Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
781-782
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781 Schornstein

schossen 782

Wein u. kohlensaurem Wasser. In Franken, 1740 im Reisetagebuch des Abtes Marian Busch von Niederaltaich(abgedr. in der Wochenschr. Das Bayerland» 1899) Schurlemurle m. Von Schurimuri m.«jäh auffahrender, stürmischer Mensch, Sprudelköpfchen»,(1618 bei Schöns- leder u. 1713 b. Schmeller, schweiz. 1677 b. Dentz- ler), zu schweiz. schuren«sprudeln», schwäb. Schuri m. Brausekopf», schurig cübereilt?; ferner um 1600 b. Kluge Rotwelsch 1, 129 Schorg Mory cfieischliche Vermischung, 1696 in Schel- muffsky 9 Schuri muri als komische Beschwö- rungsformel im Sinne von«schleunigsty. Ein- fluß übte wohl auch die mit seltsamen Schnaken und Possen verbundne studentische Zeremonie beim Zutrinken im 16. u. 17. Jh. Carle Murle Puf (1602in Grimms Wb. 5,2812, vgl. Kluge Stud. 28), Curlg Murly Buff 1641 bei Weckherlin 1, 511 F., Murlepuff m. 1575 im Garg. 14, 8, carlemorlepuff 1673 bei Weise Erzn. 150. Vgl. schweiz. Kurri- murri, kurri-murrli m.«mürrischer Mensch), von älternhd. im 16. Jh. kurren und murren.

Schornstein, m.: der Rauchfang. Mhd. schor(n)-, schorenstein, auch schürstein, ahd. scor(en)stein n.; dazu mnd. schorstén, 1370 scor- stén, 1425 scharstein, clev. 1477 schairsteyn, ndl. 1567 bei Junius 220 b u. Kilian 1598 schoorsteen, (entl.) anord. skorsteinn, schwed.-dän. Skorsten m. Urspr. der Kragstein in der Wand, auf dem der Rauchfang bei den alten Kaminanlagen ruht, so noch im 14. Jh. schorstein«Kragstein, proceres»(Voc. opt. 16 b), zu ahd. scorrén cher- vorragens, mnd. schare f. und mndl. schoore f. Stütze, Strebebalken, noch im Schiffsbau Scho- ren«die starken Stützen, die das Schiff auf dem Stapel halten», clev. 1477 schairen cstützen, schairpost«Stütze⸗, mengl. schore, engl. shore, shoare«Stützey, anord. skorda f.«Stützey u. (als Verb) stützen, dazu skordusteinar«Strebe-, Kragsteinen.

Schose, f.(Pl.-n): Sache. Nordd., 1646 im Philander 3, 223(Leyden), 1668 bei Prätorius Anthropodemus 199. Aus glbd. frz. chose f., von lat. causa f.«Ursache, Sachev.

1Schoß, m.(Gen. Sehosses, Pl. Sehosse, auch Schösse[nicht bayr.-öst.]): junger Trieb, bes. einjähriger einer Holzpflanze. Bei Schottel 1663 u. Duez 1664 als m., wohl auch b. Luther 3, 110 b, aber mhd. schoz n.(bei Frisius, Maaler u. noch schweiz. Schoß n.), ahd. scoz n. u. erdscozza f. (Rebschößling). Aus dem Altndd. entl. frz. écot m., afrz. escot«Baumstrunk». Zu ahd. sciozan a«schießen'»,(s. d.), irsceozan emporwachsen».

2Schoß, m.(Gen. Schosses, Pl. Schosse):

Geldabgabe, Steuer. Bei Luther Schos m., md.

im 13. Jh. Schoz m.(Pl.-3ze); dazu mnd. schot e)

n., nnd. schott n., mndl. schot, afrs. Skot, schot n., ags. Scot n., engl. scot, anord. sot n.«Steuer, Abgabe», entl. mlat. scotum n., daher frz. écot m., afrz. escot, span. escote, ital. scotto m.«Zeche. Von md. schiezen«Geld zuschießen», eig.«wurf- weise dargeben»(im 14. Jh. b. Jeroschin 10089), mnd. geld scheten, ebenso ags. scéotan, anord. skota. 4BL. schoßbar, adj.: Schoß zahlend, zu Schoß verpflichtet, mhd. schozbœre. schoß- frei, adj., 1691 bei Stieler, engl. scotfree. 3Schof(mit b), m.(Gen.-es, Pl. Schöße): von der Mitte des Leibes niedergehender Teil des Mannsrockes, sowie d. Weiberkleides; Bug od. Winkel zwischen Bauch u. Beinen beim Men- schen; der Mutterleib; Rippenstück des Rindes (1739 b. Amaranthes);(bildl.) das aufnehmende, verbergende Innre, die Mitte. In diesen Bedd. mhd. schög(e) f., schöz n.(auch der den Unter- leib, Hüften u. Oberschenkel deckende Teil der Rüstung», sodann«Schürze» wie noch alem. Gewandbauscho), ahd. sco; m. f. u. scõzo m. in der 2. Bed., scõza f. in der 1. u. 2. Bed., wie häufig im 17., seltner im 18. Jh. Scho()ſ f. und noch bayr. Schoß f.; dazu mnd. schöt m. in der 2. Bed. (auch«Meerbusen, Flußbett, Rüststück des Unterleibess), mndl. scôt m., afrs. sc(h)ãtæRock- schoßo, ags. séat m., skéata m.«vorspringende Ecke, Keil, Gegend, Kleidsaum, leiblicher Schoß», anord. skaut n.«Ecke, Ende, Rand, Züpfel, Teil des Kleides vor dem Schoße, Schoßo, got. Skauts m.«Saum des Kleides». Aus dem Germ. entl. abg. skutt«Saum des Kleidess, lombard. Scοςs Leibesschoß, span. escote«cun- der Kleidausschnitt». Die urspr. Bed. ist«Spitze, Endes, wie ahd. dräscöz«dreieckig» zeigt, da- nach der Zipfel, das untre Ende eines Klei- dungsstückse, dann übertragen auf den Körper- teil, der von diesem Gewandstück überdeckt wird. Entweder zu schießen(s. d.), nach der pfeil- od. wurfgeschoßartigen Gestalt, also mit gleicher Begriffsentwicklung wie Gehren m. 6. d.), od. urverw. mit lat. cauda f.«Schwanz. ZUS. Schoßhund, m., 1556 bei Frisius 180 b Stoßhüundle n. Schoßkind, n.: Liebling, 1646 bei Harsdörffer Gespr. 6, 217 Schof kind. Schößchen, n.: Schiebefenster. Leipz. bei Albrecht, hess., zu schießen. S. Schoßkelle. schossen, v.: in einem Schoß emporwach- sen; als Steuer zahlen. In der 1. Bed. b. Luther 2. Mos. 9, 31, mhd. Schozzen, nd. schöten, zu 1 Schoß; in der 2. Bed. mhd. schozzen, mnd. schoten, clev. 1477 u. nnd. schotten, zu 2choß.