Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
859-860
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859 sieben

sieben 860

Boden geflochtnes Gerät zum Absondern feinrer Dinge von gröbern durch Rütteln. Mhd. sip n. (Gen.-hes), ahd. sib n.; dazu mnd. mndl. seve n., nndl. 2ce f., ags. Sie, sibi n., engl. sieve, daneben mitt-Ableitung mndl. sifte(neben si†) u. sichte, nndl. si/t f. Viell. zu lat. dissipare causeinander- werfen, aind. Ksipãti«wirft, schleudert». Wei- tres bei Walde. 4 B L. sieben, v., spätmhd. si(e)ben, mnd. seven u. mit t-Ableitung siften, ags. siftan, engl. sift(s. sichten). ZUS. Sieb- macher, m., 1516 bei Pinicianus Prompt. K siber oder sibmacher.

sieben, Zahlwort. Mhd. siben(bayr. suben, md. seben, sõben, siven), ahd. sibun(flekt. sihuni, sibini, Ntr. sibuniu, Gen. sibino, Dat. sibinin, sibe- nen); dazu asächs. sibun, sivun, mnd. seven, soven, mndl. seven, nndl. zeven, afrs. sigun, siugun u. soven, sogen, ags. seofon, engl. scuen, anord. Sjau, schwed. gju, dän. sο, got. sibun, afrk. in der malbergischen Glosse der Lex salica septun. Urverw. mit glbd. gr. Errd, lat. septem, air. sechtn-, lit. septind, abg. sedmè, alb. stato, arm. evthn, aw. hapta, aind. saptã. Als Subst. Sieben, f.: die Siebenzahl(1561 bei Maaler Siben f.); die Sieben in der Spielkarte, 1562 b. Cyr. Spangen- berg wider die bõöse S. ins Teuffels Karnöffel- gpil. In diesem Spiel(s. Kurnöffel) war die S. eine Freikarte, die von keinem Blatt gestochen werden konnte u. der Teufel od. die bõse Sieben hieß; in Ammanns Charta lusoria 1588 zeigt das Kartenbild der ersten S. ein böses Weib, dar- unter ein deutscher Vers auf ein b Weihb, dar- über ein lateinischer auf uxor mala. Daher eine bõse Siehen als Bezeichnung für ein bitterböses Weib, 1609 b. Sommer Ethographia mundi 2, 15 ist denn deine Frauo so eine böse Siebene? Vgl. Zfd W. 1, 363; 6, 98. 379. 4 L. Sie- bener, m.: die Siebenzahl(1575 bei Frischlin Nom. c. 177 Siebener als Blatt in der Spiel- karte); alte Münze im Werte von 7 Pfennigen oder Kreuzern(seit etwa 1506 bei Schmel- ler); Mitglied einer Körperschaft von 7 Ge- schwornen(1335 mhd. sibener) oder Grenz- scheidern(1691 bei Stieler). siebenerlei, md. um 1400 sibinerlei, frühmhd. sübenlayge(s. lei). sieb(en)te, Ordinalzahlwort, mhd. sibende, sibente, im 15. Jh. gekürzt sibte, ahd. sibunto, sibendo, noch im ältern Nhd. mit Vorliebe sie- bende bis ins 18. Jh.(Lessing 6, 123 von 1759, Herder 6, 304 S. von 1774); dazu asächs. siνondo, sivotho, mnd. seve(n)de, sove(n)de, afrs. si(u)- gunda, sogunda, savnda, ags. seofopa, seofunda, engl. seventh, anord. Sjaundi, schwed. Sjunde,

dän. syvende. Urverw. mit lit. septifitas, aw.

haptatha-, aind. saptäãtha- neben saptamã-, lat. septimus, gr.&douoc, air. sechtmad, apreuß. septmas, abg. sedmEj. Davon Sieb(en)tel, n., 1706 bei Kramer, gekürzt aus Siebenleil(1521 bei Schade Sat. 2, 184, 299 Sibenkail m., 1798 bei Voß Ovid 1, 324 Siebtheil n.); sieb(en)thalb, Zahlw., 6 ½, frühmhd. sibende-, sibent-, siben- halp, and. sivothohalf, mnd. souonde halve(s. halb). ZUS. mit sieben: siebenfach, adj. im 15. Jh. sibenvach. siebenfältig, adj., mhd. sibenvaltic,-veltic, ahd. sibun-, sihinfaltig. Sie- bengestirn, n.: aus sieben großen Sternen be- stehendes Sternbild, mhd. sibengestirne n., wo- für schon ahd. sibunstirri n. siebenjährig, adj.: sieben Jahre alt(mhd. sibenjcric); aus sieben Jahren bestehend(ahd. sibinjärig). Sie- benkünstler, m.: überaus schlauer Mensch (Wagner Kindermörderin 59), urspr. einer, der inden sieben freien Künsten(Grammatik, Arith- metik, Geometrie, Musik, Astronomie, Dialektik, Rhetorik) Meister ist, 1664 bei Rachel 6, 412. Schon mhd. er kan wol siniu sibeniu(Gesamtab. Nr. 49, V. 784)«er ist gar zu schlau». sieben- mal, Zahladv., im 15. Jh. bei Diefenb. gl. 528‧ si(e)ben mol(e), 1473 im Boccaccio 166, 25 zu siben malen(s. mal), dafür mhd. sihenstunt, ahd. sêbunstunt u. sibun warb. Siebensachen, Pl.: allerlei Sachen, zumal geringfügige, Plunder, 1663 bei Schupp 188, aber verhüllend bereits 1624 in den Engl. Comöd. Gg 8° Sieben-Sachen, wie 1664 b. Duez Siebensachen«pudenda, scro- tum, testiculis, dann von den weiblichen Reizen bei Günther 944. Im Kinderlied vom Kuchen- backen werden sieben Sachen als zusammen- gehörig genannt, zugleich aber ist die Wortver- bindung alliterierend. Siebenschläfer, Pl.: die sieben als Christen verfolgten Jünglinge, die nach der Legende von 251(Christenver- folgung des Decius) bis 446 in einer Felsenhöhle bei Ephesus vermauert geschlafen haben, mhd. die siben släfœxre, 1435 bei Dangkrotzheim Na- menb. 209 die sübensleffer, im Sg. Siebenschläfer 1678 b. Krämer; ihr kirchlicher Gedächtnistag, der 27. Juni als Tag ihrer Vermaurung, heißt im Volksmund Siebenschläfer m., spätmhd. der siben schlaffertag(Städtechr. 5, 32, 33). Daher übertragen Siebenschläfer, m.: einer, der in der Regel bis morgens 7 Uhr schläft(so 1691 b. Wiedemann histor.-poet. Gefangenschafften 11, 74, als«Langschläfer» 1663 b. Schupp 734); die Eichhornart myoxus glis,«Schlafratz, Bilch (1780 bei Adelung), weil das Tier nach dem Volksglauben einen Winterschlaf von sieben Monaten hat. siebensinnig, adj.: überklug