Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
673-674
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673 Schamade

Schanze 674

2.) mhd. scham(e) u. schem(e) f., ahd. scama f., auch«Schanden; dazu asächs. scama f. Be- schämungs, afrs. Slome, ags. sceamu f.«Scham, Schmach, Schamglied, engl. shame, anord. skõmm f.«Schande, Spott, Verhöhnung, schwed. dän. skam. Dagegen entspricht Schambd f. eugungsglied(3. Mos. 20, 11) dem mhd. scha- m(e)de, schem(e)de f.«Schamgefühl, Schmach, Schamgliedy, ndl. schaamte f., abgel. von schä- men. 4 BL. schämen, v. refl.: Scham haben, mhd. sich schemen, selt. bloß schemen, neben sich schamen, ahd. sih scamén(selt. sih scamõn); dazu ndl. sich schamen, ags. sc(e)amian, anord. skammas, got. sik skaman. Man erklärt sich schämen als«sich bedeckeny u. stellt das Wort zu der unter Hemde behandelten Wz., doch ist dies recht unsicher. schamhaft, adj., mhd. scham(e)haft, ahd. scamahaft; schamhaftig, adj., im 15. Jh. scham-, schemhafftig; Scham- haftigkeit, f., zu Anfang des 15. Jh. schem- hafptikait f. schämig, adj., mhd. schemec, schemic, schamec, ahd. scamig, ags. sceamig in unsceamig. schamlos, adj., mhd. scham(e)lös, ahd. scamalõs; Schamlosigkeit, f., 1741 bei Frisch. ZUS. Schambein, n., 1691 b. Stieler. schamrot, adj., mhd. schame)röt; dazu Schamröte, f., mhd. schamrate f. Schamäde, f.(Pl.-n): Zeichen mit der Trommel od. Trompete zur Festungsübergabe. Bei Schiller hist. Calender 1791 S. 320, 1703 im Leit.-Lex. Chamade. Aus frz. chamade f., von glbd. ital. chiamada f., eig.«Rufs, zu ital. chiamar ærufenꝰ, lat. clãmãre«schreien?. Schamötte, f.(Pl.-n): feuerfeste Ton- masse. Dunkler Herkunft, nicht frz. schampeln, v.: wacklig gehen, beim Gehen mit den Beinen aneinander schlagen. In ndd. Ma. u. in der nordd. Umgangssprache. Vonschem- pen, ndl. schampen(aus)gleiten». Vgl. humpeln. Schande, f.(Pl. nur in mit, 2u Schanden): erniedrigende Unehre. Mhd. schande, frühmd. scante, ahd. scanta f., im frühen Mhd. auch &Schamglied»; dazu afrs. skonda, ags. sc(e)and, sceond, got. skandaf., nebst dem ahd. Adj. scant «beschämt». Die jetzt vielfach angenommne Abl. von Scham(s. d.) ist durchaus nicht sicher. 4BL. schandbar, adj., mhd. schande-, schant- bœre. schänden, v., mhd. schenden, ahd. scentan zu Schanden machen, in Schimpf u. Schande, in Scham bringen?; dazu andfrk. u. ags. scendan, mnd.-mndl. Schenden, afrs. schanda. schändlich, adj., mhd. schant-, schentlich, md. Sschentelich, ahd. scantlih, ags. sceandlic; Schändlichkeit, f., 1537 bei Dasypodius

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. II. Bd.

schandligkegt. ZUS. Schandfleck, m., mhd. schantflecke u. schandenvlecm. Schandmal, n., 1562 b. Mathesius Sar. 294 b Schandtmal, dafür mhd. schandemeiln. Schandsäule, f. Schand- pfahl, Pranger, 1678 b. Krämer. Schandtat, f., 1641 bei Schottel 382.

1Schank, m.(Jels): Kleinverkaufsort gei- stiger Getränke, dann der Kleinverkauf selbst. Mhd. schanc m. Gefäß, aus dem eingeschenkt wirdꝰ, 1419 weinschank«Ort des Weinverkaufs in kleinen Maßen». Zu schenken(s. d.).

2Schank, m.(-els, Pl. Schänke): Schrank. In der Wetterau, am Main u. Mittelrhein. Ahd. scanc m.«Geschirrgestell, mhd.(md.) schanc m.(Pl. schenke)«verschließbares Brettergestell, Schrein mit Türy. Entweder zu schenken(s. d.) od. Nebenform von Schrank(s. d.).

Schanker, m.(-, Pl. wie Sg.): krebsartige Krankheit. 1728 bei Sperander Chancre, auch schon eine Art Lustkrankheit. Aus glbd. frz. chancre m., von lat. cancer m.«Krebso(Tier u. Krankheit), woher 1505 cantzer m.«fressen- des Geschwür».

Schänzchen, n.: aus gespaltnen breiten Flechtweiden geflochtne länglich runde Wanne zum Hausgebrauch. In der Wetterau usw., Schänzle in Franken, Dim. von nordfrk.-hess. Schanze f.«grob geflochtner Weidenkorb», welche Bed. aus der von«Reiserbündel»(s. 2Schanze) hervorgeht.

1Schanze, f.(Pl.-n): Glückswurf, Glücks- fall, Wagnis, Vorteil. Etzwas in die Sch. schlagen: caufs Spiel setzen, wagen?, 1540 bei Alberus dict. J] 2 b jacio aleam, ich schlag in die schantz. Mhd. schanz(e) f.(selt. m.)«Fall der Würfel, Glückswurf, Spieleinsatz, glücklicher Zufall, gewagtes Spiel, Wechselfall, auch bloß«Fall⸗ (der dœne schanz«Tonfall, Kadenz»), aus frz. chance f.« Würfel, Glückswurf, Glücksfall, Wag- nisy, afrz. cheance, von mlat. cadentia f.«das Falleny, von lat. cadens«fallend, Part. Präs. zu lat. cadére«-fallen. Davon mhd. schanzen «mit Würfeln spielen, Glücksspiel treiben. Vgl. Mummenschanz.

2 Schanze, f.(Pl.-n): Schutzbefestigung im Krieg u. für den Krieg. Gegen Ende des 15. Jh. bei Ehingen 23 schantze f., aber urspr. Reisig- bündeb, in welcher Bed. 1491 b. Gudenus Codex diplomaticus 2, 1348 schanze f., mnd. schanze, schansche, ndl. 1598 schantse, schentse Sigambris schrantse bei Kilian, u. noch am Niederrhein u. in Westfalen Schanz f., ferner nordfrk.-hess. Schanze f. agrob geflochtner Weidenkorb zum Tragen von Erde u. Steinen»(s. Schänzchen).

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