Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
681-682
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681 Scharteke

Schatulle 682

mnd. schard«Pfannes, urverw. mit abg. strada, scvrada, skovrada f. Tiegel, Pfanne, Herd, Rosto, lett. skãrda«Blechy. Vgl. Zupitzs 152. 4BL. schartig, adj., 1678 b. Krämer schartig, 1691 bei Stieler schertig, dafür 1551 bei Scheidt Grobianus 4350 schartecht, mhd. schertet, mnd. schardechlich, schardich.

Schartéke, f.(Pl.-n): Ausschußbuch, altes Buch, schlechtes Schriftwerk. Im 16. Jh. Scar- telce f.(Alberus wider Witzeln B 32, Platter 23 B.[großes Buch]) u. Scartecke(Luther Br. 5, 716, 1589 bei Paracelsus Op. 4, 310), 1673 bei Weise Erzn. 141 Schkartehke; dazu mnd. 1536 scartélte in der Bed.«Dokument, Urkunde». Nach Weigand aus ital. scartata f.« Wegwer- fung von Karten beim Spiel, das Ausschießen, der Ausschußy, urspr. F. des Part. Prät. von ital. scartare«Kartenblätter ausscheidem. Die- sem Grundbegriffe läge dann die Bedeutungs- entwicklung von Scartheke als«minderwertige Umhüllung uneingebundner Bücher»(1549 bei Lazius Beilage zum Archiv f. Kunde öst. Ge- schichtsquellen 2, 27), sowie das 1640 vorkom- mende Dim. Scartecl n.«summarischer Rech- nungsauszug od. Rechnungsübersichts(Schmel- ler² 2, 471) als ein gleichsam Ausgeschoßnes od. Abgesondertes von den Rechnungen nicht fern. Sehr unsicher. Andre Erklärungen(s. DW.) leuchten auch nicht ein. Nach Heyne ein Wort der Schülersprache wie Parteke.

Scharwache, Scharwächter, s. 2Schar.

Schar-, Scherwénzel, m.(*s, Pl. wie Sg.):

der Unter(Knecht, Bube) als vielgebrauchte, auch höchste Karte im Spiel, welches dann selbst den Namen Sch. führt; Allerweltsdiener (1746 bei Döbel Jägerpract. 1, 1172 vom Pudel, 1693 b. Chr. Weise freymüth. Redner 190 Scher- Wwentzel); dienstbereitester Bückling mit Scharr- fuß(bei Lessing 8, 59). In der 1. Bed. 1682 bei Chr. Weise Scherwentzel, 1673 Erzn. 33 u. 169 Scharwentzel. Nach Weigand zgs. aus scheren in der Bed.«viel Mühe u. Beschwerde machen, kümmern»(mit Bewahrung der Kürze des e) und aus dem urspr. slaw., namentlich bei den Böhmen beliebten Mannsnamen Wenzel(s. d.), mit dem jeder der Buben in dem genannten Kartenspiele belegt wurde; also urspr. wohl cein sich viel abmühender Wenzel od. Knecht. Daß aber in der ersten Silbe scheren steckt, wird dadurch bestätigt, daß im Färbeln, einer Art Kartenspiels in Bayern, jede Karte Scherer, bzw. Scherwenzel genannt wird(Schmeller*2, 452). 4B L. scharwénzeln, öst. nur scher- wénzeln, v.: das Kartenspiel Scharwenzel

spielen(1686 b. Chr. Weise polit. Näscher 213); sich zu allem gebrauchen lassen, mit Kratzfüßen um jem. geschäftig sein(bei Goethe 8, 30 scher- wenzen, bei Schiller 1, 188 scharewänzen, aber im Venuswagen Str. 13 dafür scharwinzen). Nach H. Schröder Streckf. I ff. wäre die urspr. Bed.«schweifwedeln» u. das Wort eine Streck- form zu Sschaünzeln. Andre Erklärungen im DW. und bei Heyne DWB.

Scharwerk, s. ²Schar.

schassen, v.: fortjagen, derb abfertigen. Jetzt bes. in der Schülersprache, urspr. aber stud., 1781 bei Kindleben. Aus fra. chasser Jagd machen worauf», dann«verjagenꝰ, afrz. chacier, aus volkslat. captiare«gefangen ma- chen, jagen» für lat. captãre zu caperecnehmen.

Schatten, m.(-s, Pl. wie Sg.): die von einem Körper durch Aufhalten des Lichtes auf der entgegengesetzten Seite sichtbare Dunkel- heit;(schon mhd. und ahd.) Spiegelbild. Bei Luther Schatten m. mit dem im Nom. Sg. aus den andern Kasus des Sg. angetretnen n(vgl. Friede), bereits 1470 thür. schaten und 1421 schatewen(md. um 1400 der Gen. schateroans Ritterspiegel 3294), daneben nhd. bis ins 19. Jh. Schatte(Schill. Tell 2, 1); mhd. schate, schaterwe, scheterwe m.(Gen.-n, Pl.-n), urspr. stark(Gen. schates), wie ahd. scato m.(Dat. scataave, sca- ka70)e), selten als F. mhd. schate wie bisweilen noch obsächs.; dazu asächs. skado, mnd. scha- d(en)e, schaduzwe m., nndl. schaduao f., ags. scecdn f.(Gen. sceaduwe) u. scead, scœd n., engl. shadowv, shade, got. skadus m. Urverw. mit air. scäth«Schatten», gr. ccöroc m.«EFinsterniss, cxoretvõc«dunkel, blind, fraglich, ob auch mit alb. kot«Dunkelheity. 4 L. schatten, v.: Schatten geben, spätmhd. schaten, mhd. scha- keꝛven, schetewen, ahd. scatezwen; dazu asächs. sxadowan, mndl. schaedaaoen, ags. sceadewian, got. in Afarskadwjan cüberschatten. schat- tieren, v., 1618 b. Schönsleder; davon Schat- tierung, f., 1664 bei Duez. schattig, adj., spätmhd. im 15. Jh. schatig, schetig u. schat- zwwich, älternhd. 1537 bei Dasypodius schattecht. ZUS. Schattenbild, n., 1691 bei Stieler, in der Bed.«Traumbildo bei A. Gryphius(1698) 1, 280. Schattenriß, m., bei Stieler 1691. Schattenseite, f., 1800 bei Goethe 18, 295. Schattenspiel, n., bei Stieler 1691.

Schatülle, f.(Pl.-/): Geld-, Kostbarkeiten- kästchen. 1691 b. Stieler Schattulle, Skatulle f., 1647 b. Olearius pers. Reis. 2, 4 Schattul n.(da- für 1696 Schattel n.), aus mlat.(1425) scatala f. «Schrank, ital. scatola f.«Dose(s. Schachtel).