737 schlottern
Schlump 738
f., ahd. slote«Schlamm, Lehmꝰ, obrhein. Schlutte f.«Morast, Sumpfo, engl. slad«Schlamm, Kot. schlottern, v.: unfest, lose, schlaff hin- u. herschwanken. Bei Luther Nah. 2, 11 schlottern, 1540 bei Alberus dict. O 4² schloddern, mhd. slo(t)tern, sluttern, nd. sloddern, sluddern, mndl. slodderen; dazu im Ablaut nd. sladdern«klat- schend regnen, schwatzen), schwed. sladdra &schwatzen», sladdra«nachlässig sein, stam- melny, dän. sladre dummes Zeug schwatzen). Von spätmhd. schlotten in hertzschlotten n. Herzzittern, Herzklopfen»(Heilmittelbuch von 1400, Gießner Hdschr. 111 b). Mhd. im 14. Jh. slotern auch lose widerschlagend klappernꝰ, daher im 16. Jh. Schlötterlein, Schletterlin, 1482 sloterlein n.«Blech-, Kinderklappery. Dazu vielleicht got. afslaupjan«in Angst versetzen», afslaupnan æsich entsetzen». 4BL. schlot- t(e)rig, schlott(e)richt, adj., 1537 bei Dasypodius schlotterig neben schlottig. ZUS. Schlottermilch, n.: saure, geronnene Milch, 1541 bei Frisius 3892. 1Schlucht, f.(Pl.-en): schmale Tiefezwisch. Bergen od. Felsen. 1557 bei Agricola Bergwerk 498 der Pl. Schluchten, bei Frisch 1741 u. Ade- lung 1780 Schluchte f.; dazu bei Kosegarten u. Gaudy der Pl. Schlüchte, bei Goethe Br. 4, 69 Schlüchter. Mit nd. cht für obd. Schluft(s. d.). Nebenform Schlächte f. in der sächs. Schweiz. 28chlucht, f.(Pl.-en): Abzugsgraben, Grube. Ost. Mhd. wazzersluht f. ctiefes Wassergerinne?; dazu nd. slugter, afrs. slochter«Graben»(bei Kilian).
schluchzen, v.: den durch krampfhafte Zusammenziehung des Zwerchfells verursach- ten Ton von sich geben. Anfang des 15. Jh. sluchkczen bei Diefenb. gl. 536 e, Wiederholungs- wort zu glbd. schlacken(bei Luther 1, 36 b, im 15. Jh. b. Diefenb. a. a. 0O.). In der Schriftsprache unterscheidet man seit dem 18. Jh. schluchzen ckrampfhaft weinen»(1663 bei Schottel schlach- tzen, oft bei H. Sachs erschluchtzen«bestürzt sein?) u. Schlucksen«krampfhaft schlucken? (1664 b. Duez), doch wird umgekehrt im 17. Jh. schlucksen(1669 Simpl. 560 schluxen, Var. schlachsen) für krampfhaft weinen und den Schluchzen haben(Adelung 1780) für d. ckrampf- hafte Aufstoßen» gebraucht.
Schluck, m.(-Lels, Pl.-e, bayr. nur Schlücke), mhd. sluc f.(Pl. slücke) neben slic m., 1541 bei Frisius 408 2 Schluck m.(auch in der Bed.«Kehle» 398 b), nd. sluck, mndl. slockm. Von schlucken, v.: durch einegleichsam stoß- artige Bewegung des Schlundes in den Magen
Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. II. Bd.
einnehmen, schnell in sich einnehmen. Mhd. slucken, daneben slicken u. slchen schlingen, schlucken, slach m. Schlund, Kehle», wie noch westfaäl. slälcen«schlucken», släkc m. u. mnd. slök m.«Schluck, Speiseröhrey(s. Schlauch), ahd. nur slako, slahho m.«Schlucker, Verzehrers; dazu mnd. släken, mndl. slocken, slicken, schwed. sluka, dän. sluge. Verw. mit ir. sluccim ver- schluckes, gr. Nxeiv«schlucksen, schluchzen», AUTdnNv schluchzends, viell. auch mit lat. Iãgére ctrauern». 4 L. Schlucken, m.: schallendes stoßartiges krampfhaftes Einatmen, 1664 bei Duez(s. schluchzen). Schlucker, m.: aus Mangel Hungriger, bei H. Sachs Fastn. 58, 3 armer Schlucker. Schlucksen, v., s. unter schluchzen. schludern, s. 2schleudern.
Schluffboden, m.: unfruchtbarer weiß- bläulicher Tonboden, 1783 bei Jacobsson Schluf cfeiner od. Schlickertonv, von mhd. sluf m.«das Schliefen, Gleiten.
Schlüffel, m.(-*s, Pl. wie Sg.): sich umher- treibender, grober Mensch. Oft bei H. Sachs Sohlüffel, 1534 b. S. Franck Weltb. 36 b Schluffel, 1618 bei Schönsleder Schliffel. Mittels-el, ahd. -il von Schluffe m.«träger Müßiggänger», 1541 bei Frisius 299 a, Schluf m. bei Schottel 1663, noch nd. slu«f m.«schlaffe, träge Person», mndl. sloef, engl. sloven; dazu das Adj. nd. sluf, mndl. sloef, nndl. slof«nachlässig, träge, unachtsamy.
Schluft, f.(Pl. Schlüfte): Schlucht. Mhd. sluft f., die von schliefen abgeleitete hochd. Form, die im Nhd. durch die nd. Form Schlacht (8. d.) verdrängt, aber Anfang des 19. Jh. wieder in die Dichtersprache aufgenommen wurde.
Schlummer, m.(-s): Halbschlaf, Schlaf. Md. im 14. Jh. slummer m.; dazu engl. slumber, (entl.) schwed.-dͤn. slummer. Dazu schlum- mern, v., md. 1422 im Voc. Vrat. slummern, mnd. slomern(Diefenb. nov. gl. 141 a), clev. 1477, mndl. slaymeren, mengl.-engl. slumber,(entl.) schwed. slumra, dän. slumre. Von md.(13. Jh.) slammen«schlafeny, noch bei Luther Ps. 121, 4 schlamen u. 132, 4 schlummen; dazu mnd. slomen, slommen, mndl. sluymen, mengl. slamen«schlum- mern?, ags. sluma m. Schlummery, isländ. sluma«schweigen, den Mut sinken lasseny. Gleichen Stammes wie alem. schlüne, schlüre «schlummern?, mhd. slün m. Faulenzer» u. slar m. das Faulenzen, träger Mensch»(s. Schla- raffe), alles Erweitrung. von got. slauoan«schwei- genꝰ, anaslawwan estill werden»(Btr. 8, 526).
Schlump, m.: Glücksfall, blindes Ungefähr, Zufall(Voß Ged. 2,256). Nordd., 1534 b. Agricola
47


