Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
691-692
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691 scheinen

Schelfe 692

Sichtbarkeit, Anblick», dann(im 14. Jh.) sicht- barer Beweis»,(Anf. des 15. Jh.)«schriftliche Urkunde, Ausweis»,(Mitte des 15. Jh.) xußrer Anschein, Vorwand; dazu asächs. afrs. Skin m.

Glanz», ags. scin n. Erscheinung, Gespenst»,

mit Ablaut anord. skin n., schwed. sken, dän. skin. Dies Abstractum zu scheinen(s. d.) wurde wie Ernst, Licht auch adj. verwendet; ahd.- asächs. scin, mhd. schin«strahlend, sicht-, offenbarꝰ, im 16. Jh. erloschen. 4 L. schein- bar, adj.: Schein von sich gebend, durch Her- vorscheinen vor anderm für sich gewinnend (noch bei Schiller 4, 122, 11); ins Auge fallend, ohne innere Wirklichkeit bloß äußerlich wahr- zunehmend(1734 bei Steinbach); mhd. schin- bœre, ahd. scinbäre«leuchtend, glänzend, sicht-, offenbar». ZUS. scheinheilig, adj.: sich heilig(sittlich u. geistlich rein) stellend, 1581 bei Fischart Binenk. 192²; davon Schein- heiligkeit, f., bei Opitz Argennis 1, 150. scheintot, adj., erst im 19. Jh.(Kerner Ged. [1847] 370). Scheinwerfer, m., 1791 von Campe Bereicherung als Verdeutschung von Reverber vorgeschlagen.

scheinen, v.(Prät. schien, Konj. schiene, Part. geschienen): Licht, Helle von sich geben; mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmend sichtbar sein oder überhaupt wahrgenommen werden. Unpers. es scheint mir usw.«fällt un- gewiß über die Wirklichkeit oder nicht über- einstimmend mit dieser in die Sinne; leuchtet ein»(schon mhd. ez schinet«es zeigt sich dem äußern Ansehen nach»). Mhd. schinen, ahd. scinan(Prät. scein, Pl. scinon, Part. gescinen) Licht vonsich geben, sichtbarsein(erscheinen), sich zeigen»; dazu asächs. schnan, ndl. schijnen, afrs. skrna, ags. scinan, engl. shine, anord. skina, got. skeinan cleuchtem. Gleichen Stammes wie got. skeirs cklara(s. schier), skeima m.«Leuchte, Fackel, ahd. Scômo m.«Glanzo, sciman«schim- mern⸗(s. d.); urverw. mit abg. sindti«hell werden), Sind chell, licht⸗; eine nicht erweiterte

Wa. in gr. cuid f.«Schatten», alb.«Schatten»,

npers. Sdja«Schatten, aind. hdãjä f.«Glanz, Schatten».[Schein.

scheinheilig,-tot, Scheinwerfer, s.

Scheifße, f., mhd. schäze f.«Durchfall», mnd. schite, mndl. schite; dafür ahd. scizata f., noch obd. Scheißet f. n., anord. skitr m., dän. skid; auch in Namen von Pflanzen u. Früchten, deren Genuß Durchfall wirkt, wie Scheißmelde (1546 bei Bock 2722 Scheitmilte), pflaume usw. Von scheißen, v.(Prät. schitz, Konj. schisse,

geben; einen Bauchwind lassen. Mhd. schizen in beiden Bedd.(Prät. scheiz, Pl. schizzen), ahd. scigan in bischzan«besudeln»; dazu mnd.

schiten, mndl. schijten, ags. sctan, engl. shite),

anord. skita, schwed. skita, dän. skide. Viell. verw. mit den unter scheiden angeführten Wörtern der idg. Wz. skid, vgl. lit. skisti «dünn werdenꝰ, skistas«dünnflüssigy. Aus dem Germ. entl. afrz. eschiter«besudeln», venezian. schito m.«Misty». Vgl. Schi6. Scheit, n.(-es, Pl.-elr]): abgespaltnes Holzstück, dann bes. ein kleines. Mhd. schit n.(Pl. schöter]), ahd. scit n.; dazu afrs. skid, ags. Scidd, engl. shide, anord. skidh n., norw. Sſci, schwed. skida«gespaltnes Holzstück, Schnee- schuh). Urverw. mit lat. scindo«spalten, s. scheiden, lit. skiedrã f., lett. skaida«Spanꝰ, od. mit lat. schtum n.«Schildy, ir. sckath«Schild?, vgl. Walde. 4 BL. vom Pl.: scheitern, v.: in Scheiter, Trümmer gehen(A. Gryphius 1, 280); im 16. Jh.«in Scheiter zerschlagen, vernichten»(zuscheittern Hiob 6, 9, zerscheitern Jer. 51, 21); oObd.«mit Scheitern werfen». ZUS. a) mit dem Pl.: Scheiterhaufe(n), m., bei Aventin 4, 251, 34. b) mit dem Sg.: Scheit- holz, n., 1605 bei Hulsius Scheytholtz. Scheitel,(öst.-bayr. nur) m.(-s, Pl. wie Sg.), auch f.(Pl.-*): oberste Kopfstelle, Kopf- spitze; von dieser Kopfspitze bis zur Stirne ge-

machte gerade Haarscheide;(bildl.) Bergspitze,

Gebirgskamm. Bei Luther, Goethe, Schiller,

Wieland M. u. F., bei Alberus, Klopstock, Herder nur M., das von Norddtschld. aus in

der Schriftsprache durchdrang, denn mhd. scheitel(e) f. in obigen drei Bedd., ahd. sceitila f.«Kopfwirbel» urspr.«Kopfstelle, in der die Haare sich scheiden, d. h. nach verschiednen Seiten sich legenn; dazu andfrk. scéthlo, sceithlo m., mnd. schedel m., mndl. scheedel, scheele, ags. scéada m.«Scheitel». 4L. scheiteln, v.: in die oben angegebne Haarscheide ab- teilen, mhd. scheiteln, ahd.(2i)sceitilön. Scheiterhaufen, scheitern, s. Scheit. Schelch,(bayr. nur) m. n.(-Lels, Pl.-e): durch ein unbefestigtes Schalt- od. Steuerruder gelenkte Kahnart; Flußfahrzeug. Am Main u. an der Werra. 1494 in Weist. 6, 54, 27 schelch m., 1443 u. 1446 zu Frankfurt a. M. schielch, schielg. Aus Schellich(bayr. Schältich) m. n. Flußfahrzeugy, spätahd. schaltich«Renn- schiffy, von ahd. scalta f.«Schalt-, Ruderstanges (s. Schalte), ühnlich spätahd. scaltscif n. Schelfe, Schilfe, f.(Pl.-n): Hülsen-

Part. geschissen): Kot durch den After von sich fruchtschote, Obst-, Nuß-, Kartoffelschale usw.