Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
771-772
Einzelbild herunterladen

77¹1 schnullen

Schnur 772

snuffen, dazu engl. snuff, sniff, snivel«schnüf- feln», ags. snofl u. engl. sniel«Nasenschleim.

schnullen, v. saugen. Mundartl. weit ver- breitet. Geschichte dunkel. 4L. Schnuller, m.: Saugpfropfen für Kinder.

Schnupfen, m.(-s, Pl. wie Sg.): Entzün- dung der Nasenschleimhaut. 1520 bei Keisers- berg Narr. 86(u. 1546 b. Bock 792 Schnupffen m., im 16. Jh. häufig Schnuppen m.(Luther 5, 303, noch bei Goethe 3, 188) u. f.(Luther bei Bind- seil 7, 533), auch Schnoppen m.(Keisersberg Schiff d. Pen. 74), spätmhd. im 15. Jh. schnaupf m., auch snaupfe m., u. schmupf, snupfen, snup- fen, snoppen f., dazu mnd. snuppe(1420), snoppe m. f., clev. 1477 snop. In der Form verschieden hiervon, aber glbd. ist 1462 hd. snübe m.(Mone Anz. 7, 304, 536), mnd. snuve m., von schnauben (s. d.), mnd. snuven. Gleichen Stammes wie schnauben, Schnauze, schneuzen, schnökern, s. d.

schnupfen, v.: laut die Luft oder ein Reiz- mittel(Tabak) in die Nase ziehen. In 1. Bed. bei Keisersberg Evangelibuch 195 schnupfen, mhd. snupfen cschnaufen», im 16. Jh. schnupfen «schluchzen»(Zimm. Chron.² 4, 229, 32, noch schweiz. schnüpfen, daher im 15. Jh. schnupph. m. das Schluchzen» b. Diefenb. gl. 536), ferner 1678 bei Krämer Taback schnuppen, schnupffen, 1664 bei Duez auffschnupffen«etwas durch die Nasenlöcher auffziegen nach dem Gehirm. Wie schneuzen in übertr. Bed. md. 1517 bei Trochus R1 5 das licht snuppen, ebenso nnd. snuppen. ZDS. Schnupftabak, m., 1647 bei Olearius orient. Reisebeschr. 126 Schnuptoback, 1664 bei Duez Schnuptaback. Der Schnupftabak u. das Schnupfen kamen am Pariser Hofe auf, wo bei dem Könige Franz II.( 1560), als er an sehr heftigen Kopfschmerzen litt u. alle Mittel nichts fruchteten, die Arzte auf den Vorschlag seiner Mutter Katharina gepulverte Tabaksblätter an- wandten, indem sie ihn dieselben schnupfen ließen, welches Schnupfen dann die Hofleute bald nachahmten; Schnupftabaksdose, f., 1706 b. Ludwig engl.-teutsch-frantz. Lex. 633 b Schnupfftabackdose. Schnupftuch, n.: Tuch zum Schnauben od. Schneuzen der Nase, 1595 bei Rollenhagen Froschm. 3, 2, 6, 57 Schnup- kuch, 1532 b. P. Amnicola ein Schnoptuchlin auf Luthers Geifer, daneben im 16. Jh. Schnaub- tach(1540 bei Alberus dict. J 2) u. Facenetlin, Facilet n.(1514 bei Keisersberg Schiff d. Pen. 19 Facilefle, noch schwäb.-schweiz. Fatzenetli, steir. Fazalet n., aus glbd. ital. fazzoletto, aspan. fazoleto m., von mhd. vetæe m.«Fetzen»); dafür mnd. snãtdôzc und snuteldok n.

Schnuppe, f.(Pl.-n): glühender Abfall vom Dochte des Lichtes, das dadurch gereinigt wird. Aufgenommen aus md. im 15. Jh. snupe f. (Diefenb. gl. 371°), 1420 in Schröers Vocab. 32, 2461 snuppe f. u. 1517 b. Trochus R1 b Snuppe m., von md. snuppen«schneuzens(s. schnupfen). In übertr. Bed. 1761 b. ZachariäVerwandl. 3, 320 die Schnuppe von den Sternen, vgl. Sternschnuppe. RA. das ist mir schnuppe ceinerlei?, d. h.«soviel wie eine Schnuppe». In Nord-und Mitteldtschld.

schnuppern, v.: schnüffeln. 1680 in der polit. Colica 85, in der Bed.«Luft durch die Nase einziehen 1691 b. Stieler. Von Schnuppe f.«Rüs- sel, Maul» in derber Sprache(1820 bei Bernd Posen), verw. mit Schnaupe f.«Schnauzey(im 16. Jh. b. Schade Sat. 3, 155, Fischart Bienk. 38 b), anord. snop(p)a f.«Maul, Rüsseb. Vgl. schnopern.

1Schnur, f.(Pl.-en, öst.-bayr. nur Schnüre): aus Fäden u. dgl. gedrehtes rundes od. schmales Band. Mhd. saυor f.(Pl. sniiere), md. snur, ahd. snuor f.«Seil, bindfadenartiges Band, seit dem 15. Jh. auch Schnure f.(Tucher Baumeisterb. 263, 2), Pl. Schnuren(1691 bei Stieler); dazu mnd. snοντ m. n., ndl. snoer n.«Schnury, ags. Ssnõr f.-Saite, anord. snœri n.«geflochtner Strick', schwed.-dän. snor, snõre«Schnur, got. snoörν‿ f. & Flechtwerk, Korby. Im Ablaut zu mhd. snar f.«Strick, Saites, ahd. snare, sner«Saiten(S. Schnarre), snarahha f.«Schlinges, anord. snara f.«Schlingey, gleichen Stammes mit ags. snòd f. Bindes, urverw. mit air. snäth«Fadenꝰ, aw. snãvaro«Sehnes, aind. sndäva n.«Band, Sehney. RA. von der Sch. zehren(1616 bei Henisch), von der Sch. leben(1741 b. Frisch) den Grundstock des Vermögens angreifen u. davon lebend, wie schon md. im 14. Jh. von der snür verzern; die Schnur ist hier entweder der zur Gerade(s. d.) gehörige, in aufgereihten Gegenständen, z. B. Korallen, Perlen usw. bestehende weibliche Schmuck, od. die an einer Schnur aufgereihten, als Notpfennigzurückgelegten Geldstücke; über die Sch. hauen(gegen 1400 dber die snuor hauzben bei Liliencron Volksl. 1, 178 b)«das rechte Maß überschreiten?, urspr. von Zimmerleuten ge- braucht, die beim Behauen des Bauholzes über die auf diesem durch Aufschlagen der gespann- ten frisch gerötelten oder geschwärzten Richt- schnur gebildete rote oder schwarze Linie hin- aushauen(zu mhd. snuor f.«Limmermanns- schnur»). Ebenfalls urspr. von Zimmerleuten nach der Sch. cnach der Ordnung»(1639 bei Micrälius Pommern 4, 120), schon im 15. Jh. bei Wolkenstein 100, 51 nãch ungeleicher snuor «rechts und links die gerade Linie verlassend,