739 Schlumpe
Schlüssel 740
Sprichw. 647, mnd. slump m. 4BL. schlum- pen, v.: von ungefähr zutreffen, glücken, mnd. slumpen. schlumps, adv.: von ungefähr, wider Verhoffen, plötzlich, 1534 bei Agricola a. a. 0., der adv. gewordne Gen. Sg. von Schlump, wie 1562 b. Spangenberg wider die böse Sieben y 2 b u. 1781 b. Kindleben schlampszweise adv. Wahr- scheinlich eins mit der folg. Wortsippe, deren Bed. des Nachlässigen, Unbedachtsamen(nd. slumpskc) in die des blinden Ungefährs, Zufalli- gen überging, ähnlich wie bei Dusel. Schlumpe, f.: nachlässiges, unreinliches Weib. 1578 bei Fischart Ehz. G 1 b; dazu mnd. slumpef.(Reineke Vos 831). Im Ablaut zuglbd. Schlampe(s. d.). Von schlumpen, v.: nach- lässig, unreinlich sein(s. schlampen), bei Th. Platter 34 B. von 1518 u. bei Mathesius Sar. (1562) 14². schlumpig, adj., im 15. Jh. slumpig (Diefenb. gl. 295°), 1579 b. Höniger Narrenschiff 14 bschlumpecht, mhd.-mnd. slump cnachlässigy. Schlund, m.(-Lels, Pl. Schlünde): Speise- röhre; verschlingender Abgrund. In beiden Bedd. mhd.-ahd. slant m.(Pl. mhd. slände), auch
Schluck, zum ahd. Zeitwort släntan, s. Eschlin-
gen, daher die Nebenform slunc im 15. Jh., Schlunck, Schlung m. im 16. Jh.; dazu and. slandos Pl.«Schlucke», selten nd. Slund, slunk.
schlunzen, v.: nachlässig gehen. Noch in md. Ma. Zuschlenzen(s. d.). 4L. schlunzig, adj.: sehr unordentlich. Nd. Slauntsig, tirol. schlunzet.
Schlupf, m.(„ſels, Pl. Schlüpfe): schlingen- artig Geknüpftes, Schleife(bei Hebel u. Mosche- rosch), noch wetterau. Schlaupp m., bayr. Schlup- fen f., mhd. slopf m.«Schlinges, spätmhd. S!ρ m.«das Hinschlüpfem. Eig.«das durch Schlüp- fen(Durchgleiten) des Bandes mit einem Knoten Geschlungne». Von schlupfen, meist schlüpfen, v.: sich mit Leichtigkeit gleitend bewegen. Mhd. slapfen, sliüpfen, ahd. slupfan, Wiederholungswort zu schliefen, s.d. schlüp-
f(e)rig, adj.: glitschig, zum Fallen glatt, leicht zum Fallen gefährlich; leicht sittlich gefährlich
(Günther 590); leichtaus den Händenschlüpfend (1583 b. Thurneysser magna alchymia Vorr. 2). In der 1. Bed. zu Anfang des 16. Jh. schlipfferig, schlupfferig, spätmhd. slupfrig, md. im 15. Jh. slupperecht, mnd. slupperich, abgel. von md. slupfer adj.«glatty(1462 bei Mone Anz. 7, 300, 217), von schlüpfen, wie glbd. mhd. slipfer, ahd. slefiar, ags. slipor von schleifen(s. d. ¹). Vgl. schlipfrig. ZUS. Schlupfloch, n., mhd., slapfloch. Schlupfwinkel, m.: Versteck, bei H. Sachs Fastnachtsp. 2, 146, 178. In der Bed.
«Winkel zum Durchschlüpfen, enges Gäßchen» 1499 in Terenz 111 b, als«xHurenwinkel, Bordell um 1600 b. Ayrer 4, 2772, 34, wie Schlupfbude f. bei Voß Horaz Epist. 1, 14,221.
Schluppe, f.(Pl.-/): Bandschleife. Nd.-md. Dafür bayr.-öst. Schlapffen. Zu schlüpfen.
schlurfen, v.: die Füße beim Gehen schlei- fen. Im Simpl. 3, 329, 5 Kz. Auch schlür fen. Wohl eins mit dem folg.
schlürfen, v.: mit halbgeöffneten Lippen hörbar einsaugen, 1678 bei Krämer schlürffen, 1586 bei Mathesius Syrach 2, 43 2 Schlir ffen, 1663 bei Schottel schlurffen(noch bei Goethe 6, 302 u. Faust 3274 schlurfen), daneben bei Lichtwer Fab. 2, 11 schlorfen, 1664 bei Duez schlurpffen, bei Goethe Br. 2, 283 u. 3, 106 schlürpfen, ent- sprechend mnd. u. 1495 köln. slorpen, mndl. Slor- pPen, Slorven, nndl. slurpen, 1477 clev. slorplick cschlürfbars. Wohl lautmalend, ebenso wie schlurren, v.: geräuschvoll schleifend gehen, nordd., 1810 bei Campe schläürren, nd. 1652 bei Lauremberg Scherzged. Beschl. 41 schliüren. Da- von Schlurre, Schlorre, f.: Pantoffel. Nordd.
Schluß, m.(Gen.-Sses, Pl. Schlüsse): Ende; Beschluß, Entscheidung(bei Luther Briefe 2, 380); Folgerung(1691 b. Stieler). In der 1. Bed. mhd. im 14. Jh. S m.«abschließendes Ende, Knoten, dagegen ahd. slo; n.«Schlußfolge, Ent- wickelung aus Vordersätzen), wie 1482 im Voc. theut. ee 12 slozrede f.«Vernunftschluß, Syl-
logismusy; dazu mnd.-mndl. slot m. Beschlußs,
schwed. slat n.«Ende, Entschluß, Schlußfolgey. Von schließen(s. d.). 4B L. schlüssig, adj.: einen Beschluß fassend, im 16. Jh.(Melanchthons Op. 3, 140 Br.). ZUS. Schlußstein, m.: keil- förmigerStein, der ein Gewölbe od. einen Bogen oben schließt, 1664 bei Duez neben Schloßstein, mhd. 5138stein m.
Schlüssel, m.(-s, Pl. wie Sg.): Werkzeug zum Auf- oder Zuschließen eines Schlosses; schlüsselartiges Drehwerkzeug usw., z. B. zum Aufziehen von Tonsaiten(im Voc. ex quo von 1469 slußel); rechtwinkliger Ausschnitt aus einem Acker(md. slazzil 1311 in Baurs Arnsb. Urkk. 275,399, noch in Nassau);(bildl.) was Auf- schluß od. Erklärung gibt(bei Luther Luk. 11, 52); Musikschlüssel als Notenzeichen(mhd.). In der 1. Bed. mhd. släizzel, ahd. slu(z)zil m.; dazu asächs. Slactil, mnd. slotel, afrs. sletel, slotel, ndl. sleutel m. Zu schließen(s. d.). ZUS. Schlüsselbein, n.: Röhrenknochen dicht unterhalb des Halses, clavicula, clavis juguli, 1691 bei Stieler. Schlüsselblume, f.: die
Pflanze primula veris, Himmelschlüssel(s. d.).


