Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
849-850
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849 senil

Sensation 850

dürr, welk machen(vom Frost Voß Ovid 2,369); (intrans.) langsam in Brand geraten(1810 bei Gampe). In 1. Bed. mhd. sengen(Prät. sengete, sancte, auch von der Sonne cbrennend heiß be- scheinen», Walther v. Rheinau 108, 24 ff.), ahd. in bisenan, bisengan. Gew. aufgefaßt als Fak- titiv zu singen(s. d.) ⸗singen machen', da singen im Mhd. vom Geräusch der brätelnden Speise wie vom Zischen und Knistern des auflodern- den Feuers(Parz. 104,3) gebraucht wird. Dazu mhd. ãsanc m.«das Anbrennens⸗, älternhd. sang Adj.«dürr, reif(vom Getreide, 1568 b. Mathe- sius Jes. Christ. 1, 89 ²). sengerig, adj.: an- gebrannt; gefährlich, verdächtig. Nordd. 1810 bei Campe. Von einem von sengen abgel. Verb sengern(preuß.).

senil, adj.: greisenhaft und infolgedessen mangelhaft. Das lat. senilis, adj. von sener Greis. Erst in neurer Zeit.

Senior, m.(-s, Pl. Seniören): der Alteste, der Obre(1694 bei Nehring); der Vorsitzende eines studentischen Korps(im 18. Jh.). Aus lat. senior cäͤltery, Komp. zu seneæ«alt, bejahrt.

Senkblei, s. senken.

Senkel, m.(-s, Pl.wieSg.): Haftband, Haft- schnur mit metallner Spitze zum Einsenken in u. Durchziehen durch gegenüberstehende kleine Löcher am Kleidungsstück; Senkblei(1537 bei Dasypodius). In der 1. Bed. mhd. senkel m., urspr.«der kostbar gezierte zungenartige Band- streifen, der durch den Rinken gezogen vom Gürtel herabhing», dann«Nestel, auch«trich-

terförmiges mit Bleikugel beschwertes Zug-

netzo, wie schon ahd. senkil m., urspr.«Anker⸗ (senchil m. und sinchila f.). Von senken(s. d.). ZS. senkelrecht, adj.: dem Senkblei ge- mäß, lotrecht(Wieland Idris 3, 98), 1663 bei Schottel 504.

senken, v.: sinken machen;(bergmäünnisch) einen Schacht niederbringen(im 14. Jh. Magde- burg. Fragen 1, 19, 1);(im Wein- u. Gartenbau) Ableger machen(1395 bei Mone Ztschr. 14,34). In der 1. Bed. mhd. senken(Prät. sancte, Part. gesenket), ahd. senlcan(Prät. sancta); dazu alt- sächs. bisenkian«zu Fall bringem, mnd. senken, ags. sencan, anord. sokkva, schwed. sänka, dän. sänkce, got. saggjan«versenkeny. Bewirkungs- wort zu sinken(s. d.). 4BL. Senker, m.(-s, Pl. wie Sg.): zum Wachstum in die Erde ge- senktes Reis, 1734 b. Steinbach Säncker. Sen- kung, f., 1691 b. Stieler. ZUS. Senkblei, n.: Blei an einer Schnur zum Senken ins Wasser, um dessen Tiefe zu erforschen, 1664 bei Duez Senckelbley. Auch«Senkel(s. d.), Lot, Blei-

weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. II. Bd.

wurf»(Apostelg. 27,28). Senkgrube, f. kleine Grube zum Einsenken einer Rebe als Senker (1741 b. Frisch); Grube zum Aufbewahren des Mistes, Unrates usw.(erst im 19. Jh.). senk- recht, adj.: nach keiner Seite geneigt auf einer Ebene stehend, 1716 bei Wolff math. Lex. 805, vgl. senkelrecht.

Senn, s. ²Senne. 1Senne, f., s. Sehne.

*Senne, m.(7/, Pl.-n), auch Senn, m.(-Lels, Pl.-e): Alpenhirt, Oberkuhhirt einer Alpen- wirtschaft. Schweiz. 1556 b. Frisius 750 Sennen Pl. u. 1561 b. Maaler Sennen«Milehköch?, 1462 senne m. u. sennin f. in Tiroler Weist. 4,57, 33, ahd. senno m. Herkunft dunkel. Zu Sahne, wie Käser zu Käse(s. d.)? Vgl. noch Btr. 16, 564 u. 2 Sente. 3Senne, f.(Pl.-n): Alpenweide, dann überhaupt Weide. Mhd. senne f. 4L. sennen, v.: Käse bereiten, schweiz.-tirol. Da- von Senner, m.: Knecht für Butter- u. Käse- bereitung auf einer Alpenweide während des Sommers, spätmhd. zu Anf. des 15. Jhs. Sennere m., bayr.-tirol.- käürnt. Senner, Sender; aber S. «Pferd aus einer Stuterei, Hengst», 1780 bei Adelung, nordd., stammt von Senne f. Heidey, die SennecHeidestreifen am Teutoburger Waldh, im 9. Jh. Saltus Sinithi. Senneréi, f.: Wirt- schaft eines Sennen, das Alpenhirtenwesen, 1741 b. Frisch; Sennerin, f.: das Geschäft des Sen- ners treibende Magd, in den öst. Alpenländern, meist Send(er)in, f. ZUS. Sennhütte, f.: als Stall u. Ort zur Käüsebereitung errichtete Hütte auf der Alp, 1556 b. Frisius 1952 Sennhlütten f.

Sen(n)esbaum, m.: das Staudengewächs cassia senna. 1711 bei Rädlein Senesbaum, 1556 b. Frisius 253 b Senethaum, 1537 b. Dasypodius Senetstaud f., 1546 b. Bock 2, 102 Senet m., mhd. sen(e) f. Aus ital.-span. sena f., frz. séné m., von arab. sandã«Senesstaude». Sen(n)esblatt, n., gew. Pl. Sennesblätter, so 1691 b. Stieler 2, 273, Senetbletter 1533 bei Rößlin 292 b, mhd. sene.

Sensäl, m.(-els, Pl.-e): Mäkler für Wech- sel, Warengeschäft. 1710 bei Nehring Sensale, aus glbd. ital. gensale, dafür frz. censal, prov. cessal m., von lat. censuãlis m.«Aufsteller der Zensuslisten», dann Cinnehmer, Steuereinneh- mery, zu lat. census m.«Abschätzung u. Kontrol- lierung des Vermögens».

Sensatiön, f.: Eindruck(Goethe Br. 5, 99); Aufsehen, Aufregung(1801 b. Campe), im 18. Jh. auch«Empfindung»(Herder Lebensb. 2, 318). Aus glbd. frz. sensation f., von lat. sensãtus cmit Verstand, Empfindung begabts, sensus m.«Emp- findung, Gefühl». 4 B L. sensationéll, adj.: Aufsehen erregend. Noch nicht 1834 bei Petri.

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