Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
611-612
Einzelbild herunterladen

611 Rotte

rotwelsch

sein od. werden, im 18. Jh. b. Ramler, Herder. röten, v.:(tr.) rot machen, mhd. rœten, md. rôten, ahd. rõtan;(refl. u. intr.) rot sein od. werden,(intr.) mhd. rõten, ahd. rõötéꝝn u. in Zss. irrõtẽn, im 16. Jh. errõten; daneben mit kurzem Stammvokal mhd. roten, ahd. rotén«einen An- flug von Röte gewinnen, erröteny, wie ahd.

rutichon«rot aussehen». rötlich, adj., 1482 im Voc. theut. bb 3 b rotlig, mhd. rœæteleht, rõte-

loht, rœætlot. ZUS. Rotauge, n.: eine Art Weißfische mit einem roten Ring um jedes Auge, spätmhd. rötougel u. rötauge, ahd. rot- ouga, nd. im 15. Jh. rοdoge n. Rotbart, m., 1537 bei Dasypodius. Rotbrüstchen, n.: das Rotkehlchen, 1505 in der Straßbg. Gemma i 22 rotbrustlin, ndrhein. 1495 in der Kölner Gemma H 2° roetboerstken. Vgl. noch engl. Robin red- breast. Dazu Suolahti 41. Rotbuche, f., 1580 b. Sebiz Feldbau 16, wegen des rötlichen Holzes. Rotfeder, f.: Fisch mit roten Flossen, insbes. Cyprinus rutilus, md. 1517 bei Trochus J 15 rotfedder. Rotfichte od. Rottanne, f.: die Fichte, benannt nach der braunroten Rinde, 1777 bei Adelung, rote Thannen 1546 bei Bock 2, 68 b. Rotgerber, m.: Gerber, der die Häute mit Lohe gerbt, wodurch sie rötlich aussehen, 1470 rotgerwer(Mone Ztschr. 18, 20). Rotgießer, m.: Kupfergießer, 1562 bei Mathesius Sar. 12 b. Rothaut, f.: India- ner. Rotkehlchen, n.: das Vöglein mo- tacilla rubecula, 1517 bei Trochus H 4 rot- kelchen. Ahd. dafür rötilo, woraus im 16. Jh. Rotele. Vgl. Suolahti 40. Rotlauf, m.: die mit Rose bezeichnete Krankheit als laufendes rotes Feuer(früher Wildfeuer, St. Antonius- feuer genannt, ahd. flehtindez fiur). 1419 roit- lauff n.(Diefenb. nov. gl. 155 ²), 1546 b. Bock Kräuterb. 45 b Rotlauffen n., 1584 bei Wirsung Rothlauff f., 1664 bei Duez Rothlauff m. Rot- schwänzchen, n.: der Waldvogel motacilla erithaeus, 1554 im Straßburg. Vogelb. V. 631 Rotschaentzlin n. Vgl. Suolahti 43. Rot- spohn, m.(*): französisch. Rotwein, eig.«Rot- wein vom Fassen(1594 bei Frischlin nomencl. c. 133 Sponwein«vinum de dolio»), urspr. ein mecklenburgischer Ausdruck, zu mnd. span m. chölzernes Gefäß, Faß. Rotwein, m., spät- mhd. rötabin m. Rotwild, n.: das rotbraune Wild, wie Hirsche usw., im Gegensatz zum Schwarzwild, den Wildschweinen, mhd. röt- wilt n. Rotwurst, f.: Blutwurst, b. Luther?, 225 b Rotaurst, 1517 b. Trochus Q 1 roto‿οrsl.

Rotte, f.(Pl.-n):(militärisch) die in der Linie hintereinanderstehenden Soldaten(jetzt

612

2); Vereinigung von Personen in aufrühre- rischer, verbrecherischer, böser Absicht. Mhd. ro(t)te, rot f.«Kriegerschar von 4, 10 bis 100 Mann», dann überhaupt Schar, Genossen- schaft», in üblem Sinne von Aufrührern und Sektierern bei Luther; dazu mnd. rote, rate f. «Schar», mndl. rote, nndl. rot n. Aus afrz. rote f.«Abteilung eines Heeres, Truppy(daher auch engl. rout«Rotte»), von mlat. rο(*)ta, ru(t)ta f., aus glbd. mlat. rupta f., dem(wahr- scheinlich im Gedanken an lat. cohors f.«der zehnte Teil einer Legion) subst. F. von lat. ruptus, Part. Perf. Pass. von lat. rumpèere cbre- chery, demnach eig. Bruchteil, Abteilung eines Heeres». Vgl. Reuter. 4BL. 1rotten, v., gew. refl.: eine Rotte bilden, md. im 13. Jh. roten«sam- meln, schareno, im üblen Sinne b. Luther. rot- tieren, v.: in Rotten einteilen; zusammenrotten (bei H. Sachs). Mhd. ro(H)tieren«in bestimmte Rotten abteilen, ordnen, scharen, sammeln. Ge- bildet mit fremder Endung, wie hofleren von Hof. ZUS. Rottmeister, m.: Obrer einer Rotte. Mhd. rot(æymeister m.«Rotten-, Schar- führer, Anführer», schon im 15. Jh. Befehls- haber über 10 Mann(Städtechr. 10, 299, 17 von 1468), entsprechend dem spätern Korporal.

*rotten, v.: bis in die Wurzel tilgen; völlig tilgen. Md. roten, roden, rutten, Nebenform von reuten(s. d.). Vgl. ausrotten.

srotten, v.: faulen, durch Fäulnis mürbe werden u. zerbröckeln. In verrotten. Auf- genommen aus nd. rotten, raten, mud. roten, rotten«faulenꝰ, asächs. rotôn«von Fäulnis zer- fressen werdenꝰ, dazu mndl. rotten, ags. rotian cverfaulen», engl. rot«faulen», rotten«faul», anord. rotna«faul werden», rotinn«verfault», dän. raadne«faulen, modernꝰ; die entsprechen- den hochd. Formen sind mhd. r6(3)zen, ahd. rõzen u. rozen cfaulen, in Fäulnis übergehen, verwesen», noch schweiz. rõßen cfaulen»(vom Flachs im Wasser). S. 2rösten.

rötten, v. Flachszum Rotten, Mürbewerden bringen. Die ndd. Form für hd. rösten(s. d.).

Rotünde, f.(Pl.-n): Rundgebäude. Mhd. rotund(e) f., aus lat. rotunda, F. von rotundus adj.«rund»(s. d.).

Rotwein, Rotwild usw., s. rot.

rotwelsch, adj.: räuber-, gaunerdeutsch. Wörter aus dem Gaunerdeutsch stehen schon im Augsburger Achtbuch von 1342, aber be- reits um 1250 findet sich in Hahns Passional 221², 22 als Subst. rotwalsch n.«betrügliche Rede, Worte geheimen arglistigen Sinnes», als Adj. 1411 bei Vintler Pluemen 9086 ein neuwve