Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
861-862
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861 siech

Sieg 862

od. unverständig. Eig. scherzhaft, wer 7 Sinne hat, statt der fünf bei gew. Menschen. Sieben- sprung, m.: ein ehemals in ganz Deutschland verbreiteter kunstvoller ländlicher Tanz von Männern, der sich abwechselndim ½ u. ³¼ Takte bewegt, wetterau. Siebentesprung m., bayr. die sieben Sprüng, hess. Silbersprung, auch ndl. de zeven Sprong, dän. syuspring, frz. les sept Ssauts. sieb(en)zehn, Kardinalzahlw., mhd. siben- zehen, im 15. Jh. siebezehen, 1691 b. Stieler sieb- zehn; dazu and. sivontein, ags. seofonty'ne, anord. Sjautjãn, urverw. mit lat. septendecim, aind. saptãdacça; davon sieb(en)zehnte, Ordinal- zahl, mhd. sibenzehende, woneben sibenzehen- dest. sieb(en)zig, Kardinalzahl, mhd. siben- zec, sibenzic(bayr. subenzich, md. söbenzig, sivenzich), ahd. sibunzug, sibinzig, in ältrer Bil- dung sibunzo; dazu asächs. sibuntig, älter ant- sibunta, atsibunta, mnd. seven-, soventich, mndl. (HDseventich, afrs. siuguntich, sogentech, soven-, sauntich u. einmal sauzpentuntig, ags. in alter- tümlicher Bildung hundseofontig, engl. seventy, anord.;jau tiger, schwed. gjuttio, got. sibunté- hund. Davon sieb(en)zigste, Ordinalzahlw., mhd. sibenzigost,-ist, ahd. sibunzogösto.

siech, adj.: krank, kränklich. Mhd. siech, ahd. siuh, sioh; dazu asächs. Siok, mnd. sék, seix, mndl. siec, nndl. 2iex, afrs. Sialc, S(i)ek, ags. séoc, engl. Sick, anord. sjũůkr, schwed. Sſuk, dän. syg, got. Siuks«krank». Gleichen Stammes wie Seu- che, Sucht(s. d.). 4 L. siechen, v., mhd. sie- chen, md. sichen, süchen, ahd. siuhhan, siuhhén, siunhön«krank sein, krank werden an etwass; dazu mnd. seken, sulcen, aber als starkes Verb got. siulan ckrank sein. ZD0S. Siechbett, n., mhd. siechbette, md. sãchbette, 1413 Siechenpeltn. Siechenhaus, n., mhd. siechhäs, im 15. Jh. siechenhas n. cKrankenhaus, bes. das außerhalb des Orts stehende Gebäude für Aussätzigey. Siechtum, n.: langwierige Krankheit, mhd. siechtuom m., ahd. sichtöm, siechetuom, mnd. sekedom m., anord. Sjůkdomr m.

Siede, f.: mit heißem Wasser angebrühtes Viehfutter, bes. mit oder aus Häcksel, 1652 in ZfdPh. 20, 490, schles. 1590 Söde u. 1440 Seg. Von sieden(s. d.).

siedeln, v.:(tr.) ansässig machen;(intr.) ansässig sein. In der 1. Bed. mhd. sidelen(auch Sitze errichten»), ahd. gisidalen. Im spätern Mhd. verschwunden, erst gegen Ende des 18. Jh. wieder emporkommend(bei Voß Ovid 1, 185, Goethe 3, 280) zugleich mit ansiedeln; bayr.-öst. sideln csetzen»,(refl.)«sich zu Tische setzen». Abgeleitet von mhd. sidel n. u. sidele f., ahd.

sidil(!)a f.«Sitz, Stuhl, Sessel» u. sedal m. n. «Sitz, Niederlassungsplatz», mhd. sedel m. n. Sitz, Sessel, Wohnsitz, Ruhesitz, Lager»(im Md. auch«Sattel»), einer Nebenform zu Sessel (8. d.), idg.*se(d)tlo-, wobei d vor t ausfiel. 48 L. Sied(e)ler, m.: der sich ansässig macht oder gemacht hat. 1810 b. Campe(in der Bed.«Ein- siedlers 1664 bei Rachel sat. Ged. 9, 276), dafür ahd. sidilo m., meist in Zss. wie mhd. sidel(e) m. in einsidel, lantsidel m. Sied(e)lung, f., spät- mhd. Sidlaung in sidlungrecht n.«Abgabe für An- sässigmachung».

sieden, v.(Prät. sott, Konj. sôtte, Part. gesot- ken, auchschwach siedete, gesiedet):(intr.) durch Hitze in wallender Bewegung sein; wie in Hitze sprudelnd wallen;(tr.) in durch Hitze wallen- der Flüssigkeit zubereiten. In diesen Bedd. mhd. sieden, nur in der 1. u. 3. Bed. ahd. siodan; dazu mnd. séden, mnadl. sieden, nndl. zieden, afrs. siatha, ags. séohan, engl. seethe, anord. S/6da, schwed. Sjada, dän. sde csieden», got. nur in saups m. Opfer, Opfertier». Viell. urverw. mit lit. Sunti, susti«schmoren, brühenꝰ, aind. v- thati csieden(wozu got. wapjan«schäumen), od. besser zu ahd. szedan«langsam u. dampfend prennem, s. 3Schwaden. Das Präs. lautet mhd. siude,-dest,-det(md. sãdet), ahd. siudit, daher noch älternhd. südet bei Keisersberg, seudst, seudt bei Clajus 1578, Schottel 1663 u. als volks- tümliche Formen bei Frisch 1741, dagegen 1640 bei Comenius Ssiedet, 1734 bei Steinbach siedest; der Imp. ahd. Siud, älternhd. seud; das Prät. mhd. sôt(im 15. Jh. vereinzelt sout, soud), Pl. saten, älternhd. bei Luther sod, b. H. Sachs sud, saed, 1663 bei Schottel sott(1578 bei Clajus sot- kest), in der 2. H. des 18. Jh. auch schwachflekt. siedete(1786 bei Schiller 4, 79), ahd. söt, ags. séaß(Pl. sudon), anord. saud, der Konj. mhd. su(t)te; das Part. Pass. mhd. gesoten, ahd. sotan, ags. Soden, anord. sodinn. ZUS. Siedehitze, f., 1810 bei Campe. Siedepunkt, m., ebd.

Siedler, Siedlung, s. siedeln.

Sieg, m.(-els, Pl.-e): Überwindung des Gegners. Mhd. sige, sic m.(Gen.-ges), md. ver- einzelt siege, ahd. sigz, sigo, sigi m.; dazu asächs. sigi-, mnd. sege, mndl. seghe m., nndl. zege f., afrs. 87 m., ags. sigor, sige m., anord. sigr m., dän. sej(e)r, schwed. seger m., got. sigis n., agerm. in Eigennamen bei Tacitus Segimerus«Siegmarꝰ, Segimundus«siegmund), Segestes. Urverw. mit gall. sego-(in Eigennamen wie Segomäürus, Segodunum usw.), aw. hazah-, aind. sãhas n. Macht, Siegy, zu aind. sah«ertragen, vermõgen, besiegen», gr. Xeiv(Aor. Ecxov) chalten». 4 L.