Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
709-710
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709 Schild

Schiller 710

skildus m. Urspr.«Brett», viell. urverw. mit lit. skiltis m. abgeschnittne Scheibey, skel'd cich spaltey u. demnach gleichen Stammes wie anord. skilja«spalten, scheiden», ags. scylian ctrennen?, got. skilja m.«Fleischer», also eig. wohl abgetrenntes Holzstück». Vgl. KZ. 40, 560. Das Ntr. findet sich zu frühest im Mnd. des 15. Jh. dat schilt«Schutzschild»; im 18. Jh. wird seit Steinbach 1734 das M. u. Ntr. vom Ritter- u. Wappenschild gebraucht, neben dem Pl. Schilde aber schon 1691 bei Stieler u. 1718 bei Günther 649 Schilder. Der heutige Unter- schied hat sich seit Adelung 1780 festgesetzt, der ihn als provinziell(obsächs.) mibßbilligt. RA. Im Schilde führen im Sinne haben?(1575 b. Fischart Garg. 232), urspr. ein auf den Schild gemaltes Wappen als Parteizeichen führen, mhd. ein Wappenbild an oder in dem Schilde vüeren. 4BL. schildern, v.: ausgeführt dar- stellen. Im 18. Jh. in dieser übertr. Bed.(1738 Bodmer in Gottscheds Beyträgen 2z. crit. Hi- storie 5, 629), aber 1678 bei Krämer schilderen «malen», 1663 bei Schottel abmalen»(wie ndl. 1598 schilderen), urspr. cden Schild mit dem Wappen bemalen», zu mhd. schaltœre, schilter m.«Schildmacher, Schild-, Wappenmalerꝰ», ndl. 1598 schilder m.«Malers(ebenso nd. b. Laurem- berg u. Brockes), ahd. schiltäre m.«Schild- macher»; davon Schilderéi, f.: Darstellung, 1755 bei Rabener Sat. 4, Vorb. 10, im 17. Jh. &Malerei»(Philander 2,867, ndl. 1598 schilderije f.); Schilderer, m.: Darsteller(Lessing 6, 201), 1678 bei Krämer«Maler»; Schilderung, f.: Darstellung(Adelung 1780), 1691 bei Stieler «Gemälde». Schildern hat in der ältern Sol- datensprache die Bed.«Schildwache stehen, als Posten auf- u. abschreiten», 1664 bei Duez schil- deren, schildern, 1663 bei Schottel schillern, da- von Schilderhaus, n.: Bretter-, Steinhäus- chen der einzelnen Schildwache, 1644 b. Duez 201 Schilderhauß, 1663 bei Schottel Schiller- haus. ZUS. mit Schild: Schildbürger, m.: beschränkter Spießbürger, der alberne Strei- che macht, 1597 das Schwankbuch die Schilt- bürger... in Misnopotamia, auf das Städt- chen Schilda bei Torgau bezogen, aber wahr- scheinlich urspr. cbewaffneter Bürgerz. Schild- drüse, f.: eine Drüse am Kehlkopf, glandula thyreoidea. Bei Oken 4, 119. Schildknappe, m.: adliger Schildträger, 1728 b. Apinus, dafür mhd. knappe, schiltnecht m. Schildkrot, n. (Ss, ohne Pl.): Schildkrötenschale, in Ober- dtschld., 1780 bei Adelung, aus Schildkröte,

krot f. Schildpatt, n.(s, ohne Pl.): Schild- krötenschale, in Niederdtschld., 1780 bei Ade- lung Schildpadd, dafür 1716 bei Ludwig Schild- padde f., aus nd. Schildpadde f.«Schildkröte⸗ (Rollenhagen Froschm. 2, 1, 4, 81), mnd. schilt-, schildepadde f., dazu ndl. schildpad f.«Schild- kröteu. Schildkrötenschales. S. Padde. Schild- wache, Schildwacht, f.: das Wachestehen mit bewaffneter Hand(mhd. schiltwache f. u. schiltzvwahte, awaht f. die Wache mit dem Schilde in der Hand, d. h. in voller Rüstung, vgl. Nibel. Str. 1766 bis 1774); dann die wachestehende kampfbereite Mannschaft(1507 bei Wilwolt v. Schaumb. 20 schildwacht, 1663 bei Gryphius Trauersp. 515 Schildawach), der wachestehende bewaffnete Krieger(1557 bei Wickram 2, 408, 32 B. Schiltwacht, b. Stieler 1691 Schildwwache), in neurer Zeit nur noch von den Wachposten in der Garnison u. zur Ehrung. Schildwächter, m.: der in voller Rüstung wachestehende Krie- ger(b. Luther Richter 7, 11), mhd. schiltwehter, wahter m. Schildwirt, m.: öffentlich berech- tigter Gastwirt, der ein Schild aushängen darf, im Gegensatz zum Straußwirt m.: der einen Strauß als Zeichen aussteckende bloße Schenk- od. niedres Volk beherbergende Wirt. Im 16. Jh. am Oberrhein(Mone Ztschr. 3, 274), noch hess.

Schilf, n.(Tels, Pl.-e): die Pflanze arundo, scirpus. Mhd. schilf, ahd. sciluf, scilaf m. od. n., älternhd. im 16. u. 17. bis ins 19. Jh. Schilff m.(vereinzelt Hiob 8, 11 Schilfy f.), das Ntr. zu- erst bei nordd. Schriftstellern(1680 Hoffmanns- waldau Heldenbriefe 44); dazu mnd. schelp, und. schelp n. Gleichen Stammes wie Schelfe(s. d. u. 2 Schale), nicht aus lat. scirpus m.«Binse» entl. 4L. schilficht, schilfig, adj.: schilf- bewachsen, 1691 bei Stieler schilficht.

schilgemal, s. Schilling.

Schill, m.(-Lels, Pl.-e): Zander, perca lu- ciopera. Südostd. 1556 bei Gesner de pisc. 195. Vgl. b. Reuter Reise nach Konstant. Kap. 5. Un- erklärt. Viell. gleichen Stammes wie Schellfisch.

Schillebold, m.(Lels, Pl.-e): die große Wasserjungfer, Libelle. Ndd. 1741 bei Frisch. Wahrscheinlich von schielen«schillermu. mnd. bolte m.«kurzer Pfeil, Bolzens, mit Bezug auf die schillernden Farben u. die ruckweise wie ein Pfeil dahinschießende Bewegung des In- sekts, ähnlich engl. adder bolt, eig.«Natterbolzo, ital. saetta f., eig.«Pfeiln.

Schiller, m.(s): das Uberspielen von einer Farbe in die andre, 1664 bei Duez(s. schielen). Der Schillertaft heißt 1478 schilcher(Schmel-

f.: die schildbedeckte Kröte, mhd. schiltrote, ler ²2, 405), in den Nürnb. Pol.-Ordn. des 15. Jhs.

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