Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
845-846
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845 selchen

Semester 846

Stieler, selblautender Buchstab 1624 bei Opitz Poet. 36. Selbstliebe, f., 1646 b. Harsdörffer Gespr. 6,188. selbstlos, adj.: frei von Selbst- sucht. Noch 1810 von Campe beanstandet. Selbstmord, m., 1649 bei Harsdörffer 8, 571; Selbstmörder, n., 1702 bei Kramer. selbst- redend, adj., 1630 b. Haltaus S. 1673. Selbst- schufß, m.: sich selbst entladendes Feuerrohr gegen Raubtiere, 1746 b. Döbel 2, 125, Selbschoß m. 1664 b. Duez, anders mhd. selpschoz, ahd. selp- Scoz n. Schleudermaschines. Selbstsucht, f., 1759 bei Crugot Christ in der Einsamkeit 1, 67; selbstsüchtig, adj., 1783 bei Garve. Selbst- verlag, 1780 bei Voß(Zfd W. 8, 135). selbst- verständlich, adj., b. Goethe 6, 265. Selbst- verwaltung, f., nach engl. selfgovernment, ZfdW. 2, 309 Beleg von 1814. selbstzufrie- den, adj., b. Schiller Turandot 2, 4; Selbstzu- friedenheit, f., 1772 b. Lavater Physiogn. 48. Selbstzweck, m., bei Schiller Br. 3, 280. selchen, v.: trocknen, einpökeln, räuchern. Bayr.-öst. 1568 b. Mathesius Hist. v. Jes. Christ. 2,89 2, ahd. arselchen«dörren»; dazu ags. seal- can(Part. ãsolcen) cerschlaffen». Viell. zu gr. ATropôc«schmächtig. 4BL. Selcher, m.: FPleischräucherer,(bayr. öst.) Fleischer. 1810 bei Campe. Selékta, f. Oberklasse. Aus lat. selecta, dem F. des Part. Perf. Pass. von séligere causwählenv. Selfkante, ndd. für Salband(s. d.). selig, adj.: glückbringend; überaus glück- lich; überirdische Freude genießend, bes. als Verstorbner; durch den Tod zur ewigen Freude eingegangen; betrunken(Zfd W. 1, 49 von 1757). In diesen Bedd. mhd. sœlec, sclic, ahd. sülig, md. sëölec, sélig; dazu asächs. sdlig«gut, fromm, hochbeglückts, ndl. 2alig, afrs. selich, silich, ags. sclig«glücklich, engl. sille,«einfältig, schlicht, schwachs, anord. säligr carmꝰ, schwed.-dän. salig«seligy. Von got. séls«gut, gütig, mild, anord. scll«glücklichs(auch«arm), got. slei f. «Güte, Milde, Rechtschaffenheit, ags. s6 f. m. Glück, Gelegenheit, rechte Zeito, anord. scẽla f. «glücklicher Zustandy, mhd. Ssœlde, ahd. sälida f. Güte, Glück». Herkunft umstritten. Am be- sten wohl zu lat. sölãre ctrösten», wozu lat. salwus«wohlbehalten, heil, gesund, alb. g alo ckräftigo, gr. öXoc, ion. onXOc«ganz, alat. Sollass, kymr. holl«ganz», air. slän cheil, gesundꝰ, aind. sarvas«ganz, ally. UÜber andre Auffassungen vgl. Btr. 30, 306. 4BL. Seligkeit, f., mhd. sclec(h)eit, sœlikeit f.«Vollkommenheit, Wohl- geartetheit, Beglücktheit, Anmuts», ahd. sülig- heit f., mnd. salicheit f.

-selig, Adjektivbildung durch Ableit. von =Sal(s. d.), in arm-, feind-, hold-, müh-, saum-, scheu-, trübselig. Völlig verschieden von den Zusammensetzungen mit dem Adj. selig(s. d.), wie arbeit-, fried-, glück-, gott-, leut-, redselig.

Sellerie, m.(*J, Pl.-S), auch f.(Pl.-n): die Pflanze apium graveolens. In der 2. H. d. 17. Jhs. aus Frankreich u. Italien eingeführt, 1670 bei Grimmelshausen Simpl. Calender 206 b Selleri, Zelleri Pl., 1678 bei Krämer Seller, Sellen m. Aus glbd. frz. céleri m., piemont. seler, komask. selar, venezian. seleno m., aus mlat. Selinan n., gr. ceMvov n. Eppich, dann Garteneppich, Sellerien. Hess.-thür.-obsächs. auch Zelleri m. u. f., wie 1734 b. Steinbach u. Adelung Sellerie f.

Selma, Frauenname. Aus Anselma?

selten, adj. u. adv.: wenig vorkommend; in Zss. mit Adj. verstärkend schon 1830(Zfd W. 3, 332). In ältrer Sprache nur Adv. mhd. sel- ken(e), md. selden(e), ahd. seltan, selten, als Adj. erst 1505 in der Straßburg. Gemma gemm. XEZ24 selten und in der 1. H. des 15. Jh. nd. Seldene (Diefenb. nov. gl. 313 b); dazu mnd.-mndl. sel- den, nndl. zelden, afrs. sielden, ags. seldan, sel- don, seldum, engl. seldom, anord. Sjaldan, sämt- lich nur als Adv., schwed. sällan, dän. Selden. Dazu got. sildaleites«wunderbar', eig. ceine selt- same Gestalt habend(sildaleilsjan«sich wun- dern, bewundernꝰ, sildaleik n.«Verwunderungo), asächs. seldlic, ags. seldlic, sellic, syllic eselt- sam, wunderbars, engl. sill; albern⸗. Herkunft dunkel. 4L. Seltenheit, f., 1505 in der Straßburger Gemma gemmarum X 23; 1495 in der Kölner T 2 dseldenheyt, dafür mhd. seltscne, ahd. seltsän f., von seltsam, adj., mhd. selt- sche, auch umgebildet seltsœme, seltsäm, md. seltséne u. selzéne, seltzãm, ahd. seltsäni«wun- derbar, fremdartig, wertvoll», wie ahd. unsdnd cungestalt eine Zss., deren zweiter Teil, falls aus urgerm.*ségani- enstanden, zu sehen ge- hören würde, dann aber an die Adjektivendung -sam angelehnt würde, im Mhd. seltsein,-Seim, vereinzelt auch auf mhd. seine clangsam, träges, wie in lancseine,-seim(s. langsam) bezogen; dazu mnd. seltzen, selsen und seltsam, selsem, mndl. Selsiene, undl. zeldzaam, ags. seldslene, seldsYnde, anord. Sjaldséenn(mit dem Part. Prät. von anord. Sſd«sehen» 29s.).

Semde, f.(Pl.-n): die Binse, bes. die schmale. Mhd. sem(e)de f., semt n., im 15. Jh. auch sende, simde, symmete, ahd. semida f.(fd W. 3, 275); dazu mnd. seme(n)de neben söm. Zu sammeln?

Seméster, n.(*s, Pl. wie Sg.): Halbjahr. 1728 b. Sperand. Semestrium n., 1795 b. Schiller