Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
689-690
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689 scheel

Schein 690

der Schedula. Aus lat. schedula f.«Blättehen Papiery, s. Zettel.

scheel, adj.: das Auge schräg seitwärts gewendet; nur auf éinem Auge sehend(im 15. Jh. bei Diefenbach gl. 340°, noch obhess.). In der 1. Bed. bei Luther scheel, mhd. schel (Gen. scheleoes, schelbes) und schelch(Gen. schelhes), ahd. scelah(Gen. scelhes u. scelawes) cschielend, schiefy, noch bayr. schelch«schiefy; dazu mnd. schél«schielend, mndl. schele, undl. scheel«schräg, schief, krummꝰ, ags. sceolh, anord. skjalgr«schief, schielend. S. schiel, schilchen. ZUS. Scheelsucht, f.: krankhaft falsche Gesinnungüber dem andern zugekomm- nes Gute, 1678 b. Krämer Scheelsucht, süchtig.

Scheffel, m.(-s, Pl. wie Sg.): ein größres Getreidemaß, urspr. das hölzerne Gefäß dazu (Matth. 5, 15). Mhd. scheffel, ahd. sceffil m.; dazu mnd. schepel, köln. im 15. Jh. Scheppel, danach mlat. scapilus m. Von Schaff(s. d.), das in Salzburg ebenfalls ein Getreidemaß von 8 od. 16 Metzen bezeichnet. 4BL. scheffeln, v.: Scheffel füllen, 1610 bei Colerus Hausb. (1610) 3, 139 schöffeln.

Scheibe, f.(Pl.-n): flacher runder Körper von geringer Dicke; dann im Nhd., ausgehend von den urspr. runden u. später viereckigen Glasscheiben u. Schießscheiben) dünne Platte. Mhd. schabe, ahd. sciha f.«Kugel, Kreis, Rad, Walze, Töpferscheibe; dazu and. seꝛva, mnd. schiwe, mndl. scive, nndl. schiff, mengl. schyfe, engl. shive, anord. skifa, dän. skive, schwed. skifva. Zu mhd. schöben(Prät. schefp, Part. geschiben)«rings drehend bewegen, rollen, kugeln», noch bayr.«Kegel scheiben»(Prät. schib, Part. geschiben), älter in die K. scheiben. Wohl 2zu gr. ckoĩnoc(Hesych)«Töpferscheibey. Vgl. noch Walde unter cippas.

1Scheide, f.(Pl.-n): lange oder längliche hohle Außenbekleidung der Waftenklinge, dann auch von Ahnlichem(bei Adelung von der weiblichen Sch.). In der 1. Bed. mhd. scheide, ahd. sceida f.; dazu asächs. skédia, mnd. schede, mndl. scheede, ags. scéap, sccp, engl. sheath, anord. der Pl. F. skeidir, dafür got. fodr n. (s. Futter). Viell. eins mit dem folg.

*Scheide, f.(Pl.-n): Teilungs., Grenzpunkt od. Jinie. Mhd. scheide, ahd. in wegisceida f. Wegscheides; dazu mnd. schede, scheide f. cGrenzey. Von scheiden, v.(Prat. schied, Konj. schiede, Part. geschieden): sich mit Ent- fernung trennen; entfernend trennen, spalten. Mhd. scheiden(Prät. schiet, Part. gescheiden [dies noch bei Luther]), auch«deuten, aus-

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. II. Bd.

legem(vgl. gescheit), ahd. sceidan; dazu asächs. scdan, afrs. skéõtha, skéda, ags. scéadan, scãdan (engl. shed«unterscheiden»), got. skaidan. Da- neben mit schwacher Flexion mhd. Scheiden, ahd. sceidõn, noch bei Luther das Prät. scheidete (1. Mos. 1, 4), im 18. Jh. erloschen(altertümlich 1788 bei Musäus phys. Reisen 4, 28 scheidete, bei Haller Tageb. 2, 126 unterscheidete); ferner mhd. schiden, ahd. scidön und seit dem 13. Jh. mit starker Flexion mhd. schäden(Prät. scheit). Urverw. mit lit. skaititi«zählen, abg. ditati «zählen, lesen»; dazu mit Abweichung im Aus⸗ laut lat. seindère, gr. cxiceiv espaltenn, lit. skiedæ'zu ich scheide», skiedra f.«Spany, abg. cęditi«seihenꝰ, aw. avi-hi-sidjãt«er hätte ver- nichtet, aind. Chinddmi cich spaltey. Vgl. Scheit, Scheitel. S. Walde u. scindo u. Idg. Forsch. 6, 92. 4BL. Scheidung, f.(Pl.-en): Trennung, bes. der Ehe. Mhd. scheidunge f. «Scheidung, Trennung, Ehescheidung, Weg- gehen, Entfernung, Entscheidungy mnd. sche- dinge; daneben mhd. schidunge, frühnhd. schie- dung. ZUS. Scheidebrief, m.: Urkunde der Ehescheidung, bei Luther; in der Bed. Urteils- spruch von Schiedsrichterny spätmhd. 1368 scheidebrief, mnd. 1375 schedebréf m. Scheide- kunst, f.: praktische Chemie, 1645 bei Zesen Ibr. 6 Scheidekunst, 1647 bei Harsdörffer Ge- sprächsp. 7, 215 Scheidkunst, dagegen 1651 bei Zesen Rosenmand 29 u. 183 Scheidelcunst u. Scheidekunstler als Verdeutschung von Kritik und Kritiker». Scheidemünze, f.: kleine Münze, Teilungsmünze der groben Münze, 1691 bei Stieler, dafür Schiedmüntz 1673 im Simpl. 1, 1083 Klr. Scheidewand, f., 1463 bei Mone Ztschr. 13, 169 scheidwant. Scheidewasser, n.: mit Wasser verdünnte Salpetersäure zur Scheidung des Goldes vom Silber, überhaupt von Metallmischungen, 1536 bei Paracelsus Wundartzney I, 3, 8 u. 1557 bei Agricola Bergw. S 3 b Scheidaasser. Scheideweg, m., 1587 im Buch der Liebe 199 b Scheydveg. Scheiden, m.(-s, Pl. wie Sg.): der Wels. In Bayern, Osterreich. Bei Goethe 31, 266. Bei H. Sachs 7, 461, 22 Scheiden m., 1563 bei Forer Fischb. 184 Schaid m., 1429 im Lib. ord. rer. 15 schaid, mhd. scheide, ahd. sceida f., wie noch bei Adelung Scheide f. Schein, m.(-Lels, Pl.-e): ins Auge fallende Helle; das unkörperliche mit dem Auge Wahr- genommne; zum Vorzeigen schriftlich wo- rüber Ausgestelltes; das äußerliche Aussehen im Gegensatz zur Wirklichkeit u. Wahrheit. Mhd. schin, ahd. scin m. Glanz, Helligkeit, 44