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m.(-S): die gelbblühende Kohlpflanze brassica napus mit ölhaltigem Samen(s. 1Raps). Mhd. ruobesame«Rübensaat», um 1500 md. rübsamen Raps(Michelsen Mainzer Hof in Erfurt 36), 1731 bei Zincke öcon. Lex. Riühsen, 1719 bei Kramer Rübs m., verkürzt wie Mannsen, Weib- sen aus Manns-, Weibsname; dazu mnd. rove- sãt n.«Rübsamen». Rüböl, n.: Rübsenöl, mhd. ⁴αανιεο⁷, 1546 b. Bock 278 b Rubsamenöl, 1664 bei Duez Rapen-, Rübenöhl, 1777 bei Ade- lung Ribsen-, Rüböhl, mnd. roeffolge, rofolig. Ruch, m.(-es, Pl. Rüche): Geruch. Bei Luther, noch altertüml. b. Goethe 6, 139. Mhd. ruch m.«Geruch»(s. d.), spätmhd. auch roch. 2Ruch, m.(lels, Pl.-e): die Saatkrähe, cor- vus frugilegus. Mhd. raoch(e) m.«Saatkrähe, Häher», ahd.(hyruoh u. ruoho m.«Häher», auch Krähe, Dohle»; dazu mnd. rox e), ndl. frs. roek Saatkrähe, Kolkrabe», ags. hrôc m., engl. r⁹, anord. hrökr m. Krähey, dän. raage«Krähey, schwed. räxa. Davon abgeleitet md. u. nd. Rücke f.«Saatkrähey(1777 bei Adelung). Im Ablaut zu gr. köpat m. Rabey. ruch(t)bar, adj.: durch umlaufendes Ge- rede ausgebreitet bekannt. Bei Luther rucht-, rüchtbar, im 15. Jh. ruchtbar, 1669 im Simpl. 144 und 1749 bei Lessing 1, 117 ruchbar, bei Schiller u. Goethe beide Formen. Zgs. mit md. Raucht f.(1586 bei Pape Bettel- u. Garteteufel N52, 1691 bei Stieler), mnd. ruhte, rochte n. das Rufen, Geschrein. dann«Gerücht, guter oder schlechter Rufy, wovon das Adj. rüchtig cberühmty(1537 bei Dasypodius) u. weiter 1482 ruchtigen«bösen Leumund machen, ver- leumden»(Voc. theut. d 3 b), im 15. Jh. nd. rochtighen«in guten od. bösen Ruf bringen,- (Diefenbach gl. 224 b); im Hochd. entspricht mhd. ruoft m.«Ruf, Leumund». S. Gerücht und berächtigen. ruchlos, adj.: alle Rücksicht, alles Gesetz vernachlässigend od. außer acht lassend. Mhd. ruochelõs(md. rüchelos) und ahd. ruachalõs «sorglos, unbekümmert, nachlässig», erst nhd. bei Luther 3, 238a gottlos, frevelhafty(4, 214 b rauchlose Buben); dazu mnd. rokelôs«sorglos, unbesonnen, plötzlich». Zgs. mit mhd. raoh m., ruocheé f., ahd. ruoh m., ruohha f. Achthaben, Sorgfalt, Sorgey s.(geruhen). 4B L. Ruch- losigkeit, f.: Frevelhaftigkeit, 1664 bei Duez. Md.(14. Jh.) rüchelösikeit f.«Sorglosigkeity. Ruck, m.(-S, Pl.-e): stoßende schnelle Fortbewegung. Mhd. ruc m.(Gen.-ckes), ahd. rucch m.«geschwinde Fortbewegungy; dazu ndl. rux, anord. r³r m.«Ruck», schwed. ryckc,
dän. ryt. Davon rucken, rücken, v.: stoß- weise fortbewegen; sich schiebend fortbe- wegen. Mhd. rücken, rucken, auch rocken u. frühe ruchen(Prät. ruckete, ructe, ruhte, Part. gerücket, gerucket, geruht), ahd. rucchen(Prät. ruhta)«fort-, wegbewegen»; dazu mnd. und mndl. rucken(aus dem Nord. entl. engl. rock cbewegen, schütteln»), anord. r„᷑a, schwed. rycka, dän. ryklce. Mit ru aus idg. z zu lat. vergere«sich neigen, sich biegen?, aind. virjati «wendet, drehty. Weitres bei Walde. Das un- umgelautete rucken noch bei Goethe 1, 265, Rückert 1, 151 und nordd. Davon ruckeln, v., nordd. Wiederholungswort.
Rückbürge, m.: Bürge, der den eigentl. Bürgen schadlos halten muß. 17. Jh. Zu Rücken.
rucken, rucksen, v.:(von der Taube) die Töne ruckeddig hören lassen. 1625 im Esel- könig 223 rucken, 1664 b. Duez ruckern, rückern, 1601 bei Eyering Sprichw. 2, 130 ruckeln, im 15. Jh. ruczen, rochczen(Diefenbach gl. 502 b), um 1480 im Voc. inc. teut. pb 1 b ruckausen, wie schon im 13. Jh. ruckauzzen(Renner 7019), im 15. Jh. bei Beheim Gedichte 9, 622 rucka schreien. Eine lautmalende Bildung, wie glbd. ndl. roekoeken, nd. rükukeen, frz. roucouler.
Rücken, m.(-v, Pl. wie Sg.): die der Brust entgegengesetzte Körperseite, Hinterseite; er- habner, oberster Längenteil. Mhd. rück(e), ruck(e) m.(auch«Bergrücken») mit starker, noch selten mit schwacher Flexion, die erst im 16. Jh. die Oberhand gewinnt(der Nom. Sg. Rugken 1561 b. Maaler, der Gen. Sg. mit s 1497 bei Braunschweig Chirurg. 84 b des Feuckens); ahd.(h)rucki m., daneben einmal im 12. Jh. schwach rucco m.; dazu andfrk. ruggi, mud. rugge, mndl. rugghe, undl. ru⁹, afrs. hreg, regh, ags. Erycg(auch«Berg-, Wasserrücken), engl. ridge, anord. Aryggr m.(auch«Bergrücken)), schwed. rygg, dän. /.νg. Wohl urverw. mit air. crocenn«Rückenꝰy, gall. Penno-crucium«Berg- namey, lat. crao f.«Marterholz, Kreuz, aind. krü Gati«krümmt sichy. Vgl. Walde. Die starke Biegung noch in zurück(s. d.) u. in den ZUS. Rückfall, m., 1716 bei Ludwig; rück- fällig, adj., ebd. Rückgang, m., 1663 bei Schottel 476; rückgängig, adj., 1678 bei Krämer; Rückgrat, n.(-Lels, Pl.-e): Knochen- reihe zwischen Kopf u. After. Anfang des 15. Jh. riuckegrät m.(Diefenb. nov. gl. 141 ²), 1429 ruggengrät«oberster scharfer Rand, Kno- chenspitze des Rückensy, gemäß dem glbd. lat. spina dorsi, eig.«Spitze od. Dorn des Rückens» (s. Grat). Im Mhd. sonst bloß grät m. Rück-


