, Epigramm, 1649 bei Zesen hochd. Helikon. sinnlos, adj., mhd.- mnd.-ahd. sinnelös; Sinnlosigkeit, f., 1537 bei Dasypodius, dafür ahd. sinnelõsi f. Sinn- pflanze, f.: die sich bei Berührung leicht zu- sammenziehenden, gleichsam Sinn od. Empfin- dung zeigenden Pflanzen mimosa pudica u. mi- mosa sensitiva, 1673 bei Pancovius Herbarium 206, auch Sinnkraut n.(Jablonski 1721). sinn- reich, adj., mhd. sinneriche«kunst-, scharf- sinnig, verständig, reich an Geist u. Erfindungs- gabes, woneben md. sinnenriche(Ludwigs Kreuzfahrt 409). Sinnspruch, m.: kurzer Spruch, Sentenz. Im 18. Jh. sinnverwandt, adj.: synonym(s. d.).

Sin(n)au, m.(-lels, Pl.-e): die Pflanze al- chemilla vulgaris. 1546 bei Bock 194° Synavo, 1482 im Voc. theut. dd 72 Sναν, 1588 b. Taber- nämontanus Sindauo, mnd. Sindouwe. Zgs. aus sin-(s. Singrün) u. Tau, mhd. fou, im 15. Jh. auch dau, weil sich der Tau in den häufigen Falten der Blätter sammelt u. sich selbst, wenn die Sonne hoch am Himmel steht, noch auf der Pflanze findet, weshalb sie auch Taubehalt, Tau- haltauf, Sonnentau(Sondau bei Tabernämon- tanus) hieß, noch in Graubünden Taublatt, Tau- schüsseli. Außerdem kommt der Name Sinnau dem rundblättrigen Sonnentau(s. d.), drosera rotundifolia zu, z. B. 1600 b. Schwenkfelt stir- pium Silesiae caralogus 183 b Sindavw.

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