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sprach, die rotwalsch(Var. rotwelsch). Eig. cunverständlich klingende Trugsprache der Bettler u. Landstreicher», 2gs. aus rotwelsch rot«Bettler» und welsch(s. d.) in der Bed. cfremdländisch unverständlich».
Rotz, m.(-es): Nasenschleim; Ausfluß des Nasenschleims als ansteckende Krankheit der Pferde u. Schafe(1741 bei Frisch). Mhd. ro(t)z, ahd.(h)roz m. Nasenschleim, Schnupfen». Aus gleichem Stamm wie mhd. razen, 1482 rauwßen sschnarchen», ahd. rüzan und razon crasseln, sechnarchen, schnauben, afrs. hräta. ags. hraãltan, engl. rout, anord. hrjõòta«schnarchen». Urverw. mit gr. wöpulo f.«Rotz, Schnupfen, Katarrh?. 4BL. rotzen, v., bei Luther 5, 504. rotzig, adj., mhd. rotæic u. rützic, ruczig(mit der Rotz- krankheit behaftet), ahd. rozzig, ruzzig. ZU08. Rotzkolbe, m.(-n, Pl.-/): der Kaulkopf, cot- tus gobio, benannt nach der kolbenähnlichen Gestalt des breitköpfigen Fisches u. wegen des an ihm befindlichen Schleimes, 1777 bei Ade- lung. Rotzlöffel, m., Schimpfwort für Kin- der und junge Leute, bei Luther 1, 3 b Rotz- leffel(s. 2Löffel). Rotznase, f., als Schelte für Kinder u. a., 1587 im Buch der Liebe 215°.
Roué(spr. rué), m.(-s, Pl.-s): Wüstling mit äußerlich feinen Manieren. 1801 b. Campe. Aus frz. roué m., eig. Part. Pass. von rouer crädern»(aus lat. rotäre cdrehen»), also creif für den Galgen». Von dem Regenten Orleans für die Genossen seiner Ausschweifungen ge- braucht. Vgl. ZfdW. 10, 231.
Rouläde(spr. ru-), f.(Pl.-n): Fleischröll- chen, Rollfleisch. 1813 bei Campe. Aus fra. roulade f., das aber nur«musikalischer Lauf» bed., von rouler crollen»(lat. rotulãre).
Rouléau(Sspr. 1olö), n., bayr. auch m.(*s, Pl.- u.[öst. auch]-x): rollbarer Fenstervor- hang, Rollvorhang. 1791 bei Rot. Aus frz. rou- leau m. Rolle⸗, zu frz. rouler crollen»(s. o.).
Roulétt(spr. ru-), n.(*8, Pl.-e,-), öst.- bayr. Roulétte, f.(Pl.-/): Rollscheibe, Glücks- rad, Spiel. 1834 bei Petri Roulette. Das glbd. frz. roulette f.(vonrouellle] eRads, aus lat. rota).
Route(spr. ru-), f.(Pl.-n): Reiseweg, Straße, Marschrichtung der Soldaten. 1703 im Zeit.-Lex., aus glbd. frz. route f., hervor- gegangen aus lat. rupta via durchgebrochne Straßey. Dazu Routine, f.: durch Ubung er- worbne Gewandtheit, im 18. Jh.(Zfd W. 8, 93). Aus frz. routine f.«Wegkunde, Ubung».
Rowdy(spr. raudi), m.(*s, Pl.- u. ies): ge- walttätiger Mensch. Urspr. Name für den Neu-
Rübsamen 6 14
yorker Straßenpöbel, von engl. to rou ärmem. Um die Mitte des 19. Jhs. übernommen. Rübe, f.(Pl.-n): geradezulaufende runde fleischige Wurzel. Mhd. ruohe, rüebe, md. rãbe, ahd. ruoba, ruoppa f., noch obd. Rube(Rückert 2, 225); dazu mnd. roue, und. röve, mndl. roe-, roeve, rof f.«Feld-, Gartenrübes,(entl.) schwed. rofua, dän. roe. Dazu ablautend mhd. rabe, 1470 md. rappe, ahd. raba, ndl. raap f., noch schweiz. Rave, Ravi f.«Rübe»(aber schweiz. Räbe, bayr. Räben f. cweife Feldrübe»), doch könnten diese Worte auch auslat. rãpastammen. Urverw. mit glbd. lat. rãpum n. u. rãpa f., mlat. räba(daher fra. rave f., mundartl. reve), gr. pdcuc, bdnu f. Rübey, bdꝓuvoc m. u. baqdvnf. Rettich», lit. röpé und abg. répa f.«Rübe». Vgl. Kohlrabi. ZUS. Rüböl, n., s. u. Ribsamen. Rubel, m.(-v, Pl. wie Sg.): russische Silber- münze, Wert ca. 3,24 M., als Papiergeld im Kurse schwankend. 1656 b. Olearius muscowit. Reisebeschr. 3, 14. Aus russ. rubli m.(zuerst 1321 erwähnt), eig.«abgehaunes Stück Silber- barren», im 14. Jh. an Stelle des ältern russ. Pelzgeldes getreten, von russ. rubitt«abhauen. Rübezahl, m.(s): der Name des Berg- geistes im Riesengebirge. Rübezal 1630 bei Opitz Hercinia, 1662 Daemonologia Rubinsalii Silesii, d. i.«Bericht von dem Rübezahl⸗ usw. von Joh. Prätorius. Schon im 13. Jh. findet sich mhd. der Beiname Ruobezagel, Rhübezagil cRübenschwanz“»(s. Zagel), d. h. causlaufendes untres Ende der Rübes, zunächst elbischer (einem Elfen angehöriger) Name, dann Spott- name. Aus dem Deutschen entl. tschech. ERybecal. Rubin, m.(-s, Pl.-e): ein durchsichtiger roter Edelstein. Mhd. rubin(mit dem Ton auf der 1. oder 2. Silbe), auch rubbin, robin, aus glbd. mlat. rubinus m., woher auch ital. rubino m., zu lat. rubeus, robeus rot. Rubrik, f.(Pl.-en): Uberschrift, Aufschrift, Abschnitt. 1482 im Voc. theut. bb 3 b rubrick f. „Uberschrift mit roter Tintes, mhd. rubrik e) f.«rote Tinte, 1420 rubrice«Rötel», aus lat. rubrica f.«rote Erde, Rötels, im 3. Jh. n. Chr. b. lat. Rechtsgelehrten c(rotgeschriebner) Titel eines Gesetzes u. dgl., von lat. ruber«rots. rubrizieren, v.: mit einer Uberschrift ver- sehen, die urspr. rot war. 1482 im Voc. theut. bb 3 b rubritæieren crot fürben, rote Buchstaben machen’⸗, 1477 clev. ræbricieren, aus glbd. mlat. rubricare, lat. rubricãtus«rot gemalt. Daher im Kanzleistil Rubrikät, m.(en, Pl.-en): der in der UÜberschrift Genannte. Rübsame(n), m.(-S), gekürzt Rübsen, 39*


