Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
839-840
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839 Sein

seit 840

1702 bei Kramer seimicht, md. u. bayr. sämig, nd. sẽmig, aber ahd. seimig«honigsüßy. Sein, n.(*4): der Inf. sein als Subst., schon ahd. sin n. Vgl. Wesen. 1sein, das Hilfszeitwort, bildet seine Fle- xion aus drei verschiednen Wortstämmen, die urspr. eine ganz konkrete Bedeutung hatten. Diese ist aber z. T. schon in vorgeschichtlichen Zeiten verblaßt. 1. Allgemeingerm. u. schon idg. als Hilfszeitwort ist der Stamm es-, mit Ablaut s-, von dem ursprünglich fast alle prä- sentischen Formen gebildet wurden, got. Präs. Sg. im, is, ist, Dual. sijt, sijuts, Pl. Sijum, sijup, sind. Dem entsprechen, abgesehen von einzelnen Umbildungen, die Formen der verw. Sprachen, lat. sum, es, est, sumus, estis, sunt, gr. eiui(aus resmi), ei(aus*esi), ecri, 3. Pl. eici aus*senti, ir. am, is cbin, ist», aind. äãsm³, dsi, dsti, Pl. smäs, sthã, sänti, alit. esmꝰ, abg. jesml, arm. em«ich bin». Der Konjunktivbildung got. sijau, sijais, sijai ist annähernd gleichzusetzen aind. Sſäm, 81ds, Sjãt, alat. Siem, siés, siet, Pl. ssmus, gr. einv (aus resjén). Von diesem Stamm werden ge- bildet 3. Sg. ahd.-mhd. ist, u. mit Verlust des? md. is, wie jetzt fast in allen Ma.(alem. 1s) u. 3. Pl. ahd.-mhd. sint, nhd. sind, der ganze Konj. ahd.-mhd.§', sist, s, sin, Sit, sin, woraus nhd. sei, Seist, sei, seien, seit, seien. 2. Der Stamm 5 (zu bauen s. d.) in bin, bist ist im ältern Deutsch u. in den germ. Dialekten weiter verbreitet als jetzt. Mhd. ich bin, da bist, wir birn, ir birt, alem. ir bint(der Pl. im 14. Jh. erloschen), Imp. bis (noch md. u. schweiz.); im Ahd. Präs. ich bim, bis(t), Pl. birum(és), birut(alem. birſelnt); dazu asächs. Präs. bium, bis(t), mnd. bin, bis(¼), b(i)ust, mndl. bem, bes(t), afrs. bim(bin, bem, ben), im Ags. das Präs. durchflekt. bõom(béO), bist, bich, Pl. bõodusw. In den verw. Sprachen entsprechen lit. büsiu«ich werde sein?, bäti«sein», abg. byti csein?, gr. beiv«entstehen, werdeny, auch «zeugen», lat. fao«ich bin», faam cich seiy, fui cich bin gewesen», fore Inf. Fut., forem«ich wäre», aind. bhävdmi ich bin». 3. Der Wort- stamm aves-(urspr.«verweilen, wohnen, blei- ben⸗, in aind. väsdmi«ich verweile, bleibe, wohne, übernachte», vasatis f.«Behausung, Nest», awest. vauohaiti«er verweilty, arm. 9oν- cist, existiert), gr. écria f.«Herd, Wohnsitz), lat. Vesta«als Göttin der Wohnung u. Heimat, air. foss, feiss«Bleiben, Rasten, Ruhey) istvertreten im Ahd. durch das Präs. 2ʃ80, zisis, 2νsit, 3. Pl. wesant, Konj. wesa, Imp. 1⁰s, Pl. zeset, Inf. wesan, Part. Präs. wesanti, Prät. was, wäri, Pl. wärun, Konj. wäri; im Mhd. Präs. Konj. wese,

Imp.(bayr.) weset, Inf. wesen, Part. Präs. esen- de, Prät. was(im 15. Jh. vereinzelt ar, das seit 1523 auch Luther gebraucht), wcæere(im 15. Jh. zwarest, md. im 13. Jh. 2⁰(†es!), Pl. würen(im 15. u. 16. Jh. auch asen), Konj. wœre, Part. Prät. (bayr. md.) geuwesen u.(md. seit 13. Jh.) gewwest (auch mnd. gezest neben geuwesen, mndl. ghe- weest neben ghewwesen u. ghesijn); im Asächs. Imp. Uεs(Wes, noch nnd. ²0ese), esad, Prät. was, Pl. wrun, Konj. wäri, Inf. wesan(auch mnd. nndl.-mndl. wesen, nndl. wezen nebenzijn); im Afrs. Imp. zwese, wesel, Inf. wesa, Prät. was, Pl. weron, Konj. zwere, Part.(e)zwesen; im Ags. Imp. es, wesad, Inf. wesan, Part. Präs. wesende, Prät. ας, Pl. ενon, Konj. wνre; im Anord. Imp. ves, ver, Pl. vesid, Präs. Konj. auch vesa (Später vera), Inf. vesa, vera, Part. Präs. vesandi, verandi, Prät. vas, var, Konj. vcꝰra, Part. Prat. vesit, verit; im Got. Imp. 20ʃ18, Inf. isan, Part. Prãs. wisands, Prät. as, Konj. 2⁰6ſ ια, Part. Prät. 2ν8πν.

2sein, seiner, Gen. Sg. von er(s. d.) und es, mhd. S'n(es), siner, sinre, ahd. sin(es); dazu mnd. simπes), siner, kontrah. sir, mndl. sijns, nndl.*, 2ꝛjner, got. seina, eig. wohl der Nom. Akk. Pl. des folg.

ssein, besitzanzeigendes Pronomen der drit- ten Person. Mhd. sin, ahd. sin(flekt. siner, sina, siniu, sinag); dazu asächs.-mnd.-afrs.-ags. sin, anord. sinn, got. seins. Gebildet wie dein, mein(s. d.) mit dem Possessivsuffix inavondem Pronominalstamm, der in got. sis ihm», Ssik csich»(s. d.) vorliegt u. eine Nebenform mit ²ο aufweist in ahd.-asächs. Sοοσ⁴ ceigeny, got. 56 ⁰8, ags. 52ςᷣ«eigen», anord. sodss clieby, apreuf. saiss, lit.(Gen.) sãvνο«sein», abg. suvοi, lat. suls, gr.&òc«sein, aind. suũ eigen». 4 B L. seinig, adj., md. im 14. Jh. Sinec. ZUOS. seines- gleichen, erstarrte Genetive(s. Neich), mhd. im 14. Jh. seins geleichen, sonst mhd. im Nom. sin geliche(u. stark sin gelöch), ahd. son gillcho (noch bei Luther Hiob 1, 8 u. 2, 3 scin gleiche), aber auch flekt. im Akk. Sg. mhd. sinen gelichen, Nom. Pl. alle sine gelichen. seinethalben, adv., zusammengerückte Dative Pl. mit einge- schobnem t u. davor ausgefallnem, mhd. von sinent halben, von mhd. halbe f.«Seitey(s. halb). Danebenseinethalb, mhd. sin()halp. seinet- wegen, adv., älternhd. im 16. Jh. von seine n)t- wegen, mhd. von sinen wegen. seinetwillen, adv., 1581 bei Fischart Bienk. 972 umb seinet willen, dafür mhd. durch sinen willen.

seit, Präp. mit Dat. und konj.: von an.

Mhd. sit, ahd. Sid(auch«nachdem, da, weil» u.