Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
857-858
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85⁵⁷ sicher

Sieb 858

(entl.) dän. segl; dafür anord. m.(dän. le, norw. ljaa, schwed. lie m., mnd. 16, lehe f.«Sense»), got. gilpa f.«Sichel». Wohl entl. aus glbd. lat. secula f., von lat. secãre«schneiden; viell. aber Abl. von Sech. 4BL. sicheln, v., Anfang des 15. Jh. sicheln(Diefenb. gl. 223 b). Sichling, m.: mit d. Sichel abgeschnittne Handvoll Ge- treide; Garbe, Bund Getreide, mhd. sich(e)ling.

sicher, adj.: keine Ursache zu Furcht oder Zweifel habend, sorglos und nicht befürchtend; vor Schädlichem, Nachteiligem bewahrt; fest u. zuverlässig. Mhd. sicher, ahd. sihhur, sihhor, sihhar(frei von Schuld, Verpflichtung od. Ge- fahr), bei Notker auch sichar u. sichiure; dazu asächs. siczr, sicor, mnd. sexcer, undl. zeker, afrs. Sicur, ags. sicor cfrei von Schuld u. Strafey. Entl. als Rechtswort aus lat. secärus sorg-, furcht-, gefahrlos»(lat. se-«ohne», cära f. ⸗Sor- ge»). 4BL. Sicherheit, f., mhd. sicherheit f. (auch cfeierlich eingegangne Verpflichtung»), ahd. sichur-, sihharheit, mnd.-mndl. Sexerheit f. sicherlich, adv., mhd. Adj. sicherlich(im 17. Jh. erloschen), Adv. sicherlöche n), ahd. Adv. sichurlicho, mnd. sekerlilcen, mndl. sexerlike Adv. sichern, v., mhd. sichern, ahd. sihhorön; dazu asächs. sicorön, mnd.-mndl. sekeren, afrs. sikcura, sikeria, gebildet nach mlat. Securdre versichern», daher die älteste Bed. des deut- schen Worts crechtfertigen, gewiß macheny. Sicherung, f., mhd. sicherunge f. ZUS. Sichermal, n.: zutreffendes Ziel(Zielzeichen), bei Luther 1. Sam. 20, 20.

Sichet, n.(-els, Pl.-e), auch Sichte, f. (Pl.-n): sichelartiges Werkzeug. In ndd. Ma. Mnd. sichte f., ndl. zicht f., ostfrs. sichte. Aus vegedI, mnd. segedef.«Schlagsichel». Der Form nach fast gleich lat. seges f.«Saaty. Stamm- verwandte mit Sense, Sech.

Sicht, f.(Pl.-en): Wahrnehmung mit den Augen. Mhd. siht f. das Sehen, Anblick, Er- scheinungy, ahd. siht f.(zweifelhaft), von sehen (s. d.); nhd. im Wechselverkehr auf S. zahlbar, d. h.«sofort beim Präsentieren», 1702 bei Kra- mer; seem. als Ntr.«freie Aussicht auf dem Meere», dann«Sehweite(in S.), in letzter Bed. schon mnd. sicht n.(auch mnd. sichte n. Ge- sicht, Angesicht, Vorderseite»). 4BL. sicht- bar, adj., b. Luther 2. Kor. 4, 18 u. Dasypodius 1537, aber bereits um 1480 im Voc. inc. teut. dd 3 b das Adv. sichtberlich u. sichtberlichkait f. sichten, v.: in Sicht bekommen,(seem.) sich- tig, adj., mhd. sihtec, sihtic«sichtbar, deutlich, sehend, ansichtig, wie noch 1691 bei Stieler, dann erloschen u. nur noch in Zss., wie schon

ahd. in anasihtig, durchsihtig u. seem. sichtiges Wetter, bei dem gut zu sehen ist. sichtlich, adj., mhd. sihtlich, Adv.. im 12. Jh. sichtliche.

Sichte, s. Sichet.

sichten, v.: sieben, durch das Sieb reinigen (Luk. 22,31); rüttelnd läutern(Amos-9, 9); son- dernd läutern. Durch Luther in die Schrift- sprache eingeführt aus dem Nd., mnd. mndl. im 15. Jh. sichten, nndl. zichten, mit Ubergang von ft in cht aus älterm siften(1495 in der Kölner Gemma Fesiften, ebenso ndl. 1598 u. und.), ags. siftan, engl. sift«sieben, sichten». Zu Sieb, s. d.

sickern, v.: in kaum merklichen Tröpfchen durch eine feine Offnung durchdringen; dann eine Flüssigkeit tropfenweise durchdringen las- sen(1780 b. Adelung). In 1. Bed. 1691 b. Stieler. Erst im 19. Jh. schriftsprachl., aber in d. Ma. all- gemein; dazu ags. vereinzelt sicerian tröpfeln. Iterativ zu ahd. sigan, sihan(s. seihen).

Sidönie, Frauenname, aus gr.-lat. Sidõnia, F. von gr. Eidüwioc aus der phönikischen Stadt Sidon(X1dGv) stammend.

sie, Pronomen des F. Sg. u. des Pl. der 3. Per- son. Mhd. sie, auch si, s? u. im Nom. Sg. selten siu; ahd. im Nom. Sg. Si(u), S', asächs. siu, got. si, der Akk. Sg. ahd.-asächs. sia, der Nom. u. Akk. Pl. ahd.-asächs. vom M. sie(asächs. auch sia), vom F. sio, vom Ntr. siu. In der Anrede trat der Sg. sie im 17. Jh. ein(1673 bei Weise Erzn. 76), anfangs feiner als das ältre ihr, aber bald sinkend u. auf Dienstboten u. niedre Per- sonen beschränkt, im 19. Jh. ausgestorben; an seine Stelle trat der Pl. Sie(veranlaßt durch pl. Subst. wie Eoo. Gnaden haben befohlen), als pluralis majestaticus von er, sie zunächst in der Anrede an fürstliche Personen(um 1600 bei Ayrer Dram. 1605, 20 ff. an die Kaiserin, 1667 b. Schmeller ² 2, 203 S; an den Kurfürsten), oder deren Stellvertreter(1541 läßt Sigm. v. Herber- stein sich als Gesandten des Kaisers vom Sultan mit sy anreden, Fontes rer. austr. 1, 1, 335), zu Ende des 17. Jh. auch an bürgerliche Standes- personen(1675 bei Weise kl. Leute 222, 1696 pei Reuter Schlampampe 130 an den Doktor). Subst. Sie, f.(Pl.-en): Weibchen, schon mhd. sie, Si f.«Weib, Frau», auch«Weibchen eines Tieres, insbes. eines Vogels», in letzter Bed. bei Luther Tischr. 3, 14 Siehe f., auch dim. mhd. im 14. Jh. siel n.«weiblicher Vogel, bei H. Sachs 7, 460 Sielein n., bei Klamer Schmidt kom. Dicht. 108 Siechen n., nd. seike, séke, in der Jägerspr. Siekce f.(1746 b. Döbel 1, 64 b), Sicke f.(1716 bei Hohberg Landleben 3, 2, 359).

Sieb, n.(els, Pl.-e): mit durchlöchertem