Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
723-724
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723 schlappen

schlecht 724

schlappern, v.: locker, lose, wackelig sein, schlottern, 1512 bei Keisersberg Bilgersch. 42 9. schlappig, adj.: schlapp, schlotternd, 1691 b. Stieler schlappicht neben schlafficht, ahd. slaf- ſig, mhd. in slafyecheit f. Schlapps, m.: schlap- piger, unbeholfner Mensch. In Mittel- u. Nie- derdtschld. 1810 b. Campe. ZUS. Schlapper- milch, f.: halbgeronnene Milch, obsächs. 1756 im Leipziger Avanturier 1, 52.

2schlappen, v.: geräuschvoll lecken oder schlürfen. 1518 b. Keisersberg Sünd. d. Munds 5a Schlapen wie ein hunt, dafür nd. schlabben(s. schlabhern). Eine lautmalende Bildung. Dazu das Iterativ schlappern, v., 1510 bei Keisers- berg sieben Hauptsünden 225 b schlapern, vom Geräusch der Mühlräder md. um 1300 slappern (Renner 7887, vgl. nd. slappermäele Woeste 239 b), b. Luther 1, 68 b u. 3052 schlappern auch in d. Bed. cplappern, schwatzenꝰ(s. schlabbern).

Schlappschwanz, m: Scheltwortfür einen schlappen Menschen. Nordd. und obsächs.

Schlaräffe, m.(n, Pl.-/): üppig lebender Müßiggänger. Im 16. u. 17. Jh. Schlauraffe, 1473 im Dekamerone 416, 23 K. slauwrafpe m.«Fau- lenzers(als Schelte), 1494 b. Brant Narr. 104 bZ. schluraffe m., als komischer Name Schlauraff in den Fastnachtsp. des 15. Jh. 259, 12 u. ö., als Familienname schon 1347 mhd. Slaraffe. Von mhd. slür m.«das Faulenzen, der Faulenzery, u. affe in der Bed.«Tor, Narr, während schlu- deraffe bei Brant Narr. 103, 118 mit schladern «schlendern, nachlässig arbeiten?(s. Schlen- dern) zgs. ist. Der Ton des Wortes ist(wie bei lebéndig) von der ersten auf die zweite Silbe übergegangen. Anders H. Schröder Streck- formen 195. ZUS. Schlaräffenland, n.: das märchenhafte Paradies der Faulenzer, um 1600 bei Gödeke Gr. ² 2, 282, 46 Schlarraffenland, im 16. u. 17. Jh. Schlauraffenland, 1494 bei Brant Narr. 104 5, 6 schluraffenlandt(in dermnd. Ober- setzung sluraffenlant), der Sache nach entspre- chend dem afrz. Coguaigne, nfrz. Cocagne, mlat. Cucania f.«Kuchenlands.

Schlarfe, f.(Pl.-/): Pantoffel ohne Hinter- leder od. mit niedergetretnem. 1706 b. Schmidt Rockenphilosoph. 1, 230; bayr. auch Schlarfen, Schlarpfen m., alem.-schwäb. Schlarp m., nd. slarbe, slarwe, slarpe m. Von schlarfen«mit den Füßen schleppend u. auf dem Boden streichend gehen», das samt der Nebenform schlerfen(in d. Fastnachtsp. d. 15. Jh. 261, 7 das starke Part. geslorfen) im Ablaut zu glbd. schlurfen steht, dazu schweiz. 1556 bei Frisius 7633 Schlirppen.

schlau, adj.: in Anwendung der Mittel er-

finderisch. Md. 1517 bei Trochus G2 b schloo u. 1540 bei Alberus dict. GG 4 b schlauo, aus nd. s15, Slou; dazu ndl. slawo, schwed. slug cklug, schlau». Bayr. Schlauh, schlauch weist auf gut- turalen Auslaut. Grundform*slühwaz. Uner- klärt. 4L. Schlauheit, f., 1663 b. Schottel. ZUS. Schlaukopf, m., bei Wieland 1, 18.

Schlaube, f.(Pl.-/): äußerste Fruchthülle, Schale. Oft bei Herder, 1595 bei Rollenhagen Froschm. 2,6, 1,94. Aus glbd. nd. s7(0) e, mnd. slit f., daher 1680 b. Zesen Prirau 749 Schlaue f.; nicht verw. mit Schlauf(s. d.).

Schlauch, m.(Jels, Pl. Schläuche): langer hohler Behälter aus biegsamer wasserdichter Masse. Mhd. slüch m.«Schlund, Kehle, Tier- gurgel, Elefantenrüssel, Haut, Schlangenhaut», im 15. Jh.«Schlauch, Röhre,(1445 bei Mone Anz. 4, 176, 4) das männliche Glied des Pfer- des», auch«Speise u. Trank Verschlingender, Schwelger», ahd. slch m.«gähnender Schlund, Abgrundy, dazu and. slük m.«Schlangenhaut». Zu mhd. slüchen«schlingen, schlucken»(s. d.), wie lat. vorãgo f. Abgrund» zu voräre«ver- schlingen.

Schlauder, f. Nebenform von Schleuder (s. d.); in der Baukunst«Schließanker, Mauer- stange, Mauerband, eig.«spannendes Bandy, bei Schmeller vom J. 1591 Schlauder u. Schleu- der. schlaudern, v., s. schleudern.

Schlauf, m.(es, Pl.-e): Hülle, Decke, Schote, Schale, Schlauch. Bei Campe 1808, in der Bed.«Schlangenhaut» bei Rückert Hamasa 2,326. Mhd. slouf m.«das Schlüpfen, Handhabe, Schleife» u. sloufe f.«Schleife, Hülle,(Erbsen-) Schote, ahd. slouf m.«Schleifen, ana-, uber- slouf m.«Hülle», urslouf m.«Schlangenhaut», noch schweiz. Schlaufe f.«Schleife, Schlingey. Zu schliefen(s. d.).

Schlaufe, s. Schlauf und Schleife.

schlaufen, s. schliefen.

schlecht, adj.: ganz eben(Jes. 40, 4), glatt; gerade(Jes. 27, 1, vgl. auch sch. u. recht); ein- fach(Hiob 1, 8), ungekünstelt, schlicht(Schiller Kab. 5, 1 u. 5,5);(erst seit dem 15. Jh. Tucher Baumeist. 291, 21) niedrig, gemein, sowie an Wert tiefstehend, der guten Eigenschaften er- mangelnd. Mhd.-ahd. sleht, im Ahd. vereinzelt scleht, shleht, auch«freundlich, im Adv. mhd. slehte, ahd. slehto; dazu mnd. slecht«schlicht, ebeny, ndl. slecht«schlicht, schlechty, afrs. sliucht«schlicht, einfachy, mengl. slight, sleght cglatt, eben, engl. slight«geringꝰ, anord. sléttr gerade, eben, glatt, sanft⸗, schwed. slätt, dän. slet, got. slaëhts«schlicht, ebeny. S. schlicht.