773 Schnur
schnurren 774
frühmhd. snuor f.«gerade Richtungy. 4BL. Schnürchen, n. RA. etaas am Sch. haben, zwie am Sch., entweder vom Aufreihen an einer Schnur, od. vom Rosenkranz od. vom Puppen- spiel. ZUS. Schnürboden, m.: Boden für die Schnüre im Theater. 2Schnur, f.(Pl.-en, bayr. öst. nur Schnäüre): Sohnsfrau. Mhd. snur(Pl. smirle]), auch snuor (Pl. snüere), md. snor, ahd. snur(Pl. snure), wo- neben snura(Pl. snuron), snora(Gen. snorun), snuora f.; dazu mnd. snor, mndl. snurre, snorre, afrs. Snore, ags. snoru, anord. snor, snör f. Noch hess.-thür.-obsächs. und öst.-tirol. Urverw. mit glbd. lat. nurus f.(statt* susus), gr. vuôc(statt *cvucõc), abg. snächa, arm. nu, aind. Snu³⁴ f. Idg. Grundform*snusés f. Vgl. Walde. Die Ab- leitung von indogerm. sunz-«Sohn» mit Hin- blick auf schwäb. Söhnin, Söhnerin f.«Schwie- gertochter»(auch 1663 b. Schottel 356 Söhninn, 1589 bei Frischlin W9endelgard 2,3 Sönin, 1741 bei Frisch Söhnerin, Sühnerin) ist unmöglich. Die mnd. Nebenform snar, mndl. snar(r)e, nndl. snaar(auch«Schwägerin, Schwiegermutter»), auch md. im 15. Jh. vereinzelt snare, ist wahr- scheinlich eine Anlehnung an die Ablautsform von 1Schnur(s. d. u. Schnarre). Von Sch. mit- tels-che, ahd.-ihha abgel. ist das glbd. schles.- oblaus. Schnürche, Schnerche, frk.-hess.-nass. Schnõrch, wetterau. Schnorch f., 1540 b. Alberus dict. bb 2² Schnürch, 1402 in einem Testament im Archiv zu Frankf. a. M. snärche f., wetterau. 1383 snorche(Baur hess. Urk. 1, 479), 1344 und 1371 snurche(ebd. 564 und 695, 1049), ebenso 1387 snereche(Baur Arnsb. Urk. 658, 1081), dazu mnd. snoirche. schnüren, v.: mit einer Schnur umwinden od. zusammenziehen, auch(refl.) sich die Brust zusammenbinden, 1663 bei Schottel; mit der Schnur messen od. zeichnen; bei den Bauhand- werkern auch durch Vorhalten der Schnur zu einem Trinkgeld veranlassen(wie in die Schnur nehmen 1741 bei Frisch), daher prellen, über- teuern(1721 bei Kluge Stud. 123);(intr. berg- männisch) aneinandergrenzen(1693 bei Schön- berg Berginformat. 2,84),(tr.) vermessen(1462 b. Veith Bergwb. 426). In den zwei ersten Bedd. mhd. snäeren(auch«geleitet, geführt werden, sich wohin wenden»); dazu mnd. snoren, mudl. snoeren. ZUS. Schnürbrust, f., 1691 b. Stieler, dafũr Schnürleib, Schnürmieder 1678 b. Krämer. Schnürsenkel, m., 1517 b. Trochus M4 asuur- senckrel. Schnurränt, m.(een, Pl. en): umherziehen- der musizierender Bettler. 1771 beim j. Goethe
1, 252. Auch Schnorrant. Mit der lat. Endung eines Part. Präs. von 2schnurren(s. d.). Sehnurrbart, m.: Bart der Oberlippe (1768 bei Weiße Op. 1, 24); der Träger eines solchen Bartes(1754 bei Zachariàs Phaeton 2, 31); Häscher(stud. im 18. Jh., vgl. Zfd W. 1, 48; 3, 100). Zgs. mit Schnurre f.(8. d. 2)«Maul, Schnauze».
1Schnurre, m.(7/, Pl.-/): Pedell einer Hoch- schule. Stud., urspr. der mit einer Schnurre (s. d. ²)«Schnarre» statt des Horns versehne Nachtwächter oder Sicherheitssoldat(1744 bei Zacharid Renommist).
2Schnurre, f.(Pl.-/): die schnurrende, sausend rasche Bewegung(mhd. snurre f.); Schnarre, Knarre(1582 im Garg. 122 u. 1588 bei Golius 246 Schnurr f.); Brummkreisel(1561 bei Maaler); Maul und Nase, Schnauze eines Tieres (1537 bei Dasypodius Schnorre f., noch bayr.- schweiz. Schnurre, nd. snurre f.), in derber Rede vom Menschen(1810 b. Campe); borstiges Bart- haar der Katze usw.(1824 bei Platen Schausp. 83); alte Vettel(Schiller Räuber 2, 3, mndl. 1598 snorre, snurre f.«Kebsweib, Beischläferin», zu mndl. snorren«flistern», anders nass. Schnorr f. cumherziehende Bettlerin»); klappriges Haus- gerät, nichts werte Dinge, Possen(Adelung 1780, Möser Phant. 1, 8); possenhafter Einfall, possen- hafte Erzühlung, Scherzlüge(1510 bei Keisers- berg Seelen Paradiß 29a, bei Lessing 1, 562 u. ö., dazu mhd. snürrinc, spätahd. im 12. Jh. snar- rinch m.«Lustigmacher, Possenreißers). Von ischnurren, v.: hart und zitternd dumpfig tönen, mhd. snurren«rauschen, sausen, brum- men, surrend oder sausend schnell fahren und fahren lassen», spätmhd. auch snorren; dazu mnd. snurren, snorren, mndl. snorren, schwed. snurra, dän. snurre. Lautmalend, im Ablaut zu schnarren(s. d.).
²schnurren, schnorren, v.: umherziehend betteln, eig. mit der Schnurrpfeife und andern schnurrenden Musikinstrumenten als Bettel- musikant. 1715 bei Weismann 331 b schnurren «subito migrare?, 1771 beim j. Goethe 2, 47 her- umschnorren, insbes. jüd.-deutsch und in der Gaunersprache 1753 schnorren, 1726 schnuren, vgl. auch mhd. snärrinc m.«Possenreißer» un- ter 18chnurren. Davon Schnurrant(s. d.) und Schnurr-, Schnorrjude. Schnurrer, Schnor- rer, m.: Bettler(1726 gaun. Schnurrer).
sschnurren, v.: sich zusammenziehend klei- ner werden. Im Simpl. 1, 26 Kz. fast vor Speise- mangel gantz zusammen geschnurrter Magen. Mundartl. auch schnorren. Herkunft dunkel.
49*


