Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
825-826
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825⁵ Schwinde

schwingen 826

swummun, danach älternhd. im 16. u. 17. Jh. auch schawum, der Konj. mhd. stwumme, ahd. saummi, bei Luther Apost. 27, 42 u. im 17. Jh. schwümme, das Part. Pass. mhd. geswummen, älternhd. bis Ende des 17. Jh. geschwummen, 1663 b. Schottel geschawommen. 4L. Schwim- mer, m., spätmhd. seimmer, mnd. suwemmer, swommer m.

Schwinde, f.(Pl.-n/): schnell um sich grei- fender Hautausschlag, Flechte, 1604 b. Schaller theolog. Heroldt 74 Schwindt f. Von mhd. sebinde, swint,«geschwind»(s. d.).

Schwindel, m.(-‧s, Pl. wie Sg., selten, dafür Schawindeleien): Schwachheit des Kopfes, daß die Sinne schwinden und alles sich zu drehen scheint; Handlung in haltloser Ubertreibung, Betrug(1780 bei Adelung, ähnlich schon 1534 bei Franck Weltb. 9 b). In der 1. Bed. mhd. swindel, swintel m., dafür ahd. sawintilöd(and. sawindilõôd) m. u. swintilunga f.(vom Zeitwort suintilön). 4B L. Schwindeléi, f.: Betrug, 1780 b. Adelung. schwindeln, v., mhd. sawin- deln, sputmhd. mir swindelt, ahd. suintilôn; da- zu anord. mile sundlar; in den Bedd.«sich wo- hin versteigen» bei Schiller Räuber 5, 7, caben- teuerliche Entwürfe oder Versprechungen ma- chen» bei Klopstock Mess. 6, 409,«lügen und betrügen 1778 bei Hermes Soph. 4, 77. Zu schwinden. Schwindler, m., 1691 bei Stieler Schwindeler m. u. Schawindlerinn f.«Schwärmer, Phantast, in der Bed.«Lügner, Betrüger» erst gegen Ende des 18. Jh., beeinflußt durch engl. swindler, das um 1760 für Londoner Hochstapler aufkommt. Vgl. ZfdW. 2, 302, Kluge Bunte Blätter42. schwind(e)lig, adj.: körperlichen Schwindel empfindend od. erregend, zu Anfang des 16. Jh. schwindlig bei Diefenbach gl. 614°, 1678 b. Krämer schwindelicht. ZUS. Schwin- delgeist, m.: Geist des Taumels, bei Luther Jes. 19, 14; Schwärmer, 1678 bei Krämer, dafür 1537 b. Dasypodius 1, 180 d ein Schꝛwindelgeyster.

schwinden, v.(Prät. schawand, Konj. schaäãnde, Part. geschwunden): abnehmend auf- hören zu sein od. dazusein. Mhd. seinden, ahd. swintan(im Mhd. auch«machtlos, mager und welk, bewußtlos werden»); aus dem Hochd. entl. nd. sawinden, swinnen, schwed. försvinna, dän. svinde. Das Prät. lautet mhd. saant, ahd. stant, Pl. szunden, ahd. saudun, danach älter- nhd. bis ins 18. Jh. scheound, schwunden, Konj. schwünde; das Part. Pass. mhd. geszwunden, ahd. swuntan. Wahrscheinlich Weiterbildung von ahd. su'nan, mhd. sowinen«an Körper, an Kraft biszum Nichtmehrsein abnehmen; sich aus Aus-

trocknung einziehen, vergehen, verstummenꝰ, älternhd. schaeinen u. noch alem. Schzeinen, schaynen«schwinden», bayr. Schzweine f.«Ab- nahme», dazu mnd. seoinen c«langsam, träge sein», isl. svina und suia«nachlassen. Vgl. schweinen. ZUS. Schwindsucht, f.: Aus- zehrungskrankheit, spätmhd. im 15. Jh. sewint- sucht neben swinesucht(1414), schaweinsuht (1429), 1565 bei Paracelsus Wundartzney 8 Schwiensucht. schwindsüchtig, adj., 1482 im Voc. theut. gg 12 sνtsuchtig.

Schwinge, f.(Pl.-n): Schwingholz oder -eisen zum Flachsschwingen; Schwingwanne, Schwingsieb, um Getreide od. Futter zu reini- gen; mit Schwungfedern besetztes Flügelende, Flügel. In der 1. Bed. mhd. sewinge f., im 15. Jh. auch in der 2., sowie(1400)-Torflügel, dagegen ahd.-and. singa f.«Peitsche», ãszwinga f.«Ab- fall beim Flachsschwingen; die 3. Bed. stammt aus der Sprache der Falkner u. Jäger, 1557 bei Heuflin Vogelb. 147 die Schwingen des Falken, ist aber bereits im 17. Jh. in die Volkssprache übergegangen(Stieler 1691), ebenso ndl. 1598 swinghe f. Von schaoingen(s. d.).

Schwingel, m.(, Pl. wieSg.): der Taumel- lolch, lolium temulentum, 1780 bei Adelung, mit mundartl.(md.) ng für nd, umgebildet aus Schwindel, denn der Same der in Ackerfeldern wachsenden Pflanze, unter das Brot gebacken, erzeugt Taumel u. Schwindel, weshalb sie auch Schawindelkorn, Schwindelhafer heißt, schwed. svindel, dän. suvingel.

schwingen, v.(Prät. schwang, Konj. schawänge, Part. geschwungen): zum Schlage mit gehobner Kraft bewegen; dann überhaupt mit Kraft durch die Luft bewegen; den Flachs mit einem breiten messerartigen W9erkzeuge scharf schlagend reinigen; Getreide od. Futter mit der Schwinge(s. d.) reinigen. In diesen Bedd. mhd. sawingen(auch die Flügel schlagend fliegen), ahd. szingan«mit gehobner Kraft bewegen, schlagen, geißeln, mit starker Bewegung reini- gen⸗; dazu asächs. swingan sich schwingen», mnd.-mndl. seingen, afrs. swinga, swenga, swanga«schwingen, gießen», ags. sewingan gei- Beln, mit den Flügeln schlagen, fliegen, flatterno, und swincan angestrengt arbeiten, sich ab- mühens, engl. sting«schwingen, sich schwin- geno, szwinge cpeitschen, hauens, u. s'ink cüber- mäßig arbeitens, schwed. svinga, dän. svinge, got. nur im Faktitiv afsawaggaujan eschwankend machens(s. Schwenkcen). Im Prät., mhd. snc, Pl. seungen, bildet sich im 16. Jh. die Neben- form schaung(bei H. Sachs), die im 18. Jh. sehr