Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
693-694
Einzelbild herunterladen

693 Schellack

Schelm 694

Spätmhd. schelf, ahd. sceliua f.«Schote⸗, 1663 hei Schottel Schilfe(bei Duez 1664 auch Sehilffe f.«Hautschuppe); dazu mnd. schelver, nnd. schilfer, schilher, mndl. schelffe(r), nudl. schilfer f.-was sich abschält, abblättert». Zu ²2 chale (s. d.). 4L. schelfen, v.: abschälen, 1664 b. Duez, schilfen b. Stieler 1691, dazu mundartl. schelfern, schilfern, schülfern, schulfern ab- blüttern».

Schellack, m.(ſels, Pl.-e): aus ostind. Gummilack bereiteter, in Täfelchen gepreßter Lack. 1721 b. Jablonski, entl. aus nndl. schellalc n., engl. shellac, zgs. mit ndl. schel, nd. schell(e) f.«Schale, Haut», u. daher benannt, daß die Taäfelchen schalenähnlich dünn u. halb durch- sichtig sind.

1Schelle, f.(Pl.-n): zum Schallen ver- fertigte hohle Metallhalbkugel, die von ge- ringerm Umfange als ein Glöckchen ist. Mhd. schelle, ahd. scella ſ., mnd.-mndl. schelle f., zum starkflekt. mhd. schellen, ahd. scellan«schallen, töneny. Schellen als Farbe im Kartenspiel be- reits im 16. Jh.(Luther Tischrede 2, 101 F., Theatrum diabolorum 439 ²). Aus dem West- germ. entl. rätorom. schella, ital. Squilla, prov. esquella, span. esquila, afrz. eschiele f.«Glöck- chen». ZUS. Schellenbaum, m.: Stange mit Querhölzer, an denen sich Glocken befinden, Glockenspiel. Bei der Militärmusik. Schellen- kappe, f.: Narrenkappe. Im 18. Jh.

2Schelle, f.(Pl.-n): Schlag mit flacher Hand ins Gesicht, daß es schallt. Im 18. Jh. (Lichtwer Fab. 3, 4), zu schellen«schallen machen, schallend schlagen». Vgl. Maulschelle.

Schelle, f.(Pl.-/): ringartige enge Metall- fessel um Hand od. Fuß. Erst im Nhd. nach- weisbar, bei Schönsleder 1618. Von ahd. scal in fuozscal«Fußfessel durch einen hölzernen Pflocky. Nach Btr. 20, 56 verw. mit lit. skald f. Span, gr. cküXoc m. abg. koli m. Pfahl.

schellen, v.(Prät. schellte, Part. geschellt): die Schelle tönen machen. Erst nhd.(Duez 1664), von Schelle.

2schellen, v.(Prät. schellte, Part. geschellt): schallen machen(noch älternhd.). Mhd. schellen (Prät. schalte), ahd. scellan(Prät. scalta)«er- schallen machen, auch laut erschüttern, schal- lend brechen, zerschmettern?(s. zerschellen), Fakt. zum starkflekt. mhd. schellen, ahd. scellan «schallen»(s. d.).

Scheller, m.(-s, Pl. wie Sg.): Vorschiebe- riegel. 1540 bei Alberus dict. Yy 3 b, aus md. (1414) schelder,(1440) schalter m., spätahd.

sceldel m.«Riegel, schmales Vorschiebeholz od.

-eisen zum Verschlusse der Türes, von ahd. scal- tan«schieben»(s. schalten). schellern, v.: verletzt werden. Zu*schellen cbrechen», vgl. zerschellen. Im 18. Jh. Schellfisch, m.(Jels, Pl.-e): der Nordsee- fisch gadus aeglefinus. Im 16. Jh. bei Lonicerus Kräuterbuch 350 b Schelftsch. Aufgenommen aus nd. Schellfisk, ndl. im 16. Jh. schelvisch, ags. scilfisc, engl. shellfish, anord. skelfiskr m. Nach Stürenburg ostfrs. Wb. 217, vgl. auch Idg. Forsch. 7, 243, der Name daher, daß das Fleisch schilfert(sich in dünnen Blättchen ab- scheidet), also zu Schale, schellern. Schellhengst, s. Schälhengst. schellig, adj.: unsinnig, toll, höchst auf- gebracht. Bis ins 18. Jh.(Musäus Volksm. 3, 70 H.). Mhd. schellec, schellic claut tönend, ge- räuschvoll, wildy, zunächst vom erschreckt auf- springenden, wie außer sich fliehenden Hasen. Eine Weiterbildung des glbd. mhd. Adj. Schel, gleichen Stammes wie Schall, schallen(s. d.). Schellkraut, öst. auch Schöllkraut, n.: die Pflanze chelidonium. Mhd. schel(l)krüt n. u. schel(le)wurz, ahd. scelli-, scella-, scellinzwurz f.; Nebenformen 1537 bei Dasypodius Schöll- kraut, 1546 bei Bock Schölwurtz. Mit An- lehnung an ahd. Scella f. Schelle» gebildet aus glbd. mlat. celidonia, lat. chelidonia f., gr. XeNldéviov n. Schwalbenkraut», von gr. XENIDchv f.«Schwalbey. Der Name, weil nach dem Glauben der Alten die Schwalben durch die von der Zeit ihrer Ankunft an blühende Pflanze das Augenlicht ihrer Jungen im Neste wiederherstellen, wie überhaupt der zuberei- tete Saft der blühenden Pflanze als Heilmittel gegen Trübung der Augen galt(Plin. hist. nat. 25,50, Megenberg 200, 18). Nach ZfdPh. 38, 522 zu Schelle«Hodey, also«Hodenkraut. Schelm, m.(-es, Pl.-e): ehrloser Betrüger, bes. ein versteckt listiger; zu scherzhaftem Streiche Verschmitzter(1691 b. Stieler). Urspr. schwach, wie noch b. Wieland, Goethe, Schiller, aber schon im Mhd. zuweilen stark. Mhd. schelm(e), schalm(e) m.«Viehseuche, Pest, ge- fallnes Stück Vieh, toter Körper, Aasy, daher spätmhd. u. noch mehr im 16. Jh. cverworfner, den Galgen verdienender Mensch, Bösewicht, Betrüger, Verführer, durchtriebner Mensch?, ahd. scelmo, scalmo m.«Viehseuche». Urverw. ist wohl alb. hel'm m. Trauer, Gifty. Aus dem Deutschen entl. isl. skelmir, dän. skjelm &Schurken, afrz. chelme«Unruhstifter». 4BL. Schelmeréi, f.: Büberei(Fastnachtsp. des 15. Jh. 894, 24 schelmery); Neckerei(j. Goethe 44*