Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
619-620
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619 Rufe

Ruhe 620

gerufen): die Stimme erheben; mit erhobner Stimme Zeichen geben oder zu kommen ver- anlassen. Mhd. ruofen(Prät. rief), md. rũfen, rofen, ahd. ruofan, hroafan(Prät. riof); dazu asächs. hröpan, hruopan, mud. rõpen, ndl. roepen, afrs. hrõpa, ags. hrõpan. Hiervon weiter das glbd. schwachbiegende rufen(Prät. rufte, mundartl. Part. geruft), mundartl. auch rüfen, mhd. rüefen, ruofen(Prät. ruofte, Part. ge- rüefet), md. rũfen, rofen(Prät. rüfte, röfte),

ahd. ruofan(Prät. ruofta), got. hrönjan«xrufen, schreien», anord. hröpa«schmähen, verspotten,

dün. raabe u. schwed. ropa rufen». Herkunft unsicher. Vermutungen bei Zupitza 23. Im Alternhd. steht rufen überwiegend mit Dat. der Person, dagegen mit Akk. der Person mehr im Sinne von cher-, herbeirufen?; heute gilt der Dat. nur als Ausdruck der gehobnen Rede. 4 BL. Rufer, m., mhd. ruofcœre, rüefcre m.

1Rufe, f.(Pl.-/): Schorf, Grind einer Wunde. In obd. u. nd. Ma. Alternhd. Rufe(n) f. u. Rufen m., spätmhd. im 15. Jh. rufle) f., aber ahd. (hruf«Aussatz, Blatter»; dazu and. hruft f. crauher Schmutz, rauhe Kruste», mnd. roue Eiter»(Diefenb. gl. 511²), nnd. rave, rove, rãj, rõf f. u. mndl. roof, rappe«Kruste einer Wunde», anord. hräfa f. u. hryfi f. n.«Schorf, Grind», schwed. rufba, dän. rοe, ags. hryfing f.«Schorf einer Wunde». Zu ahd. hriubi f. Krätzen, riob«aussätzig», ags. Arsof u. anord. hrjãfr«aussätzig». Dazu lett. Kraupa Grind der Pferde», lit. Kraupis«Ausschlag, Krötey. Aus dem Germ. entl. piemont. rıfa f. u. afrz. rofée f.«Schorfy.

*¹Rufe, s. Raufl.

Rüffel, m.(-s, Pl. wie Sg.): derber Ver- weis. Erst im 19. Jh. gebildet aus rüffeln, v.: mit empfindlichem Verweise strafen, derb tadeln, 1758 bei Lessing 2, 485 rüffeln, 1725 b. Picander 1, 413 rieffeln, eig.«einen durch die Riffel, Hechel ziehen, durchhecheln»(s. Rif- fel), bildl. wie mhd. reffen, refsen«mit Worten strafen, schelten»(s. reffen).

Rufi, Rufe, f.: verheerendes Bergwasser, durch solches Bergwasser entstandner Berg- rutsch; die durch den Bergrutsch bedeckte u. so verheerte Bodenfläche. Schweiz. Rufene, Ruft, Ruff f., bei Schiller Tell 4, 3(V. 2664) ein Ruffi, bei Zwingli Rüfe f.«Felslawine». Entl. aus lad. u. auch ital. rovina f.«Einsturz?, von lat. runa f.«Sturz, Niedergang».

Rüge, f.(Pl.-n): strafender Tadel. Mhd. rüege f.«Anklage, gerichtliche Anzeige, Tadel», auch Gerichtsbarkeit, Gerichtsbezirk», md.

räge f., daher noch bei Krämer 1678 u. Frisch 1741 Rug f. gerichtliche Rüge, Anzeige, Strafe⸗, u. noch 1777 bei Adelung Rug f.«Rügegericht, Untergericht zur Bestrafung von Vergehen gegen Polizeiverordnungen u. Rüge f.«Polizei- gesetzy, wetterau. Rou f.«Schützen-, Wald- rügegericht»; dazu mnd. wroge, wröch f.«An- klage», nnd. wroge, wröge f.«Geldbuße für Frevel od. versäumte Leistung» asächs. röht «Aufruhry, ags. wröht f. m.«Anklage, Streit, Hader, Verbrechen», afrs. ruogje f.«Anklage», anord. rõôg n. Verleumdung, Zwisty, got. wröhs f. Anklage». Zu rügen, v.: öffentlich an- klagen; bei Gericht anzeigen: mit Anklage u. Buße belegen; scharf tadeln. Mhd. räegen, md. rigen, ndrhein. im 14. Jh. wrägen, ahd. rögan, ruogen«anklagen, gerichtlich anzeigen, strafend tadeln»; dazu asächs. wrõgjan«xanklagen?, mnd. ꝛwrogen, zwwrugen anschuldigen und bestrafen, amtlich Gewicht und Maß nachprüfeny, nnd. wrogen, wrögen«mit Geldbuße belegen», mndl. zwroeghen, nndl. wroegen, afrs. wrögja, ruogja, ags. wréõgan«anklagen, beschuldigen», anord. rægja«verleumdenv, got. wrohjan«anklagen. Viell. urverw. mit lit. rοαεi«schreien, brüllen?, Btr. 32, 142. 4L. rügbar, adj., mhd. rüeg- bœre. Rüger, m., mhd. rüegœre, ruogære m. ZUS. Rügegericht, n., mhd. räegegeriht n.

Ruhe, f.: arbeits-, bewegungsloses, unge- störtes Sein. Mhd. ruo(we), ahd. ruouνα, rõa f. (daneben die ablautenden Formen mhd. räwe, ahd. rãrwa f.), md.(ε)e,(ge) f., daher noch bei Luther Ruge u. 1540 bei Alberus dict. m 2 b Rag, Ruog, sonst älternhd. im 16. Jh. Rac(o),o, 1539 b. Serranus Ruhe; dazu mnd. rouve, rauoe, ags. rõôu, anord. 1 f., dün.-schwed. ro m. Ur- verw. mit gr. épon f.«Ablassen, Aufhören, Ruhe, Rast». Dazu ruhen, v., mhd. ruoνε)n, ahd. ruown, ruowon, ruowan(daneben im Ab- laut mhd. räwwen, ahd. räton, räwen), md. ra(w)en, ra(ge)n, daher bei Luther und 1540 bei Alberus dict. m Tugen, 1539 bei Serra- nus ruhen; dazu mnd. ro(ανν, rauen, mndl. ro(e)uaben, rurben. ruhig, adj., mhd. ruorwic, spätmd. rüwig, bei Luther rugig, bei Alberus dict. m 2 b r⁴gig, 1539 bei Serranus ruhig; dazu mnd. ruwich, mndl. roeuwigh. ruhsam, adj., im 15. Jh. rüsam(Diefenbach gl. 4795), bei Luther 8, 295 b rugsam, mnd. rοu‿νεsam, rau‿ννe- sam(Diefenb. nov. gl. 311 b). ZUS. mit Ruhe: Ruhebank, f., 1716 bei Ludwig. Ruhebett, n., 1537 bei Scheidenreißer Od. 23, 164; 1556 bei Frisius 1317 b Rüwbett. ruhelos, adj., bei H. Sachs rulos. Ruhepunkt, m., 1663 b. Schot-