Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
729-730
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729 schlenkern

schleunig 730

gang, m., 1737 bei Wachter. schlendern, v.: sich Zeit nehmend, mit Gemächlichkeit gehen. 1652 b. Scherffer 639; bei Schupp 469 schlentern. Aus nd. slentern, slendern, ndl. slinteren, slen- deren(auch«der alten Gewohnheit folgen»); dazu schwed. släntra, dän. slentre. Gleichen Stammes wie md. 1422 slinderen schlüpfend kriechen», ndl. slinderen«gleiten». Hochd. 1618 bei Schönsleder schlentziern«müßig gehen), Schlentzereys f.«Müßiggang»; das einfache Zeit- wort ist schlenzen(s. d.). Schlendrian, m. (-els): herkömmliche in aller Gemächlichkeit bleibende Gewohnheit, bes. ein solcher Ge- schäftsgang. 1663 bei Schupp 214 Schlentrian, aber persönlich 1691 b. Stieler Schlendrian(nach- lässiger, unwissender Mensch, bes. Jurist). Bil- dung der Humanisten mit lat. Endung, schon 1494 b. Brant Narr. 110², 163 schlenttrianas m. Gewohnheit», wie Grobianus von grob(s. d.). schlenkern, v.: inschnellendem Schwunge werfen; sich nachlässig u. gemächlich hin- u. herbewegen(Fastnachtsp. d. 15. Jh. 124, 16) od. so gehen(bei Luther 6, 337 2, mnd. schlenkeren). In der 1. Bed. mhd. in Franken slenkern«schleu- dern», von ülternhd. Schlenker f., md. im 14. Jh. slenker, slenkir neben mhd. slengelr) f., slinger, slinker f., ahd. slengira, slengura f.«Schleudery (s. Schlinge), noch bayr. schlengen, sehweiz. schlenggen«schwingen, schleudern»; dazu and. slengira f.«Schleuder?, mnd. slenger, slinger, slenker f.«Schleudery. schlenzen, v.: nachlässig, müßig umher- gehen, schlendern. Obd.(bei Abr. a. S. Clara Etw. für alle 3, 479, 1773 b. Goethe 8, 30); aber schon im 14. Jh. md. slenzen cliebkosend tän- deln»y. Mit z in richtiger Lautverschiebung einer nd. Form, deren Abl. in schlendern(s. d.) vorliegt; dazu dän. slente, norw. slenla, mengl. slenten«gleiten». Wurzelverw. sind noch got. fraslindan«verschlingen» und Schlund. Nach Paul aber aus schlenkezen zu schlenkern. Schleppe, f.(Pl.-n): nachschleifender Teil am Kleide. 1663 bei Schottel, 1678 bei Kramer neben hochd. Schleife(dafür mhd. seit dem 12. Jh. szwanz m., Szwwenael(in) n.). Aus nd. slepe f., woneben 1477 clev. sleyp m., ndl. sleep m., bei Goethe 1, 30 u. Schiller 2, 349, 13 Schlepp m. Von schleppen, v.: schleifen, am Boden gleichsam hangend nachziehen; mit mehr od. minder Be- schwerde fortbringen. Im 16. Jh. bei Luther 3,46 b, H. Sachs 9, 427, 2 und Fischart Bodinus 215 b Sch., bereits im 13. Jh. md. slepen aus mnd.- mndl. slepen, d. i. hochd. schleifen, mhd. sleifen (Faktitiv von mhd. släfen). ZUS. Schlepp-

sack, m.: liederliches Frauenzimmer, in den Fastnachtsp. d. 15. Jh. 864, 17. Schlepptau, n., 1741 b. Frisch. RA. Ins Schlepptau nehmen, übertr. im 19. Jh.

Schleuder, f. Pl.-n): Werkzeug zum Fort- schwingen eines Gegenstandes. Bei Luther u. in den Fastnachtsp. d. 15. Jh. 239, 11 Sch., 1470 sleꝛvdler, b. Schottel, Steinbach, Frisch Schläuder, ohne Umlaut im 16.17. Jh. u. noch mundartl. Schlauder, 1482 im Voc. theut. dd 8 b slaaoder, um 1480 im Voc. inc. teut. cc 42 schlucler, 1417 sluder(Diefenb. nov. gl. 185 b); dazu mnd. sluder u. mit Umlaut släter. Das Wort, dunklen Ur- sprungs, hat die mhd. Benennung slinge, ahd. slinga f., sowie die mhd. slenger, ahd. slengira f., md. slenker f. nach und nach verdrängt. Vgl. Schlauder. 4 B. Schleuderer, m., im 15. Jh. sleuderer(Diefenb. gl. 252 b), 1482 im Voc. theut. dd 8b Slavdrer, statt 1414 slenckerer, im 15. Jh. slengerer(Diefenb. gl. 252 b).

ischleudern, v.: mit der Schleuder werfen, dann überhaupt werfen, bei Luther sch. u.(wie vielfach im 16. Jh.) schlaudern, 1482 im Voc. theut. dd 8 b Slazodern, nach md. Aussprache bei Lessing u. Herder schleidern, in der Bed.«sich hin u. her bewegem, spätmhd. schlüdern u. noch bei Goethe 11, 252 schlaudern. Vgl. schlenkern.

2schleudern, v.: nachlässig sein, schlecht arbeiten; unter dem Preise weggeben od. ver- kaufen. Bei Luther Tischr. 71 2 schlaudern cnachlässig gehen, schlendern?, 1488 in Städte- chronik 3, 33, 4 schluderer(Var. schlauderer, schleuderer) m.«übereilt od. nachlässig Arbei- tendery. Bayr. schlaudern, obsächs.-schwüb.- schweiz. schludern cunordentlich arbeiten», nd. släddern; dazu dͤn. sludre«dummes Zeugschwat- zeny, schwed. sladdra«verschwendrisch oder liederlich sein». Verw. mit schloftern(s. d.).

schleunig, adj.: ohne alle Zeitversäumnis schnell. Mhd. slianic«schnell, ahd. Slünig «guten Fortgang habend, günstig», wovon ahd. slünigen«rasch vorwärts kommen, machen, be- schleunigem. Wohl dissimiliert aus snunig. Da- neben Adj. sniumi geschwind vorwärts kom- mend, schnell, dann«schlau», wovon das Adv. ahd.-asächs. Sniumo, sliumo«in größter Eile, alsbald, ags. snéome«raschs; dazu mhd. sliunen, got. sniumjan ceilen, mit ableitendem m aus got. sniwan, ags. snéoan«eilen?, anord. snãüa cwenden, drehen»(snydja«eilen»); wozu noch die Adv. ags. snãde«schnell», anord. snimma, snemma u. snemmendis bald, eiligy, got. Sniu- mundõ eilendse Weitre Beziehungen sind sehr unsicher, vgl. darüber Falk-Torp u. Feist.