Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
625-626
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625 Rune

Runs 626

doch schon im 17. Jh. von diesem verdrängt. Rund, n.(JLels, Pl.-e): Kreis, Rundung(1645 in den Gedichten des Königsberger Dichter- kreises 182); Erdkreis, Weltall(1631 bei P. Fleming L. 1, 11, oft im 17. Jh., s. Gombert 2, 10). Aus frz. rond m.«Kreis», daher bis- weilen Rund m.(P. Fleming 3). Runda, n. (-S, Pl.-s) u. Interj.: ein beliebter Refrain in studentischen Trinkliedern des 17. u. 18. Jh. (1642 b. Homburg Clio L 3 b, erweitert Runda- dinella, Rundadinellula 1640 bei Finckelthaus D), der den Rundgang des Bechers beglei- tete u. wahrscheinlich aus Runde(s. d.) hervor- ging. Bei Adelung 1777 u. noch vogtländisch bed. R. ein mit allen Instrumenten zum Rund- trunk geblasnes Stück, ebenso wie heute noch im Vogtlande Rundã od. Ronda ein kleines Liedchen bezeichnet. Runde, f.: das Rund- Sein(bei Luther 6, 322 ²2 Runde, 1541 b. Frisius 7682 Ründe f.); Kreis(1594 bei Frischlin Cap. 170 Ründe f.«Schildrand»); Umkreis(spät- mhd. im 15. Jh. ze Tund, 1664 bei Duez in die Runde, rund herumb). Diese Bed. sind aus rund abgel., dagegen fußt auf frz. ronde f. die militärische Bed.«Rundgangs-, Besichtigungs- wache»(1664 bei Duez u. 1669 im Simpl. 317 Runde f.), dann überhaupt«Rundgang», wie schon mhd. tavelrunde f.(u. danach phalenz- runde f.) auf frz. fable ronde«beruhtꝰ, s. Ronde. Rundéll, s. Rondéll. 4B L. von rund: run- den, ründen, v.: rund machen(1496 das Part. gerunt bei Lexer, ründen 1649 bei Spee Trutznachtigall 240, 40 B.); refl. rund werden (bei Goethe, Schiller, dafür im 17. Jh. intrans. runden); dazu Rundung, f., spätmhd. im 15. Jh. rundunge f. Umdrehung im Kreise». rundlich, adj., spätmhd. im 15. Jh. das Adv. runtlich, bei Maaler 1561 rundläãcht. ZS. Rundgesang, m., 1777 b. Adelung. Rund- reise, f., in neurer Zeit. Rundschau, f., Titel von Zeitschriften in neurer Zeit. Vgl. Zfd W. 2, 367. Rundtrunk, m., 1537 b. Wickgramm Obsopeus 115 Ndr., 1562 b. Mathesius Sar. 272 ². rundum, adv.: rund herum(im 18. Jh., da- für b. Luther rund umbher); deutlich und be- stimmt, rund heraus(1691 b. Stieler rund um).

Rune, f.(Pl.-n): urdeutsches Schriftzeichen. Im 17. u. 18. Jh. auf gelehrtem Wege(vgl. Schottel² 1163. 1389 u. Simpl. 4, 290 Kz.) entl. aus anord. rün f. Geheimnis, Runen, dän. rune, schwed. runa f.«Rune», entsprechend ags. rün f.«Beratung, Geheimnis, Geheimschrift, Runen- schrift⸗, rünstafas cRunenbuchstaben», asächs. runa f.«geheime Beratung», ahd. rðna f.«ge-

5. Aufl. II. Bd.

Weigand, Deutsches Wörterbuch.

heime Besprechung, Geflüstery, mhd. /ne f. cheimliche Redes, got. röna f.«Geheimnis, geheimer Beschluß». Urverw. mit air. räãn Ge- heimnis». Zu raunen(s. d.). Die Bed. Schrift- zeichen entwickelte sich leicht aus dem Begriff «Geheimnis», weil die Runen in ältester Zeit geheimnisvoll zum Werfen der Lose u. zur Weissagung gebraucht wurden(s. Buchstab).

Runge, f.(Pl.-n): das aufrechte, eine Wagen- od. Karrenleiter haltende, mit dem untern Ende in od. an der Achse befestigte Holz, die Stammleiste. Spätmhd., md. u. mnd. runge f. in dieser Bed., 1452 bei Mone Ztschr. 12, 448 rüngen«Stangen; dazu ags. hrung f.«Balken, Wagenrunge», engl. rung Querbalken des Schiffsbodens, Leitersprossey, got. hrugga f. «Stab». Viell. nasal. Form zu lat. cruæ f.(Bezz. Btr. 30, 159).

Runkelrübe, f.(Pl.-n): die große dicke Futter- u. Zuckerrübe. 1777 b. Adelung, dafür 1546 bei Bock 271 2 Rungelsen(Mangold mit großer dicker Wurzel), nd. Runlse, Runkelte f. Stammverw. mit Runken- u. Runkxes(s. d.) be- züglich der derben kräftigen Wurzel. Dafür bayr.-schwäb.-schweiz. Rande f.«große rote Rübe», hess. Bange f.«weiße Runkelrübes.

Runken, m.(-v, Pl. wie Sg.), auch Runke, m.(-ns, Pl.-n): übermäßiges Stück Brot. Thüring.-sächs.(1691 bei Stieler), dagegen wetterau. Ranke m., schwäb. Ranke f., nd. Ranken, Rangen m., daher im Schülerlatein des 15. Jh. runcus«Brotranft»(Diefenb. gl. 504²). Gleichen Stammes wie Runks, m.(-es, Pl.-e): dickes u. großes Stück Brot(sächs.schles.), dann übertragen«großer Hund»(nd. 1755 bei Richey), vierschrötiger, plumper und unge- hobelter, grober Mensch(1563 bei Mathesius Hochzeitpred. V 3 5, S. 116 Ndr. der Pl. Runckes, daher mit lat. Endung Rancus m.«Grobian» 1572 bei Hellbach Grobianus 217² u. 1654 bei Logau 3, 8, 95).

Runkünkel, f.(Pl.-n): altes runzliges Weib, alte Vettel. 1695 bei Reuter Harlequins Hochzeitschmaus 104, noch heute in den Ma. Nord- u. Süddeutschlds. verbreitet. Eine reim- spielende Bildung(ähnlich wie Schlampampe) zu mhd. runke f.«Runzel, Faltey, mndl. runken crunzeln»(Diutiska 2, 209 2, schwed. rynkxa run- zeln, rümpfen». Vgl. noch Schweiz. Id. 6, 1132.

Runs, m.(-es, Pl.-e) u. Runse, f.(Pl.-n): Lauf des Wassers; Rinnsal, Bett einer Rüfi (Steinlawine), eines Baches, Flusses. Noch bayr.-tirol.-schwäb.-schweiz. u. so bei Schiller Tell 2, 2. Mhd. runs(t) m. f. u. runse f., ahd.

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